Parties, Alkohol und jede Nacht mit einer anderen Frau ins Bett - Hlynurs einzige und wahre Leidenschaft ist das süße Nichtstun. Ein eigenes Apartment oder gar Jobsuche bereiten ihm viel zuviel Stress. Hlynur fühlt sich einfach wohl bei Mama. Als Lola dort auftaucht, gerät sein Dolce Vita allerdings gehörig ins Wanken. Die temperamentvolle Spanierin fordert ihn heraus. Hlynur soll sich am Riemen reißen und sein Leben endlich selbst in die Hand nehmen. Doch als sie eines Abends mit ihm um die Häuser zieht, erliegt selbst die widerspenstige Lola Hlynurs Charme. Ein One-Night-Stand mit Folgen. Lola ist schwanger. Doch das ist noch lange nicht alles. Als sie ihm eröffnet, dass seine Mutter und sie ein Paar sind und eine Familie gründen wollen, fällt Hlynurs Lebensplanung plötzlich wie ein Kartenhaus zusammen ...
Originaltitel
101 Reykjavik
Produktionsland
Island / Dänemark / Frankreich / Norwegen
Produktionsjahr
2000
Genre
Komödie
Lauflaenge ca. 85 min.
FSK 16
Darsteller
Hilmir Snaer Gudnarson
Victoria Abril
Hanna Maria Karlsdottir
Baltasar Kormákur
Stab
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Baltasar Kormákur
Kamera: Peter Steuger
Produktion: Ingvar Thordarson, Baltasar Kormákur, Thorfinnur Omarsson
Extras
- Trailer
- Making of
- Wendecover
Technische Angaben
Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Französisch, Isländisch (Surround Dolby Digital, 5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch, Französisch
Rezensionen
film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
101 Reykjavik
von Oliver Rahayel
Island, Land der Geysire und der nordischen Mythen – seit Jahren kämpft Regisseur Fridrik Thor Fridrikson gegen diese folkloristischen Klischees an. Nun wird selbst jenem Rest von Geheimnis und derber Schönheit, der Fridriksons Filme kennzeichnet, der Garaus gemacht. Im Debütfilm des Theaterregisseurs und Schauspielers Baltasar Kormákur besteht Island nur aus der einzigen grösseren Stadt der Insel, der Hauptstadt Reykjavik, die hier etwa ebenso attraktiv wirkt wie die grauen Siedlungen Finnlands bei Kaurismäki. Der Held des Films, Hlynur, der gleichzeitig der Erzähler ist, fragt sich mehr als einmal, wie Menschen in dieser Einöde und ewigen Kälte überhaupt leben können. Aber liefert auch, auf seine Weise, gleich die Antworten mit. Man lebt am besten noch mit fast 30 bei seiner Mutter, verschanzt sich zu Hause, vermeidet es zu arbeiten und geht abends regelmässig einen trinken. Denn in der Kneipe existiert ein anderes Reykjavik und Island: Man ist ausgelassen, trinkt, flirtet und feiert bis zum Morgen. Die Ermahnungen seiner Mutter oder auch der Frau im Arbeitsamt lassen ihn kalt. Hlynurs heile kleine Welt gerät erst aus den Fugen, als die spanische Flamenco-Lehrerin Lola auf Einladung der Mutter über Weihnachten bei den ihnen einzieht. Nach einer Zechtour landen Hlynur und Lola im Bett. Aber nicht lange, und Hlynur muss erfahren, wie der Hase wirklich läuft: Lola und seine Mutter sind ein Liebespaar. Gleichzeitig wird noch ein Mädchen schwanger, das viel mehr Interesse an Hlynur zeigt als umgekehrt. So ist er gezwungen, aus seiner Lethargie zu erwachen.
Hlynur fühlt sich beraubt: seiner Geliebten, seiner Mutter, seines Friedens, seines Zuhauses. Die Welt, die er immer sorgsam aussen vor liess, ist nun in sein Refugium hinein geraten und hat es durcheinander gebracht. Das Gesicht von Hilmir Shaer Gudnason, der Hlynur spielt, bleibt fast immer unbewegt, so wie seine ganze Figur, während alle anderen um ihn herum reden, laufen, arbeiten – aber man spürt bei seinem Spiel sehr deutlich die Angst vor jeder kleinen Veränderung. Wenn Hlynur diese Welt mal gar nicht mehr aushält, zieht es ihn auf einen Hügel über der Stadt, wo er sich in den Schnee legt und raucht: die soziale Verweigerung findet hier ihre deutlichste Metapher. Genau betrachtet, wirken die Alternativen, die das Leben im Postbezirk 101 Reykjavik bietet, tatsächlich nicht viel anziehender. Mal drängt ihn die Mutter, zur Familienfeier der Verwandten mitzukommen. Dort sitzt man herum, redet langweiliges Zeug und sieht sich das Video von der Feier des vergangen Jahres an, auf der alle ebenso langweiliges Zeug geredet haben. Oder die Kumpel schauen sich deutsche Pornofilme an. Oder man geht zu Lolas Flamenco-Unterricht, der die südländische Atmosphäre gänzlich vermissen liesse, wäre da nicht Victoria Abril, die die vor Energie sprühende Lola spielt. So liefert die unterhaltsame schwarze Komödie nach einem populären isländischen Roman ganz beiläufig satirische Einblicke in das Leben auf dem fernen Vorposten Europas. Die Bilder des Films sind scheinbar kunstlos, besonders, wenn sie das Chaos in Hlynurs Zuhause zeigen. Aber je mehr dieses Zuhause verlassen wird, desto häufiger findet Kormákur Wege zu einer raffinierten Gestaltung, bei der die Bilder mehr erzählen als die Figuren. Dazu ertönt ein skurril-minimaler Soundtrack mit Versatzstücken etwa aus dem Song „Lola“ von den Kinks, aufgenommen von Damon Albarn von der englischen Gruppe Blur, der bereits für „Trainspotting“ (fd 32 052) tätig war, und Einar Ørn Benediktsson von den Sugarcubes, der einstigen Band von Björk. Besonders Hlynur redet nicht viel, dafür lässt er als Erzähler aus dem Off wissen, was ihn bewegt. Es sind die Gedanken eines Menschen, der mit seinem Leben schon abgeschlossen hatte, bevor er erwachsen wurde, und der nun die kathartische Reise eines Helden antreten muss, der wider Willen die Welt wenn schon nicht retten, so doch wenigstens betreten muss.
Angaben zum Vertrieb
DVD im Handel seit 08.04.03
Bst.-Nr. 500593, EAN 4006680028514
Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:
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