Originaltitel
Absolute Wilson
Produktionsland
Deutschland / USA
Produktionsjahr
2006
Genre
Dokumentation
Lauflaenge ca. 101 min.
FSK 6

Darsteller
Robert Wilson
David Byrne
Susan Sontag
Philip Glass

Stab
Regie: Katharina Otto-Bernstein
Drehbuch: Katharina Otto-Bernstein
Kamera: Ian Saladyga, Eric Seefranz
Produktion: Katharina Otto-Bernstein

Seine revolutionären Bühnenproduktionen sind legendär, sein Ruf als einer der mutigsten und kreativsten Theatermacher der Welt eilt ihm voraus – der Mensch Robert Wilson blieb bisher jedoch ein Rätsel. Gegenüber Regisseurin Katharina Otto-Bernstein, die den faszinierenden Künstler fünf Jahre lang begleitete, offenbart Robert Wilson erstmals auch Persönliches: er berichtet von seiner Kindheit in der strengen, rassistischen Welt des US-amerikanischen Südens, der schwierigen Beziehung zu seinem Vater und den Hürden, die er auf seinem außergewöhnlichen Lebensweg zu überwinden hatte. Otto-Bernstein lässt auch zahlreiche Kollegen und Freunde zu Wort kommen, darunter Susan Sontag, Philip Glass und David Byrne ...

Das intime und mitreißende Porträt des Theater-Genies Robert Wilson erscheint in einem hochwertigen 2er Digipak mit über 3 Stunden spannendem Bonusmaterial!

Extras

  • Dokumentation über Robert Wilson und seine Arbeiten
  • Opern-Inszenierungen
  • ausführliche Interviews mit Zeitzeugen
  • Deutschland-Premiere
  • Die Feier zum 65. Geburtstag Wilsons
  • Kinoplakat
  • Texte
  • Booklet
  • Trailer uvm.

Technische Angaben

Bild: 1,33:1
Sprachen/Ton: Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Absolute Wilson
von Felicitas Kleiner

Wer eine Produktion des Theaterregisseurs und Installationskünstlers Robert Wilson gesehen hat, wird sie sobald nicht mehr vergessen. Ob „Woyzeck“ (2000) oder „Time Rocker“ (1996), ob „The Black Rider“ (1991) oder „Parsifal“: Seine Inszenierungen sind bleibende Erlebnisse; surreal, expressiv, von einem ganz eigenen, abstrakten Stilwillen geprägt, mehr Gesamtkunstwerke als klassische Theaterarbeit. Realismus und traditionelle Figurenpsychologie spielen dabei keine Rolle, dafür aber Farben, Formen, Musik, die Bewegung von Körpern im Raum sowie intertextuelle bzw. -mediale Bezüge.

Katharina Otto-Bernstein hat dem Künstler, der seit den 1960er-Jahren zur Avantgarde der internationalen Theaterszene gehört, ein Filmporträt gewidmet, das in jahrelanger Zusammenarbeit mit Wilson entstanden ist. Von der Machart her ist das Ergebnis, „Absolute Wilson“, nicht spektakulär: Es besteht weitgehend aus Interview-Sequenzen, in denen Wilson über sich selbst und seine Arbeit erzählt; auch Zeitgenossen wie Susan Sontag, der Musiker David Byrne, Opernstar Jessye Norman, der Komponist Philip Glass oder auch Wilsons Schwester kommen zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen mit dem Künstler. Das Ganze wird durch Mitschnitte von diversen Projekten illustriert, durch Schwarz-Weiß-Fotografien aus Wilsons Kindheits- und Familiengeschichte sowie durch einige historische Aufnahmen, die die Zeitgeschichte lebendig werden lassen. Die Dokumentation ist – nach einer Art „Ouverture“, die erste Eindrücke von Wilsons Schaffen, Persönlichkeit und seiner Bedeutung fürs internationale Theater vermittelt – lose chronologisch aufgebaut: von Wilsons Kindheit in Waco, Texas, bis in die Gegenwart.

Fragen oder Kommentare der Regisseurin bleiben außen vor; Wilson und seine Kunst sprechen für sich. Nur die Montage deutet vorsichtig Zusammenhänge zwischen Leben und Werk an, wenn Otto-Bernstein für bestimmte biografische Einflüsse, die Wilson im Interview erwähnt, Beispiele für deren Ausprägung in einzelnen Produktionen sucht. Trotz oder gerade wegen dieser konventionellen Erzählweise ist der Hamburger Filmemacherin ein fantastisches Künstlerporträt gelungen, in dem sich an keiner Stelle formale Mätzchen zwischen den Zuschauer und das Objekt des Interesses schieben.

Die Dinge, die Robert Wilson zu seinem Werdegang und zu seinen Werken zu berichten hat, sowie die Einblicke in die Theaterproduktionen und die sonstigen Aktivitäten des Genies (wie man Wilson ohne Übertreibung nennen darf), sind allemal faszinierend genug, um zu fesseln und zu unterhalten. Der 1941 in wohlhabenden, konservativen Verhältnissen geborene Künstler erzählt von einer schwierigen Kindheit, in der ihm eine Störung bei der Verarbeitung von Umwelteindrücken – er beschreibt sich als sehr langsames Kind, das sich mit allem, was andere spielend lernten, schwer tat – viel Druck, Schmerz und Einsamkeit bescherte, aber auch eine ganz eigene Wahrnehmung der Welt. Und eine Zuneigung zu den scheinbar „Andersartigen“, zu Menschen, die nicht so funktionieren, wie es die Norm vorschreibt. Mit dem Umzug nach New York setzte neben dem Architekturstudium Wilsons künstlerisches Schaffen ein – eingebettet in ein höchst kreatives Umfeld zwischen „Living Theatre“ und Merce Cunningham, wo nach neuen Ausdrucks- und Lebensformen gesucht wurde. Wilson berichtet über Ermutigungen und Rückschläge, über einen Selbstmordversuch, das Ringen um die Achtung des Vaters und den Umgang mit der eigenen Homosexualität. Und über die künstlerischen Experimente, in denen sich sein ganz eigenes Universum formte. Auch als sich internationale Erfolge langsam einstellten – etwa mit „Einstein on the Beach“ (1976) –, war seine Karriere nicht nur von Anerkennung und der Zusammenarbeit mit den interessantesten Künstlern seiner Zeit geprägt, sondern auch vom ermüdenden Ringen um Gelder und sonstige Unterstützung. Bis hin zu einem gänzlich gescheiterten Projekt im Rahmen der Olympischen Spiele 1984, eine Enttäuschung für Wilson, an der er schwer zu tragen hatte – ohne dass dies den Arbeitseifer des ruhelosen Künstlers geschmälert hätte.

Das Porträt zeigt Wilson als vielseitige und charismatische Persönlichkeit, die ebenso klug wie fesselnd zu erzählen versteht, ohne letztlich das eigene Geheimnis zu lüften oder den Zauber seiner Arbeiten durch peinliche private Offenbarungen zu zerstören. Wenn man den Kinosaal verlässt, wünscht man sich vor allem eines: Eine DVD-Box mit sämtlichen Mitschnitten von Wilsons Projekten. Oder noch besser: Ein neues Bühnenwerk.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 14.12.07
Bst.-Nr. 501576, EAN 4006680039183

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