Originaltitel
Before Night Falls
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2000
Genre
Drama
Lauflaenge ca. 128 min.
FSK 12

Darsteller
Javier Bardem
Olivier Martinez
Johnny Depp
Sean Penn

Stab
Regie: Julian Schnabel
Drehbuch: Cunningham O’Keefe, Julian Schnabel, Lázaro Gómez Carriles
Kamera: Xavier Pérez Grobet
Produktion: John Kilik

Im Havanna der sechziger Jahre kämpft der Autor Reinaldo Arenas gegen Zensur und Unterdrückung. Das Regime steckt den Freidenker und Homosexuellen in das berüchtigte El-Moro-Gefängnis. Ein Veröffentlichungsverbot treibt ihn schließlich ins Exil. Endlich in Freiheit erkrankt Arenas an Aids.

Das farbenprächtige und packende Plädoyer für die Kraft der Kunst wurde auf den Filmfestspielen von Venedig mit dem Großen Preis der Jury und für den Besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. Javier Bardem wurde außerdem für den Oscar® nominiert.

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Extras

  • Hinter den Kulissen
  • Little Notes on Painting
  • Audiokommentar mit J. Schnabe, J. Bardem, L. Gomez-Carriles, C. Burwell und X.P. Grobet
  • Booklet
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Before Night Falls
von Wolfgang M. Hamdorf

Eine weiße Nylontasche mit einem großen roten Herz und der Aufschrift „I love New York“ bedeckt das Gesicht eines Toten in einem heruntergekommenen Zimmer in Brooklyn. Ein Exilkubaner, ein „gusano“ (Wurm), wie Dissidenten und Exilierte in Castros Kuba verächtlich bezeichnet werden. Reinaldo Arenas war eine vielschichtige Persönlichkeit: Homosexueller, Schriftsteller und Regime-Gegner. In „Before Night Falls“ konzentriert sich Regisseur Julian Schnabel im wesentlichen auf dessen Geschichte als Homosexueller, der die bedrückende Enge des karibischen Sozialismus gegen die Kälte und Anonymität der US-Metropole eintauschte. Arenas (meisterhaft dargestellt durch Javier Bardem) wurde 1943 im kubanischen Holguín geboren. Eine konfliktreiche Kindheit, der Streit mit dem Stiefvater und die besitzergreifende Liebe der Mutter ließen ihn früh zu einer selbstständigen Persönlichkeit mit einer besonderen poetischen Begabung heranreifen. Bereits mit zwölf Jahren verließ er sein Elternhaus und schloss sich dem „ejercito rebelde“, der Guerilla um Fidel Castro und Che Guevara, an. Der Film vermittelt die Aufbruchstimmung Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre über eine geschickte Montage von Archivbildern und inszenierten Szenen; unterlegt mit Musik von Lou Reed und Laurie Anderson. Nach dem Sieg der Revolution studierte Arenas Literaturwissenschaft, arbeitete als Kritiker und Journalist. Sein erster Roman („Celestino antes del alba“) erschien 1967, das einzige Werk, das in Kuba publiziert werden durfte.

Der Film vermittelt überzeugend den Kontrast zwischen der Euphorie nach dem Sturz des Batista-Regimes und der bleiernen Stimmung aus Repression und geistig-sozialer Kleinkariertheit, wie sie mit Fidel Castro und der kommunistischen Partei an die Herrschaft gelangten. Wie Tausende Andere kehrte Reinoldo Arenas 1980 dem tropischen Sozialismus den Rücken und suchte in den USA persönliche wie politische Freiheit, da ihm auf Kuba jede öffentliche Plattform genommen worden war. So sah er sich schon 1969 gezwungen, das Manuskript seines Romans „El mundo alucinante“ nach Frankreich schmuggeln zu lassen, damit es veröffentlicht werden konnte. Arenas floh auch vor dem Gefängnis, dass ihn wegen seiner schriftstellerischen Tätigkeit wie seiner nicht versteckten Homosexualität erwartete; er flüchtete aber auch vor der klammernden Liebe seiner Mutter. Er floh vor den Zwängen seines Lebens, aber letztlich auch vor den Konstanten seiner Existenz. In New York fand er Kälte, radikale Einsamkeit, Fast Food und Vergessen. Aus dem verfolgten Dissidenten wurde ein Unbekannter.

„Before Night Falls“ ist keine harte, keine polemische Kritik der kubanischen Zustände, sondern ein wohlwollend-vorsichtiger Blick von außen. In manchen Punkten geht Schnabel, der überwiegend in der mexikanischen Hafenstadt Veracruz drehte, zurückhaltender, vielleicht aber auch unentschlossener als kubanische Regisseur ans Werk, weshalb man sich manchmal an „Erdbeer und Schokalade“ (fd 30 999) erinnert fühlt, die bittere, aber auch humorvolle Liebesgeschichte, mit dem der kubanische Altmeister Tomas Gutierrez Alea das Thema Homosexualität und ihre Diskriminierung auf Kuba 1995 in die Kinos brachte. Schnabels Film wirkt in der Beurteilung der Verhältnisse wesentlich ambivalenter. Sein Film zeigt die Geschichte der kubanischen Homosexuellen in erster Linie über die Darstellung einer schillernden Oberfläche, die Präsenz in der kubanischen Öffentlichkeit, das lustige Leben am Anfang der Revolution und ihre teilweise brutale Unterdrückung – Flirtszenen, Provokationen und Verbrüderungen mit den kubanischen Milizen, aber auch die Doppelmoral, die bestimmte Abschnitte der Revolution beherrschte. Das Werk wie die Person Arenas’ steht dabei besonders für das Individuum, das wegen seiner sexuellen Neigung zum Objekt einer institutionell organisierten Hetzjagd wird. Gezeigt wird dies in einer brillanten visuellen Gestaltung, die Schnabels Hintergrund als malenden Filmemacher und filmenden Maler gleichermaßen verrät. Länge der Einstellungen und Schnittrhythmus erzählen eine Geschichte, die von Brüchen beherrscht wird – schnell geschnittene Sequenzen im Wechsel mit langen, manchmal quälend langsam ausgespielten Szenen markieren den Verlauf des Films und den eines Lebens. „Before Night Falls“ ist deshalb ein politischer und zugleich unpolitischer Film, der die bewegende Biografie eines ungewöhnlichen Schriftstellers nachzeichnet, dessen Leidenschaften, Brüche und Sprünge in seinem Leben.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 12.10.07
Bst.-Nr. 501955, EAN 4006680043043

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

DVD
USA 2000
R: Julian Schnabel

Das bewegende Lebens des kubanischen Regimekritikers und Schriftstellers Reinaldo Arenas.

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