Bernardo Bertolucci

Poetisch und bildgewaltig bis monumental kommen seine Werke daher. Beeinflusst von Größen wie Freud, Marx und Verdi lassen Bernardo Bertoluccis Filme deutlich gesellschaftskritische Tendenzen durchscheinen. Der thematische Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen und psychologische Krisen geht dabei nie zu Lasten seines unvergleichlichen visuellen Stils. Vielmehr spiegeln sich in den Lebensgeschichten seiner Protagonisten die zeitgeschichtlichen Entwicklungen und Brüche.

Biografie

Bernardo Bertolucci wird 1941 als Sohn des bekannten italienischen Autors und Filmkritikers Attilio Bertolucci in Parma geboren. Nach einem abgebrochenen Literaturstudium lernt er 1961 Pier Paolo Pasolini kennen und bekommt die Chance, bei dessen Erstling „Accatone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ mitzuarbeiten. Ein Jahr später veröffentlicht Bertolucci den Lyrikband „Auf der Suche nach dem Geheimnis“ und wird prompt mit dem bedeutenden Viareggio-Preis ausgezeichnet.

Bereits sein erster Film „La Commare Secca“ löst 1962 auf dem Filmfestival in Venedig Wohlgefallen aus. 1968 schreibt Bertolucci mit Sergio Leone das Drehbuch zu dem stilbildenden Westernklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“. Mit dem ebenso erfolgreichen wie skandalösen Erotikdrama „Der letzte Tango in Paris“ (1972) festigt Bertolucci endgültig seinen Ruf als außergewöhnliches Regietalent. Der Film erhält Oscar®- und Golden Globe-Nominierungen und wird zugleich in zahlreichen Ländern verboten. In Italien wird Bertolucci das Wahlrecht entzogen, und er wird zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.
1975/76 begeistert Bertolucci mit dem Historienepos „1900“, das die konfliktreiche norditalienische Gesellschaft um die Jahrhundertwende nachzeichnet. Es folgen kommerziell wenig erfolgreiche Produktionen wie „La Luna“ (1979). Als sich der Filmemacher schließlich für exotische Stoffe zu interessieren beginnt, kehrt der Erfolg zurück. Für „Der letzte Kaiser“ (1987), die Lebensgeschichte des letzten chinesischen Kaisers Pu Yi, darf er als erster westlicher Regisseur in Pekings Verbotener Stadt drehen. Die ungeheure Leistung wird mit unzähligen Auszeichnungen, u.a. neun Oscars®, belohnt. In „Little Buddha“ (1993) wendet er sich erneut der östlichen Geschichte zu. Zuletzt kehrt der Altmeister 2003 mit „Die Träumer“, einem Rückblick auf die studentische Bewegung im Paris der sechziger Jahre, auf die Leinwand zurück.

Filmografie

Filmgrafie (Auswahl)

Die Träumer (2003)
Shandurai und der Klavierspieler (1998)
Gefühl und Verführung (1996)
Little Buddha (1993)
Der letzte Kaiser (1987)
1900 (1975/76)
Der letzte Tango in Paris (1972)
Vor der Revolution (1964)