Originaltitel
Breaking the Waves
Produktionsland
Dänemark
Produktionsjahr
1996
Genre
Drama, Romance
Lauflaenge ca. 153 min.
FSK 12

Darsteller
Emily Watson
Stellan Skarsgård
Katrin Cartlidge
Jean-Marc Barr

Stab
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Kamera: Robby Müller
Produktion: Vibeke Wideløv, Peter Aalbæk Jensen

Die unerfahrene, tiefreligiöse Bess heiratet trotz Skepsis ihrer schottischen Gemeinde den Ortsfremden Jan. Das junge Paar erlebt einen kurzen Moment des Glücks und der sexuellen Erfüllung, bevor Jan zur Arbeit auf die Bohrinsel zurückfliegt. Bess verzehrt sich nach ihm, doch Jan kehrt früher zurück als erwartet – halsabwärts gelähmt. Aufopferungsvoll kümmert sich Bess um ihn, aber Jan will kein Mitleid. Er animiert seine Frau, mit anderen Männern zu schlafen und ihm davon zu erzählen. Im Glauben, Jan damit zu retten, rennt Bess in ihr Verderben.

Lars von Triers in Cannes ausgezeichnetes Meisterwerk mit der wunderbaren Emily Watson in ihrer ersten und gleichzeitig bewegendsten Rolle erscheint als edle Arthaus Premium Edition erstmals in Deutschland mit umfassendem Bonusmaterial.

Extras

  • Dokumentation „Tranceformer – Ein Porträt über Lars von Trier“ (ca. 52 Min.)
  • Audiokommentar mit Lars von Trier, Cutter Anders Refn und Dod Mantle (Kameramann von „Dogville“) für ausgewählte Szenen
  • Emily Watsons Casting mit optionalem Audiokommentar
  • Interview mit Schauspieler Adrian Rawlins
  • Deleted und Extended Scenes mit optionalem Audiokommentar
  • „In Gedenken an Katrin Cartlidge“
  • Lars von Triers Promo Clip für Cannes Festival 1996
  • Deutsches Presseheft als PDF
  • Booklet
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Surround)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Breaking the Waves
von Oliver Rahayel

Die Geschichte, die Lars von Trier erzählt, könnte direkt aus einem Groschenheft stammen, so einfach ist sie gebaut und so sehr ist sie getragen vom Gefühlsleben der Protagonisten. Doch gerade dadurch gewinnt der Regisseur viel Spielraum, um in allen Facetten und ganzem Ausmaß die Gefühle darstellen zu können, die das Leben seiner Figuren prägen. Dank der Loslösung von den Zwängen einer dicht gedrängten Handlung wird der Blick frei auf das Thema des Films: den uneingeschränkten Glauben an das Gute, an die Liebe und an Gott - und wie dieser Glaube ins Verderben führen kann.

Der Schauplatz ist ein entlegenes Dorf an der nordschottischen Küste. Bess, eine junge, unerfahrene Frau, heiratet den einige Jahre älteren Jan, der auf einer Bohrinsel arbeitet. Ihr Glück scheint vollkommen, wird aber im Dorf mit Skepsis betrachtet, weil Bess als geistig labil gilt. Als Jan für einige Monate auf die Bohrinsel muß, ist Bess verzweifelt. Einmal mehr setzt sie sich allein in die Kirche und hält einen Dialog mit Gott - indem sie ihn selbst spricht, mit verstellter Stimme und im Duktus eines strengen Kirchenvaters. Sie fleht um Jans Rückkehr. Als er kurz darauf tatsächlich heimkehrt, allerdings durch einem Unfall schwer verletzt, gibt sie sich die Schuld daran: Ihr Egoismus habe ihm das eingehandelt, glaubt sie. Jan wiederum, der wahrscheinlich gelähmt bleibt, will nicht, daß Bess auf körperliche Liebe verzichtet und bittet sie, sich einen Liebhaber zu nehmen; sie könne sein Leben i retten, wenn sie ihm anschließend davon erzähle, läßt er sie glauben. Nach einiger Überwindung läßt Bess sich darauf ein - was im Dorf nicht unentdeckt bleibt. So wird aus dem unschuldigen Mädchen, das sich willig den strengen Gesetzen des örtlichen Protestantismus unterordnete, eine Ausgestoßene.

Nachdem seine bisherigen Filme von der Existenz des Bösen erzählt hätten, habe er einen Film machen wollen, in dem "alle treibenden Kräfte 'gut'" seien, so von Trier; aber "weil 'das Gute' oft mißverstanden wird, (...) weil wir ihm so selten begegnen, entstehen Spannungen". Seine beiden Hauptfiguren wollen sich in der Tat nur Gutes tun, bewirken damit aber das genaue Gegenteil. Ihr Verhalten erscheint absurd in der abgeschlossenen Welt des Dorfes, die einerseits vom Verstand beherrscht wird, von Medizin und Moral, und andererseits von institutionalisierter Güte, die außerhalb des Gotteshauses nicht stattzufinden hat. Die Zustände sind, man befindet sich in den 70er Jahren, mittelalterlich: Frauen haben keinen Zutritt zu den Gottesdiensten, und der Ältestenrat der Männer entscheidet über Wohl und Wehe der Bürger; schon ein Fehltritt kann zum Ausschluß des Betroffenen aus der Gemeinde führen. Es ist eine ähnlich düstere Sicht auf die Kirche, wie sie Ingmar Bergmans Filme kennzeichnet. Aber wie bei Bergman sind auch bei Lars von Trier die Konflikte nicht allein auf überkommene Moralvorstellungen und gesellschaftliche Strukturen zurückzuführen. Es ist auch die Skepsis der Menschen voreinander, die dem Guten keinen Raum läßt. Da ist Bess' Schwägerin, die mit Bitterkeit auf das Glück der reinen Liebe schaut, zumal sie selbst ihren Mann, Bess' Bruder, verloren hat. Da ist der Arzt, der Jan behandelt, außerhalb seiner Diagnose nichts gelten läßt und schließlich für eine Einweisung von Bess in die Heilanstalt plädiert.

Augenfällig ist die Stilistik, in die von Trier seine Geschichte gehüllt hat und die man in ähnlicher Weise schon von seiner Krankenhausreihe "The Kingdom" (fd 31 390) kennt. Er selbst nennt es einen "reportagehaften Stil". Die Bilder sind ausschließlich mit der Handkamera gedreht, nicht selten ohne Steadicam und dadurch verwackelt. Oft wird auf Schnitte verzichtet und stattdessen ein Reißschwenk eingesetzt, dazu kommen "falsche" Schnitte, jump cuts, und zahllose Unschärfen. Dies führt zu einer hohen Unmittelbarkeit des Dargestellten und erweckt den Eindruck von Unvorhersehbarkeit: als sei man der Handlung und den Gefühlen der Figuren machtlos ausgesetzt. Auch führt dieser Stil zu einer großen Bewegungsfreiheit der Akteure, die eine grandiose Leistung bieten, allen voran Emily Watson und Stellan Skarsgard als Bess und Jan. Lars von Trier und sein Kameramann Robby Müller setzen diese Technik allerdings mit viel Präzision und Feingefühl ein: sehr genau folgen Kamera und Schnitt gerade in den entscheidenden Szenen deren innerer Dramaturgie. Von einer Verselbständigung des Wackelkamera-Stils wie in einigen jüngeren Fernsehproduktionen keine Spur. In seinen bisherigen Filmen hat von Trier kaum mit naturalistischer Farbwiedergabe gearbeitet. Die gelblich-blasse Farbgebung in "Breaking the Waves" erinnert an OrWo-Qualität, die jahrzehntelang den ostdeutschen und osteuropäischen Film kennzeichnete. Zusammen mit dem Zeitkolorit - den Kleidern und Autos, den Rockmusik-Klassikern - entwirft der Film eine ästhetische Reminiszenz an die 70er Jahre, die aber in keinem Moment ihren retrospektiven Charakter zugunsten einer bloßen Reproduktion aufgibt. Darauf weisen deutlich auch die Tableaus hin, mit denen die einzeln benannten Kapitel voneinander getrennt sind: Landschaftstotalen, ausnahmsweise mit Stativ gefilmt, die durch Kolorierung wie gemalt wirken, nahe am Kitsch und beinahe ironisch von 70er-Jahre-Popmusik untermalt. Der Regisseur nennt diese Bilder "Blick Gottes auf die Landschaft", der über das Geschehen wacht - und dem Lars von Trier am Ende noch einmal eine unerwartete Reverenz erweist.

www.kino-zeit.de | | www.kino-zeit.de
Breaking the waves
von Marie Anderson

Eine filmische Kostbarkeit von gehöriger Faszination erscheint hier nun erneut auf DVD, und zwar als Arthaus Premium Edition mit reichlich Begleitmaterial auf einer Bonus-DVD zum Eintauchen in die Hintergründe dieser Geschichte und ihrer Macher: Breaking the Waves von Lars von Trier, der 1996 auf dem Filmfestival von Cannes uraufgeführt wurde und seitdem eine gewaltige Welle an Auszeichnungen erhielt, vom Großen Preis der Jury in Cannes über eine Oscar-Nominierung für Emily Watson als Beste Hauptdarstellerin bis hin zu einem César.

Da offenbart die junge, als einfältig geltende Bess McNeill (Emily Watson) dem verknöcherten Ältestenrat ihrer kleinen Gemeinde an der Küste Schottlands, dass sie sich mit Jan (Stellan Skarsgård) verheiraten will, einem Arbeiter von der Bohrinsel. Diese Nachricht kommt in der verschlossenen, sittenstrengen Kirche gar nicht gut an, Fremde sieht man hier nicht gern, doch mit ihrer ganz eigenen Beharrlichkeit setzt sich Bess durch, und bald darauf wird Hochzeit gefeiert. Bei den Feierlichkeiten wird bereits deutlich, aus welch unterschiedlichen Welten die Brautleute stammen, doch die Wonnen der anschließenden Flitterei lassen keinen Zweifel daran, dass die Feindseligkeiten ihrer Umgebung die Entfaltung einer innigen, bedingungslosen Liebe unbeeindruckt lassen. Ganz hart wird es allerdings vor allem für Bess, als Jan auf die Bohrinsel zurückkehren muss, und diese Trennung lässt sie geradezu verzweifeln. Doch Bess ist eine zutiefst fromme Frau, die in direkter Kommunikation mit dem Allmächtigen auch diese schwere Krise meistert, liebevoll unterstützt von ihrer einzigen Freundin und Schwägerin Dodo (Katrin Cartlidge), die im Gegensatz zu Bess’ ungnädiger Mutter (Sandra Voe) und ihrem noch unbarmherzigeren Großvater (Phil McCall) die immense Kraft und Wärme schätzt, die dem wundervollen Wesen dieser seltsamen Bess anhaften.

Als die Katastrophe geschieht und Jan bei seiner Arbeit einen schlimmen Unfall hat, der ihn beinahe vollständig lähmt, fühlt sich Bess schuldig, da sie Gott um Jans rasche und unbedingte Heimkehr bat. Nun beginnt der Kampf der beiden um das Territorium ihrer Verbundenheit, wobei es die erotischen Aspekte sind, die hier in den Fokus geraten. In seiner Unfähigkeit gefangen, seine Frau wie zuvor sexuell zu beglücken, fordert Jan zunehmend vehementer von Bess, sich mit anderen Männern einzulassen und ihm davon zu berichten. Damit setzt sich allerdings unaufhaltsam eine grausame Tragödie in Gang, denn Bess hat beschlossen, dass diese Art, Jan ihre Liebe zu beweisen, ihn schließlich retten wird, und sie begibt sich durch ihre Herumhurerei in eine gefährliche Situation, persönlich wie gesellschaftlich. Erscheint der junge Arzt Dr. Richardson (Adrian Rawlins) auch zunächst sehr aufgeschlossen und verständnisvoll, bemüht er sich doch im Laufe der desolaten Entwicklungen um Jans Zustimmung, Bess dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen – und damit die Trennung des Paares herbeizuführen, zum angeführten Wohle aller Beteiligten. Doch die so aufgebrachte wie zähe Bess entkommt dem Zugriff und taumelt in ein tragisches Fiasko ...

Eine emotional stark bewegende Liebesgeschichte von kruder Schönheit ist Lars von Trier mit Breaking the Waves geglückt, was zweifellos vorrangig den richtiggehend beseelten Akteuren anzurechnen ist, deren Spiel von einer spannungsgeladenen Intensität ist, was auch für die Nebenrollen gilt, deren Figuren ebenfalls hervorragend besetzt sind. Doch es geht auch um Glauben, Schicksal und Loyalität, und bei diesen existentiellen Themen herrscht neben der Wucht der Vielschichtigkeit dennoch bei Zeiten ein Ton der leisen Komik, die dann wieder in erschütternde Schwere umschlagen kann. Es sind zahlreiche weitere inhaltliche wie formale Elemente, aus denen sich die Faszination von Breaking the Waves als ebenso einzigartiger wie berührender Film zusammensetzt, der einst der Auftakt zur Golden Heart Trilogie des Regisseurs war, die der Däne mit Idioterne / Idioten (1998) und Dancer in the Dark (2000) fortführte. Lassen sich in diesem Zusammenhang auch die dichte Kameraarbeit Robby Müllers und die insgesamt konsequent stimmige Dramaturgie hervorheben, gehört Breaking the Waves jenseits der analytischen Betrachtung seiner Details doch auch zu jenen raren, wertvollen Filmen, denen über die Summe ihrer sorgfältig inszenierten Aspekte hinaus ein ganz besonderer, schwer greifbarer Zauber innewohnt.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 22.05.09
Bst.-Nr. 502218, EAN 4006680045726

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

DVD
DK 1996
R: Lars von Trier

Kompromissloses Liebesdrama um Schuld, Opfer und Erlösung von Lars von Trier.

mehr >>>

Empfehlungen

DVD
D 1975
R: Wim Wenders

Wilhelm Meister will Schriftsteller werden. Er begibt sich reisend auf die Suche nach Geschichten.

mehr >>>

DVD
D / F 1989
R: Wim Wenders

Faszinierende Dokumentation über den japanischen Modeschöpfer Yohji Yamamoto.

mehr >>>

DVD
F / I / D 1995
R: Michelangelo Antonioni, Wim Wenders

Ein Regisseur reist zur Inspiration durch Italien und sammelt vier Geschichten.

mehr >>>

DVD
D 1972
R: Wim Wenders

Verfilmung von Nathaniel Hawthornes Klassiker der Weltliteratur mit Senta Berger und Lou Castel.

mehr >>>

DVD Digipak 3er
D / F / AUS 1991
R: Wim Wenders

Endzeit-Roadmovie mit genialem Soundtrack und Staraufgebot – im Director's Cut.

mehr >>>

DVD
USA 2003
R: Jim Jarmusch

In dem lakonischen Episodenfilm kommt es zu elf Begegnungen zwischen absoluten Stars des Filmbusiness.

mehr >>>

DVD
D / F 1977
R: Wim Wenders

Patricia Highsmith' berühmte Romanfigur Tom Ripley wird erneut zum Leben erweckt.

mehr >>>

DVD
USA 1989
R: Jim Jarmusch

24 Stunden in einem Hotel in Memphis. Die drei Episoden verbindet ein gemeinsames Finale.

mehr >>>

DVD
USA 1986
R: Jim Jarmusch

Mit der skurrilen Komödie wurde Jim Jarmusch über das Independentkino hinaus populär.

mehr >>>

DVD
USA 1999
R: Jim Jarmusch

Der einsame New Yorker Profikiller Ghost Dog befolgt strikt den Kodex der Samurai.

mehr >>>