KulturSPIEGEL | 21.08.2009 |
Der KulturSPIEGEL über "Chrigu"
von Daniel Sander
Keine Frage, „Chrigu“ ist ein trauriger Film, wie sollte es auch anders sein? Mit 21 Jahren erfährt der Schweizer Nachwuchsfilmer Christian Ziörjen, von allen nur Chrigu genannt, dass er einen Tumor im Nacken hat, bösartig, lebensbedrohlich. Es folgen eine kräftezehrende Chemotherapie und der Entschluss, den Kampf gegen die Krankheit mit der Kamera zu dokumentieren, die Momente der Verzweiflung, aber auch der Hoffnung, des Nicht-Aufgebens, des Lebens. Dann die ersten vorsichtigen Schritte zurück in den Alltag, ein Besuch auf dem Biobauernhof der Eltern, zurück in die WG, zu den Freunden. Dann der Rückfall, Metastasen, und die Nachricht der Ärzte, dass sie nicht mehr viel tun können. Ziörjen kann bald nicht mehr alles allein filmen, er bittet seinen besten Freund Jan Gassmann um Hilfe: „Komm wir machen einen Film zusammen, ich steige dann irgendwann aus“.
Der Zuschauer ist dabei, wie diesem jungen, lebensfrohen Menschen langsam die Energie schwindet, wie die Schmerzen schlimmer werden und es ihm immer schwerer fällt, seine Angst zu verbergen und sich nicht einer sinnlosen Wut hinzugeben, mit der immer kreisenden Frage: „Warum ich?“
Ziörjen hat dafür gesorgt, dass „Chrigu“ dabei nicht zur voyeuristischen Sterbeshow gerät , denn vielmehr als ums Sterben geht es in diesem Film um das Leben. Alte Aufnahmen aus den Zeiten als gesunder und glücklicher junger Mann brechen regelmäßig die aktuellen Bilder – eine Indienreise, ausgelassene Partys mit den besten Freunden und immer wieder Videos der „Mundartisten“, einer Hip-Hop-Crew, die Ziörjen oft mit der Kamera begleitet hat. Statt tränentreibender Streicher gibt es in „Chrigu“ nur schnelle, treibende Beats, als euphorischer Soundtrack eines Lebens, das viel zu kurz war, aber glücklich.
Und so niederschmetternd und tragisch es ist, zu sehen, wie sich ein junger Mensch aus dem Leben verabschieden muss - so froh ist man, dass dieser Film die Gelegenheit bietet, diesen Menschen trotzdem noch kennenlernen zu dürfen.
Die letzten Bilder zeigen, wie die Familie und die engsten Freunde Ziörjens Asche in den Inn streuen. So hatte er es sich gewünscht, in ein Gewässer, das nach Osten fließt.
Der Sonne entgegen.