Coffee and Cigarettes

Originaltitel
Coffee and Cigarettes
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2003
Genre
Komödie
Lauflaenge 92 min.
FSK 12

Darsteller
Roberto Benigni
Steve Buscemi
Cate Blanchett
Alfred Molina

Stab
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
Kamera: Frederick Elmes, Ellen Kuras, Robby Müller, Tom DiCillo
Produktion: Joana Vicente, Jason Kliot

Roberto Benigni stürzt einen Espresso nach dem anderen herunter, Bill Murray trinkt den Kaffee gleich direkt aus der Kanne, Steve Buscemi glaubt an die Existenz von Elvis' Zwillingsbruder und Tom Waits qualmt eine Zigarette mit Iggy Pop, weil er es geschafft hat, das Rauchen aufzugeben. In Jim Jarmuschs lakonischem Episodenfilm geben sich die Stars die Klinke in die Hand. Der Liebling des New Yorker Indiefilms lässt seine vom blauen Dunst umwehten Darsteller in elf skurrilen Begegnungen über die Vor- und Nachteile von Genussmitteln und andere Sinnfragen des Lebens plaudern.

"Trotz Suchtfaktor ist der Genuss dieser ‚Coffee und Cigarettes’ unbedingt zu empfehlen." Blickpunkt: Film

Als Einzeltitel/in einer Box erhältlich:

DVD DVD 4er
USA / I 1994-2004
R: Diverse

Die „Best of Independent“ vereint vier Klassiker des Independent Cinemas: enthalten sind Jim Jarmuschs „Coffee and ...

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DVD Schuber 12er
USA / GB / F / D / I / JP 1980-2013
R: Jim Jarmusch

Erstmals alle Filme von Jim Jarmusch in einer ultimativen Box!

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Extras

  • "Tabletops" - Video mit Musik von Joe Strummer und den Mescaleros
  • Interview mit Taylor Mead
  • Bill Murray Outtake
  • Trailer
  • Wendecover

Technische Angaben

Bild: 1,78:1 (anamorph) s/w
Sprachen/Ton: Englisch (5.0 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Coffee and Cigarettes
von Oliver Rahayel

Elvis hatte den ganzen Rummel satt. Deshalb begann er irgendwann, seinen Bruder, der ihm ähnlich sah, an die Öffentlichkeitsfront zu schicken und sich selbst unauffällig zurück zu ziehen. Dieser Bruder war es auch, der schließlich gestorben ist, was zugleich bedeutet: Elvis lebt. Dass die beiden schwarzen Gesprächspartner des weißen Elvis-Enthusiasten wenig für diese Legende übrig haben, zumal Elvis aus ihrer Sicht schwarze Bluesmusiker um ihre Tantiemen betrog, stoppt den aufdringlichen Kellner in seinem Redeschwall nicht. Auch der Junge mit der seltsamen elektronischen Maschine in Form eines Staubsaugers ist davon überzeugt, seiner momentanen Flamme Spannendes zu berichten, als er ihr, ebenfalls in einem Café, von der Funktionsweise der Tesla-Spule erzählt. Besessen davon, unbedingt etwas aus seinem Kumpel heraus locken zu müssen, nämlich ein Problem, dass dieser ganz sicher hat, lässt ein junger Mann nicht locker, bis sein Gegenüber völlig verzweifelt. Im Bewusstsein, unbedingt etwas sagen zu müssen, dem Gesprächspartner möglichst aber nichts Persönliches preiszugeben, treffen außerdem zwei nervöse Nichtstuer, zwei Rockmusiker, eine Filmdiva und ihre erfolglose Cousine, zwei eitle Schauspieler, zwei Rapper und ein Komiker aufeinander, während zwei alte Italiener und zwei in die Jahre gekommene Hausmeister offenbar Probleme damit haben, überhaupt noch aufeinander einzugehen.

Kommunikation ist Kampf, Dialoge sind Duelle, Gesprächspartner Gegner in den elf wunderbaren Kurzfilmen, die Jim Jarmusch zwischen 1986 und 2003 gedreht hat und die er nun unter dem Titel seiner ersten Werke gesammelt ins Kino bringt: „Coffee and Cigarettes“. Tatsächlich sind kaum mehr als diese Requisiten zu sehen in den statischen, schwarz-weißen Kleinoden, aufgenommen von Jarmuschs Wegbegleitern wie Tom DiCillo und Robby Müller: Koffein- und Nikotinhaltiges, ein Diner, ein Café oder eine Lounge, ein Kellner, und manchmal ein Tisch mit Schachbrettmuster. Denn wie beim Schach überlegen sich die Gesprächspartner jeden Zug sehr genau, beobachten misstrauisch ihr Gegenüber und lauern zwischen Angriff und Verteidigung. Um sich nicht zu offenbaren, wird über Banales geplaudert, und das oft ziemlich verkrampft. Worüber soll man schließlich reden, wenn die Situation sich durch die Umstände offenbar selbst definiert? Das schienen sich alle bisherigen Jarmusch-Helden zu fragen, und brachten damit Mitte der 1980er-Jahre die Sprachlosigkeit zurück ins amerikanische Kino. „Stranger than Paradise“ (fd 24 712) und „Down By Law“ (fd 25 870) waren in ihrer provozierenden Langsamkeit Ausdruck der Orientierungssuche einer „lost generation“; die sich selbst abhanden kam im sozialen Vakuum zwischen Revolutionsansatz und Gegenrevolte, urbaner Realität und subjektiven Träumen. Fast 20 Jahre sind seit den ersten „Coffee and Cigarettes“-Filmen vergangen, und manches hat sich seitdem verändert. Das ist auch Jarmusch nicht entgangen, weshalb sich seine raren späteren Filme wie „Ghost Dog: Der Weg des Samurai“ (fd 34 047) oder die Neil- Young-Dokumentation „Year of the Horse“ (fd 34 973) von der alten Unterkühltheit ein wenig verabschiedet haben. Aber einiges ist auch gleich geblieben: Eitelkeit zum Beispiel, die Iggy Pop und Tom Waits, die Rockstars, in einer Episode von damals aneinander geraten lässt, und die nun zum Bruch zwischen Alfred Molina und Steve Coogan, den Schauspielern, führt; oder Besserwisserei, die Roberto Benigni und Steven Wright einst im Bereich Alltagsdrogen an den Tag legten, genau wie heute die Italiener Joe Rigano und Vinny Vella sowie die Rapper vom Wu-Tang-Clan und Bill Murray. Neu ist allerdings die Verbitterung über die unterschiedlich verlaufenen Karrieren wie die der Cousinen, die beide von Cate Blanchett dargestellt werden. Außer in dieser Episode, in der nur die Filmdiva Cate heißt, tragen alle Darsteller ihre wirklichen Namen und spielen sich damit auch ein wenig selbst. Das erhöht den Eindruck des Spontanen und Zwanglosen, sodass sich Jarmuschs Gaststars – befreit von allen Rollenspielen – lustvoll (selbst-)darstellen können – was sie im Grunde bei Jarmusch schon immer getan haben, man denke nur an die obercoolen Musiker Tom Waits und John Lurie und den hyperaktiven Benigni in „Down By Law“. Besonders die älteren Beiträge sind als Nebenprodukte der Langfilme entstanden; die Stars der neuen Filme, wie Blanchett, Molina und Murray, waren schlicht Jarmuschs Wunschdarsteller. Und da ihnen allen ein gewisses Image zueigen ist, lässt Jarmusch zu jeder Episode ein passendes Lied aus der Jukebox ertönen, von Iggy Pop und den Stooges oder von Waits: Rock, Blues, Ska, Funk oder Jazz. So wirkt sein Film wie eine Musikkompilation, ein Konzeptalbum mit elf Titeln zu einem Thema, und da man Musik nicht synchronisieren sollte, kommt auch der Film mit Untertiteln ins Kino.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 08.03.05
Bst.-Nr. 500937, EAN 4006680032504

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

Blu-ray
USA 2003
R: Jim Jarmusch

In dem lakonischen Episodenfilm kommt es zu elf Begegnungen zwischen absoluten Stars des Filmbusiness.

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