Originaltitel
Der unbekannte Soldat
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2006
Genre
Dokumentation
Lauflaenge 96 min.
FSK 12

Stab
Regie: Michael Verhoeven
Drehbuch: Michael Verhoeven
Kamera: Stefan Schindler, Valentin Kurz, Sergey Emerov, Knut Muhsik
Produktion: Michael Verhoeven, Ernst-Ludwig Ganzert

Die Bilder der „Wehrmachtsausstellung“ über den Vernichtungskrieg im Osten von 1941 bis 1944 sorgten für Aufruhr und erbitterte Diskussionen in Deutschland. Fotos von Folter und anderen Grausamkeiten deutscher Soldaten gegenüber Zivilpersonen erschütterten das Bild der „sauberen“ Wehrmacht. Regisseur Michael Verhoeven nahm die Ausstellung und vor allem die heftigen Reaktionen darauf als Anlass für einen aufwühlenden Dokumentarfilm. Er folgte den Spuren der Wehrmacht bis in die Ukraine und nach Weißrussland. Anhand zahlreicher Interviews mit Zeitzeugen und Historikern in Deutschland, den USA und an den Orten des Geschehens untersuchte Verhoeven den wohl schrecklichsten Teil der Geschichte der deutschen Wehrmacht ...

Unerschrocken und umfassend widmet sich der engagierte Regisseur von „Die Weiße Rose“ und „Das schreckliche Mädchen“ einem Thema, das viele am liebsten vergessen hätten. Das Bonusmaterial von über 80 Minuten Länge enthält neben einem Interview mit dem Regisseur zusätzliche Szenen, die die im Film angesprochenen Sachverhalte vertiefen und wichtige Zusatzinformationen liefern sowie Ausschnitte aus zwei Podiumsdiskussionen mit Michael Verhoeven anlässlich der Premiere des Films.

Extras

  • Interview mit Michael Verhoeven
  • zusätzliche Szenen
  • Podiumsdiskussion
  • Biografie Michael Verhoeven
  • Trailer
  • Presseheft (DVD-ROM-Part)

Technische Angaben

Bild: 1,85:1 (Letterbox)
Sprachen/Ton: Deutsch (Stereo Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Der unbekannte Soldat
von Hans Messias

Die beiden „Wehrmachtsausstellungen“, die hierzulande 1995 und 2002 aus der Taufe gehoben wurden und die Gemüter erregten, dürften vielerorts noch in Erinnerung sein. Proteste gab es seinerzeit nicht nur von ultrarechter Seite, sondern auch von ehemaligen Angehörigen der reichsdeutschen Armee sowie von deren Angehörigen, die eine vermeintliche Verunglimpfung der Väter nicht auf sich sitzen lassen wollten. Schließlich haftete der Wehrmacht als einer der wenigen Institutionen des Dritten Reichs immer noch etwas „Untadeliges“ an, und immerhin bildete sie, personell und strukturell, die Grundlage für die Bundeswehr. Was sollte vor diesem Hintergrund eine Ausstellung mit dem offiziellen Namen „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“? Nachdem die erste Ausstellung bereits polarisiert hatte, sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen musste und 1999 ihre Pforten schloss, sorgte die zweite Wehrmachtsausstellung, diesmal mit anderem Konzept, erneut für erregten Gesprächsstoff. Nun fanden vermehrt Fotos aus Privatbesitz Aufnahme in die Ausstellung. Sie dokumentierten „die Verbrechen der Wehrmacht“ von ganz anderer Seite und zeigten eine eben nicht im Rahmen der Genfer Konvention operierende Armee, deren Mitglieder sich auf Befehlsnotstand berufen konnten. Der Münchner Regisseur Michael Verhoeven, der sich in diversen Spielfilmen („Das schreckliche Mädchen“, fd 28 168; „Mutters Courage“, fd 31 803) wiederholt mit der jüngsten deutschen Vergangenheit auseinander gesetzt hat, hat die beiden Ausstellungen zum Anlass für einen abendfüllenden Dokumentarfilm genommen, in dem Gegner und Befürworter der Wehrmachtsausstellung zu Wort kommen. Die Gegner werfen ihr eine undifferenzierte Geschichtsbetrachtung vor (der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler), die Befürworter sehen in ihr ein Instrument, mit dem ausgelotet werden kann, wozu der Deutsche damals überhaupt fähig war (der Publizist Ralph Giordano). Verhoeven macht aus seiner eigenen Haltung keinen Hehl, sondern nutzt die erregte Diskussion im Sinne einer eigenen Argumentationskette, in deren Verlauf die gezeigten Exponate der Ausstellung nicht mehr nur für sich selbst sprechen müssen, sondern explizit ein Sinnzusammenhang zum Ausdruck gebracht wird. Wobei klar wird, dass es vom latenten Judenhass zum Judenmord kein allzu großer Schritt ist, wenn man die eigenen Ressentiments mit einem Befehl kaschieren kann. Zugleich macht Verhoeven aber auch deutlich, dass man Befehle wider die Menschlichkeit auch im Dritten Reich verweigern konnte, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, und dass man auch verweigert hat. So gesehen, erweist sich der oft herbei zitierte Befehlsnotstand als unfromme Notlüge, mit der Flecken am immer noch mit Stolz getragenen Waffenrock verdeckt werden sollen. Der in sich schlüssige Dokumentarfilm lässt auch ehemalige Wehrmachtsangehörige zu Wort kommen, die sich durchaus als Handlanger eines Unrechtsregimes sehen, die die Versorgungspolitik sowjetischer Kriegsgefangener, für die die Wehrmacht auch zuständig war, durchaus als Vernichtungspolitik interpretieren und die infrastrukturelle Hilfestellung, die die Armee beispielsweise SS-Verbänden zukommen ließ (Tonnen von Munition, Pionierarbeiten beim Ausheben von Massengräbern etc.) als willfährige Hilfe im perfiden Räderwerk der Massenvernichtung sehen. Prinzipiell erzählt „Der unbekannte Soldat“ nichts wesentlich Neues, doch der Film bringt all das einmal mehr auf den Punkt, das viele nicht (mehr) wissen wollen. Insofern ist Verhoevens engagierter Film durchaus wichtig; doch wie bei so vielen ähnlich gelagerten Arbeiten, die sich vehement gegen das Verdrängen und Vergessen stemmen, wird man auch hier die Vermutung aufstellen können, dass der Film in erster Linie wohl nur jene anspricht, die ohnehin für das Thema sensibilisiert sind und den grundlegenden Gedanken der Ausstellung sowie des Films teilen. Alle anderen werden sich nach wie vor weigern, sich eines besseren belehren zu lassen.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 23.03.07
Bst.-Nr. 501541, EAN 4006680038841

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