Originaltitel
Mia Eioniotita Ke Mia Mera
Produktionsland
Griechenland / Italien
Produktionsjahr
1998
Genre
Drama
Lauflaenge ca. 128 min.
FSK 12

Darsteller
Bruno Ganz
Isabelle Renauld
Fabrizio Bentivoglio
Achileas Skevis

Stab
Regie: Theo Angelopoulos
Drehbuch: Theo Angelopoulos, Tonino Guerra, Petros Markaris, Giorgio Silvagni
Kamera: Giorgos Arvanitis, Andreas Sinanos
Produktion: Theo Angelopoulos, Eric Heumann, Amedeo Pagani, Giorgio Silvagni

Der erfolgreiche Dichter Alexander ist seit dem Tod seiner Frau vereinsamt und verstummt. Er fühlt sich alt, müde und todkrank. Als er erfährt, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat, tritt er eine letzte Reise an. Dabei begegnet ihm ein albanisches Flüchtlingskind. Alexander beschließt, den Jungen nach Hause zu begleiten. Auf dem Weg dorthin zieht seine Vergangenheit an ihm vorbei ...

Mit der melancholischen Reflexion über die Endlichkeit des Seins und die Liebe zum Leben ist Theo Angelopoulos einmal mehr ein Meisterwerk gelungen, das in Cannes mit der Goldenen Palme und dem Preis der Ökumenischen Jury sowie als Bester Film des Filmfestivals in Thessaloniki ausgezeichnet wurde. Die Arthaus Premium Edition enthält neben einem umfassenden Booklet unter anderem ein weltexklusives, neu produziertes Interview-Feature mit Angelopoulos.

Extras

  • Weltexklusives Interview-Feature "Begegnung mit Theo Angelopoulos"
  • „Das Drehen in der Stille“ (Dokumentation über die Dreharbeiten)
  • Fotogalerie
  • Booklet
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 1,66:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Griechisch (Stereo Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Die Ewigkeit und ein Tag
von Hans Messias

Der Dichter Alexandros, seit dem Tod seiner Frau vereinsamt und verstummt, weiß, daß er nur noch einen Tag zu leben hat. Er versucht, die Dinge zu ordnen und ins Reine zu bringen, findet nach etlichen Schwierigkeiten auch einen Unterschlupf für den treuen Hund. Doch Alexandros spürt immer deutlicher, daß das Leben niemanden ganz so einfach aus der Verantwortung entläßt und es noch vieles zu regeln gäbe. Schriftstellerisch hat er sich in der Vollendung und Nachdichtung eines Revolutionsgedichts aus dem vorigen Jahrhundert festgefahren, das ihn auf den Spuren eines griechischen Poeten wandeln läßt, der, seiner Muttersprache verlustig, in Italien aufwuchs und nach der Rückkehr auf seine Heimatinsel Worte kaufen mußte, um seiner Berufung nachgehen zu können. Auch Alexandros fährt sprachlos durch Thessaloniki, findet keinen Kontakt zu seiner Tochter, deren Geburt vor 30 Jahren das größte Glück war. Dabei hängt er seinen Erinnerungen nach, die ihm die wichtigsten Personen seines Lebens vor Augen führen: seine über alles geliebte, doch vernachlässigte Frau Anna, und die Mutter, deren Stimme in der Erinnerung nachhallt und ihn auch am Vorabend seines Todes liebevoll zu Tisch ruft – ein ehemals verspieltes Kind ist an seinem Ende angelangt. Es war ein Leben voller Chancen, die durchaus genutzt wurden, deren Ausschöpfung jedoch stets mit Defiziten in anderen Lebensbereichen verbunden war; nun steht es an der letzten Schwelle, und Alexandros weiß nicht, wie es aufhören kann. In dieser Extremsituation läuft Alexandros ein albanisches Flüchtlingskind über den Weg, das er vormittags aus einer Augenblickslaune heraus vor dem Zugriff der Polizei gerettet hat und das im Laufe des Tages zu seinem Wegbegleiter wird. Er will den Jungen nach Albanien zurückbringen, doch Heimat ist längst nicht mehr der Ort, wo man sich geborgen und zu Hause fühlen könnte. Eine Straßenbahnfahrt durch die nachtleere Stadt, zu der sich einige skurrile Nachtschwärmer gesellen, stellt den Endpunkt dieser kurzen, aber intensiven Freundschaft dar. Dann heißt es Abschied nehmen. Der Junge wird das wenig freundliche „Gastland“ Griechenland verlassen und sich in Italien einer ungewissen Zukunft stellen; der Dichter wird sein letztes Morgenrot erleben. Dabei ist ihm nicht der prosaische Tod vor einer roten Ampel auf einer der Hauptverkehrsadern Thessalonikis beschieden, sondern ein poetisch-verklärter: Vor seinem Elternhaus tanzt er mit Anna in ein anderes, hoffentlich besseres Leben.

Ein fertiggestellter und ins Kino gelangender Film von Theo Angelopoulos ist an sich schon ein Ereignis, da der griechische Filmemacher seit Anbeginn seiner Karriere immer wieder Probleme hatte, Geld für seine politisch engagierten und künstlerisch höchst artifiziellen Produktionen aufzutreiben. Nach „Landschaft im Nebel“ (fd 27 421) und „Der schwebende Schritt des Storches“ (fd 30 070), die sich in erster Linie mit dem Problem der Migrationen befaßten, ist ihm mit „Die Ewigkeit und ein Tag“ wieder ein großer cineastischer Wurf gelungen, weil er individuelles Schicksal mit politischer Standortbestimmung zu verbinden versteht und seine Zweifel an dem politisch fast geeinten Europa anmeldet. Noch beeindruckender ist indes die Odyssee des Protagonisten Alexandros, der sich verzweifelt auf die Spuren seines Lebens begibt, dem Vergangenheit (sowie die Erinnerung daran) und Gegenwart zu einer Einheit gerinnen, die keine Trennungen mehr zuläßt, sondern in einer sehr komplexen Form Leben zur Sprache bringt; Leben, das mit Freundschaft, Liebe, Verantwortung, aber auch mit Trauer und Verlusten gefüllt ist, das immer Anstrengung erfordert und dessen Ziele so weit gesteckt sind, daß der einzelne sie nie erreichen kann. Dies gilt für gesellschaftliche Einlassungen ebenso wie für das Private. Im Kern ist dies ein schlichter Film über die Sinnsuche am Ende eines eigentlich erfüllten Lebens. Doch Angelopoulos spürt ungeheuer sensibel die Bruchstellen auf und fahndet nach einer tief verwurzelten Einsamkeit, die dem Menschen, vielleicht als „Erblast“, mit in die Wiege gelegt ist. Er tut dies mit seinen sehr eigenwilligen cineastischen Mitteln, reiht lange wundervolle Plansequenzen aneinander, meidet Großaufnahmen, erzählt die Geschichte in Totalen und Halbtotalen, die die Darsteller scheinbar immer mitten im Geschehen zeigen, zugleich jedoch das Maß ihrer Ausgrenzung deutlich machen. Seine besondere Meisterschaft läßt Angelopoulos dort erkennen, wo er verschiedene Zeitebenen miteinander verwebt und ein komplexes Raum-Zeit-Gefühl vermittelt, das auf den ersten Blick schwer zu lesen sein mag, den Zuschauer aber einem erzählerischen Ideenreichtum aussetzt, der kaum noch seinesgleichen kennt. Getragen wird der Film zudem von einem fantastischen Hauptdarsteller. Einige scheinbar selbstverliebte Eigenzitate machen im Kontext durchaus Sinn, da Angelopoulos’ gesamter cineastischer Kosmos noch einmal Revue passiert. Eine außergewöhnliche Leistung des 64jährigen Regisseurs, die wohl zum Besten zählt, was das europäische Kino in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 04.04.08
Bst.-Nr. 501733, EAN 4006680040752

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

DVD DigiBook 1er
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R: Theo Angelopoulos

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