Originaltitel
Die Hochstapler
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2006
Genre
Dokumentation
Lauflaenge ca. 84 min.
FSK ohne Altersbeschränkung

Stab
Regie: Alexander Adolph und Nina Ergang
Drehbuch: Alexander Adolph
Kamera: Susanne Schüle, Estella Sanz Posteguillo
Produktion: Nicole Leykauf

Torsten S., Marc Z., Peter G. und Jürgen H. haben eine Gemeinsamkeit: Die vier Männer wurden als Hochstapler entlarvt und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Alexander Adolph ist es gelungen, die Trickbetrüger für seinen Film zu gewinnen. Vor der Kamera reden sie mit verblüffender Offenheit über ihre Taten, ihre Methoden und ihre Opfer. So gab sich Torsten S. beispielsweise als Freund von Joschka Fischer aus und organisierte als amerikanischer Major eine Nato-Sicherheitskonferenz, während Jürgen H. einem berühmten Manager Millionen für einen Flug zum Mond abnahm ...

Alexander Adolphs fesselnde Dokumentation gewährt faszinierende Einblicke in die Welt des Lügens und Betrügens. Die vier unglaublichen Lebensgeschichten sind gleichermaßen witzig wie erschreckend und entlarven die Mechanismen von Geldgier, Machtwahn und Leichtgläubigkeit!

Extras

  • Interview mit Regisseur Alexander Adolph
  • Presseheft (DVD-ROM-Part)
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (Stereo Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Die Hochstapler
von Ulrich Kriest

„Nicht der Widerwille vor der Welt, in der alle verraten, verkaufen und betrügen, macht viele Menschen zu Eigenbrötlern, sondern die Furcht davor, nicht genug Kraft zu haben, unablässig zu misstrauen, zu spiegelfechten und zu plündern.“ So schön ambivalent hat Walter Serner es zwischen 1918 und 1927 in seinem legendären „Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen“ unter dem Titel „Letzte Lockerung“ beschrieben. Seit den Zeiten von Till Eulenspiegel, Karl May, dem Hauptmann von Köpenick oder Felix Krull, nicht zu vergessen Ernst Lubitschs grandiosem „Ärger im Paradies“ (fd 16 022), besitzen Hochstapler den Glamour, der Gesellschaft insofern lässig einen Spiegel vorzuhalten, als ihr krimineller Instinkt auf den Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält, verweist. Deshalb genießen sie immer auch eine Art augenzwinkernde Sympathie, jedenfalls so lange, bis man ihnen selbst zum Opfer fällt. Der bislang eher als Drehbuchautor („Tatort“) aufgefallene Alexander Adolph hat für sein Kinodebüt „Die Hochstapler“ vier solcher „Händler von Fiktionen“ vor der Kamera interviewt, die anekdotisch ihr Geheimnis umkreisen: wie sie gearbeitet haben, wie ihr Menschenbild aussieht – und wie richtig sie damit zumeist lagen.

Tatsächlich funktionieren die Fiktionen, die die Hochstapler entwickeln und auf deren Basis sie dann arbeiten, ausschließlich deshalb, weil die Geldgier ihrer Opfer deren Verstand paralysierte. Oder würde man sonst einem nahezu Unbekannten ein paar Millionen anweisen, nur weil der erzählte, dass er zum Millennium mit einer ausgemusterten NASA-Rakete einen bemannten Flug zum Mond plane, dessen Live-Übertragung eine erstklassige Werbeplattform abgebe? Die Trickbetrüger nutzen die Gunst des passenden Augenblicks! Beispielsweise durch die Anmietung einer schönen Villa in Mallorca, die bereits ein paar Stunden später an irgendeinen gutgläubigen „Kunden“ gegen eine satte Vorauszahlung verkauft wird. Oder sie spekulieren auf die Fantasien ihrer Opfer.

Hier wird erzählt, wie man die High Society, Banken oder Immobilienkäufer nonchalant übers Ohr haut, was ausgesprochen komisch ist, weil Schadenfreude noch immer die schönste Freude ist. Doch der besonnene Film geht noch weiter. Er dreht den Spiegel um, bis die Täter selbst in den Blick kommen: mit ihrer Großmannssucht, ihrer Machtgeilheit, ihren Ängsten und Wünschen, Profilneurosen und Spleens. Alle Protagonisten sitzen derzeit im Knast, teilweise in Sicherungsverwahrung. Offen bleibt, inwieweit die biografischen Erzählungen selbst nur Fiktionen oder Mystifikationen sind. Letztlich wird auch eine große Einsamkeit um die Täter herum spürbar, die sich als Einzelgänger beschreiben. Solcherart wird das Defizitäre der Hochstapler-Existenz offen gelegt: „Wenn ich jemandem Vertrauen schenke, bin ich verletzlich“, erklärt einer der Täter. Und: „Ein Betrüger glaubt im Prinzip nichts!“ Alexander Adolph lässt die Täter ausführlich sprechen, lässt sie ihre persönlichen Zurechtlegungen als moralisch überlegene strafende Instanz des Gierkapitalismus entwerfen, bringt aber auch Opfer, Eltern oder Freunde, die zu Opfern wurden, ins Gespräch. Aus deren Perspektive bekommt der Handel mit Fiktionen auf freundschaftlicher Basis etwas sehr Brutales. Die Täter-Opfer-Beziehung erscheint durchaus komplex, wenn einer der Täter zu Protokoll gibt, dass sich seine Kunden an seinem Geldvernichtungswahn erfreut hätten, weil er in deren Augen modellhaft den Erfolg vorgelebt habe. So setzt sich das Puzzle Stück für Stück auf eine ebenso spannende wie beklemmende Weise zu einem Gesamtbild zusammen: unterhaltsam und raffiniert erzählt „Die Hochstapler“ vom Leben in Deutschland, von der Geldgier („Geiz ist geil!“) und vom Wunsch, irgendwann mal „somebody“ zu sein. Und sei es auf der Basis von Fiktion, Lüge und Kredit.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 20.06.08
Bst.-Nr. 502143, EAN 4006680044958

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

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