Drum

Originaltitel
Drum
Produktionsland
USA / Südafrika / Deutschland
Produktionsjahr
2004
Genre
Drama, Thriller
Lauflaenge ca. 97 min.
FSK 12

Darsteller
Taye Diggs
Gabriel Mann
Tumisho Masha
Moshidi Motshegwa

Stab
Regie: Zola Maseko
Drehbuch: Jason Filardi
Kamera: Lisa Rinzler
Produktion: Chris Sievernich, Rudolf Wichmann, Dumisani Dlamini, Zachary Matz

1951. Johannesburg, Südafrika. Der schwarze Journalist Henry Nxumalo arbeitet beim Lifestyle-Magazin "Drum" als Sportreporter und verbringt seine Nächte mit Alkohol und Jazz-Musik in den illegalen Clubs im vibrierenden Stadtteil Sophiatown. Doch die Ungerechtigkeiten des Apartheidregimes treiben ihn immer häufiger dazu, auch politische Themen aufzugreifen. Als er beginnt, in seinen Artikeln die herrschende Politik der Rassentrennung anzuprangern, wird das Blatt zu einem Sprachrohr der Anti-Apartheid-Bewegung, das auch international Beachtung findet. Zusammen mit dem deutschen Fotografen Jürgen Schadeberg recherchiert er unter schwierigsten Bedingungen und unter Einsatz seines Lebens in Gefängnissen und auf den Burenfarmen Südafrikas, wo Schwarze wie Leibeigene gehalten und zur Arbeit gezwungen werden. Als die beiden eine politische Verschwörung aufdecken, geraten sie in höchste Lebensgefahr...

Das berührende Politdrama über die wahre Geschichte des Enthüllungsjournalisten Henry Nxumalo besticht durch Authentizität und Gefühl ohne Pathos und gibt faszinierende Einblicke in das Südafrika der 50er Jahre. Das umfangreiche Bonusmaterial enthält unter anderem ein Interview mit Jürgen Schadeberg, der das größte Fotoarchiv über die Apartheidzeit besitzt und als Pionier der Fotografie Südafrikas gilt...

Extras

  • Interviews mit Zola Maseko (Regie), Bonnie Mbuli (Dara), Moshidi Motshegwa (Florence) und dem Fotografen Jürgen Schadeberg
  • Featurette
  • Szenen vom Dreh
  • DRUM – Africa’s Leading Magazine (Fotos)
  • Fotogalerie
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Drum
von Stefan Volk

Der südafrikanische Regisseur Zola Maseko erzählt ein Stück wahrer Geschichte seines Landes; ein Stück über Apartheid, das jedoch nicht in erster Linie von Opfern und Tätern handelt. Die skrupellosen, rassistischen weißen Polizeichefs und Großgrundbesitzer tauchen zwar ebenso auf wie die versklavten, schwarzen Landarbeiter, dienen jedoch eher als Kulisse eines Films, dem es weniger darum geht, ein weiteres Mal die unerträglichen Zustände eines Unrechtsregimes festzuhalten, als vielmehr darum, ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Im Mittelpunkt steht die Redaktion der Zeitschrift „Drum“, des in den 1950er-Jahren bedeutendsten Lifestyle-Magazins Afrikas, das sich im Zuge der verschärften Apartheid nach und nach von einem launigen Boulevard-Blatt zum führenden Sprachrohr der Regime-Kritiker wandelte. Henry Nxumalo, der zu Beginn des Films noch als vergnügungssüchtiger und leichtlebiger Sportreporter in Erscheinung tritt, entwickelt sich im weiteren Verlauf zum engagierten, wagemutigen Investigationsjournalisten, der als „Mr. Drum“ zu einer Symbolfigur der Anti-Apartheid-Bewegung heranreift. In einer der Schlüsselszenen seiner politischen Initiation beobachtet Nxumalo zwei Gangster bei einer tödlichen Messerstecherei. Anders als seine Geliebte, die nichts Heroisches daran finden kann, wenn zwei Schwarze sich gegenseitig umbringen, schwärmt Nxumalo zunächst von der tänzerischen „Choreografie“ des Kampfes, bis ihn etwas anderes fasziniert. Er erkennt, dass die Männer vor allem darum kämpfen, „überhaupt jemand zu sein“. Sie bezahlen ihre Identität mit dem Leben.

Diese Erkenntnis nimmt bereits Nxumalos weiteres Schicksal vorweg. Seinen Freiheitskampf, seinen Einsatz gegen die geheimen Pläne zur Räumung Sophiatowns schildert Maseko als einen Akt der Selbstfindung. Nxumalo ficht ihn mit der Feder statt mit dem Messer, und er richtet sich gegen die Verursacher der Unterdrückung statt gegen deren Opfer, aber er endet für ihn ebenso tödlich. Die Dramaturgie des Filmes will es, dass Nxumalo am Ende ausgerechnet von jenem Gangster erstochen wird, den er anfangs noch für seine letale Grazie bewunderte. Der symbolische, sinnträchtige Handlungsaufbau entspringt einem Erzählstil mit leichtem Hang zum Pathetischen, Plakativen, unter dem die Authentizität der Geschehnisse bisweilen leidet. Die staubigen Straßen, die verräucherten Bars in Sophiatown mit ihrem grün-goldenen Licht, die Abschiede bei Nacht und Regen: So manche Einstellung riecht ein wenig zu sehr nach Studio oder schmeckt nach Drehbuch. Offensichtlich war Maseko bemüht, „Drum“ möglichst geschmeidig, kurzweilig zu inszenieren, um den versöhnlichen, optimistischen Grundton des Films nicht zu stören. „Drum“ reißt keine Wunden auf. Er demonstriert am Beispiel der „Drum“-Redaktion, dass sich selbst inmitten einer durch und durch rassistischen Gesellschaft Schwarze und Weiße verbünden konnten; wenn natürlich auch nicht ohne Kontroversen.

Nxumalo wird bei seinen politischen Reportagen vom deutschen Fotografen Jürgen Schadenberg begleitet und vom britischen Redaktionsleiter unterstützt. Wie nah an der Realität oder wie weit weg von der Wirklichkeit Masekos intimer Hinterzimmerblick auf persönliche Zwistigkeiten, politische Diskussionen oder Nxumalos Eheprobleme angelegt ist, lässt sich wie in jedem Geschichtsdrama kaum bemessen. Dass Maseko sich in seiner Inszenierung jedoch nicht immer nur an historischer Nähe orientiert, belegt bereits die Auswahl seines Hauptdarstellers. Taye Diggs weiß in der Rolle Nxumalos sehr wohl zu überzeugen, vermag sein US-amerikanisches Naturell aber nie ganz abzustreifen. Diggs selbst äußerte, Nxumalo hätte eigentlich von einem Südafrikaner gespielt werden sollen. Maseko hingegen setzt in der internationalen Co-Produktion auf Frauenschwarm Diggs, einen möglichst global kompatiblen Helden. Trotz Township-Jazz und wunderbarer, traditioneller Klagelieder ist „Drum“ nur bedingt ein südafrikanischer Film; die Anleihen an Hollywoods Politthriller sind unverkennbar. Dennoch oder vielleicht deshalb, leistet Masekos Film viel, indem er ein hierzulande nur wenig bekanntes Kapitel südafrikanischer Apartheidgeschichte auf unterhaltsame, berührende Weise dem Vergessen entreißt und in den Blickpunkt einer Weltöffentlichkeit rückt.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 07.07.06
Bst.-Nr. 501266, EAN 4006680035925

Empfehlungen

DVD
USA / VN 1999
R: Tony Bui

Während die Millionenmetropole Saigon ihre Kultur an die Moderne verliert, suchen fünf Menschen nach dem kleinen Glück.

mehr >>>

DVD
D / USA / F 1985 / 1982
R: Wim Wenders

Zwei Dokumentationen von Wenders auf den Spuren und im Gespräch mit seinen Kollegen.

mehr >>>

DVD
D 1982
R: Wim Wenders

Die feinfühlige Studie über das amerikanische Kunstkino wurde mit dem Goldenen Löwen prämiert.

mehr >>>

VoD
D 1995
R: Wim Wenders

Ein Toningenieur erkundet Lissabon – eine grandiose Hommage an die Stadt.

mehr >>>