Originaltitel
Illuminata
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1998
Genre
Drama, Komödie
Lauflaenge ca. 107 min.
FSK 12

Darsteller
John Turturro
Katherine Borowitz
Christopher Walken
Susan Surandon

Stab
Regie: John Turturro
Drehbuch: Brandon Cole, John Turturro
Kamera: Harris Savides
Produktion: John Penotti, John Turturro

Als der gefürchtete Theaterkritiker Bevalaqua das neueste Werk von Bühnenautor Tuccio verreißt, gerät die private Beziehung des Poeten zu seinem Theaterstar Rachel in die Krise. Die Theaterleitung will das Stück absetzen und Rachel möchte sich nicht gegen ihre Arbeitgeber auflehnen. Tuccio hingegen ist beleidigt und erwartet mehr Loyalität von seiner Geliebten. Dies nutzt die nicht mehr ganz taufrische Diva Celimene aus, um Tuccio zu umgarnen und als persönlichen Autor zu gewinnen. Bald ist fast jedes Ensemblemitglied in heftig-erotische Flirts verwickelt, die die Irrungen und Wirrungen auf der Bühne bei Weitem übertreffen ...

John Turturros zweite Regiearbeit besticht durch fantasievolle Kostüme, intelligenten Humor, sinnliche Poesie und eine absolute Traumbesetzung! Die kreativ-schillernde Hommage an die Theaterwelt war nicht umsonst für die Goldene Palme in Cannes nominiert!

Extras

  • Making of
  • Audiokommentar und Interview mit dem Regisseur
  • Deleted Scenes
  • Produktionsnotizen
  • Kurzfilm “Hamlet”
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (Stereo Dolby Digital), Englisch (Surround Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Illuminata
von Stefan Lux

Mit seiner ersten Filmregie „Mac“ (fd 30 046) hat der New Yorker Schauspieler und Theaterregisseur John Turturro nicht nur ein Stück der eigenen Familiengeschichte aufgearbeitet. Sein Porträt eines ebenso aufrechten wie starrköpfigen Bauarbeiters - für den Turturros eigener Vater Pate gestanden hatte - zeichnete ein kraftvolles, stimmiges Bild italo-amerikanischer Kultur, fernab der unermüdlich neu erzählten Mafia-Geschichten, auf die sich das cineastische Bild jener Bevölkerungsgruppe gemeinhin reduziert. „Illuminata“, historisch im New York des Jahres 1905 angesiedelt, ist auf eine andere Weise wiederum ein „Familien-Film“, stehen doch die vielfältigen Beziehungen innerhalb einer Theatergruppe im Mittelpunkt, einschließlich jener bösartigen Verwandtschaft in Gestalt von Kritikern, Geldgebern und notorischen Ränkeschmieden, die hinter den Kulissen für Zwistigkeiten sorgen. Ein Milieu also, in dem sich Turturro mindestens ebenso sehr zu Hause fühlen dürfte. Star des Astergourd-Ensembles ist die gefeierte Schauspielerin Rachel. Ihretwegen strömen die Menschen ins Theater, und das Wissen um diese Macht versetzt sie in die Lage, ihren langjährigen Geliebten Tuccio, einen ambitionierten Bühnenautor, in Lohn und Brot zu halten. Tuccios aktuelles Projekt „Illuminata“ ist die dramatisierte Geschichte beider Liebe, die sich jenseits von Verliebtheit, Leidenschaft und Enttäuschungen gefestigt hat. Ein mit Herzblut geschriebenes Stück also, von dessen (kommerziellen) Qualitäten die Theaterbesitzer indes wenig überzeugt sind. Tuccios Stunde schlägt, als während der Aufführung von Mascagnis temperamentvoller „Cavalleria Rusticana“ der Hauptdarsteller zusammenbricht. Flugs lässt der Autor sein eigenes Stück spielen, um das aufgebrachte Publikum zu beruhigen. Das Resultat des Abends sorgt für Risse im Beziehungsgefüge: Während Rachel abermals zum umjubelten und begehrten Objekt der allgemeinen Bewunderung avanciert, steht Tuccio im Abseits und kann die ersehnten Ovationen allenfalls als Tagtraum genießen. Mehr noch: Ein Verriss des Kritikerpapstes Bevalaqua überzeugt die Theaterleitung endgültig von der Untauglichkeit des Stücks. Tuccio deutet Rachels Bereitschaft, sich deren Druck einstweilen zu beugen als Verrat.

In dieser Lage kulminiert die Handlung in einem (beinahe schon unübersichtlichen) Reigen erotischer Verführungen, die - vom Regisseur konsequenterweise in einer breit angelegten Parallelmontage verbunden - weniger der körperlichen Befriedigung als der Beeinflussung „ensemblepolitischer“ Entscheidungen dienen. Während also der Schauspieler Marco zum Schein auf die eindeutigen Angebote des verliebten Bevalaqua eingeht, um Tuccios Stück zur zweiten Chance zu verhelfen, sieht sich der frustrierte Autor den Nachstellungen der Diva Celimene ausgesetzt, die dessen Zerwürfnis mit ihrer Konkurrentin Rachel nutzen will, um selbst von den Fähigkeiten des Schreibers zu profitieren. Nicht zuletzt die beiden Theaterbesitzer sehen sich mit ungewohnten Herzlichkeiten „ihrer“ Schauspieler konfrontiert. Ehe das Stück „Illuminata“ abermals über die Bühne gehen kann, gilt es vor allem für Rachel und Tuccio, sich aus einer von Verdacht, Misstrauen und Verletzungen genährten Katerstimmung zu befreien und ihre „nicht perfekte Liebe“ (so der Titel von Brandon Coles zugrunde liegendem Theaterstück) neu zu finden und zu definieren - was abermals zur Änderung des Stücks führt.

Dass sich Kunst und Leben gegenseitig bis zur vorübergehenden Ununterscheidbarkeit nähren, ist eine der ebenso einfachen wie komplexen Prämissen in Brandon Coles Text. Immer wieder entpuppen sich scheinbar private Dialoge als Textzeilen aus der Feder des Dichters, die sich wiederum aus privaten Gesprächen herleiten oder sich bald in solchen wieder finden - nicht immer aus dem Mund jener Person, von der man sie eigentlich erwartet hätte. Die Stärken und Schwächen von „Illuminata“ (dem Film, nicht dem Stück) liegen hier eng zusammen. Cole und Turturro entziehen ihrem Publikum immer wieder den Boden eines allzu eindeutigen Standpunkts zum Geschehen; immer wieder aber droht die Vielfalt von Motiven und deren Abwandlungen auch in Beliebigkeit auszuufern. Die - wahrscheinlich unvermeidliche - Gegenüberstellung mit dem gleichzeitig entstandenen, thematisch verwandten „Shakespeare in Love“ (fd 33 570) mag zur Verdeutlichung dienen: Folgt dort das Drehbuch einem folgerichtig, handwerklich professionell entwickelten roten Faden, der zwar Raum für ironische Brechungen und Umwege lässt, den Zuschauer aber letztlich stets „bei der Hand“ nimmt, so entwickeln Cole/Turturro ihre Motive eher kreis- oder spiralförmig, assoziativ, fügen bereits Bekanntem neue Nuancen hinzu, die dem Betrachter neue Perspektiven ermöglichen, stets aber auch die Gefahr von Retardierungen bergen. Dazu passt, dass die Hauptfiguren am Ende kaum „von der Stelle“ gekommen sind. Sieht man von der Unabänderlichkeit des Todes ab, den einen der Schauspieler ereilt, so könnte die Geschichte noch einmal von vorn beginnen. Innerlich dagegen scheint die „nicht perfekte Liebe“ Rachels und Tuccios durch den Zyklus von Enttäuschung, Misstrauen und neuer Gemeinsamkeit gefestigt.

Inspirierte Darstellerleistungen darf man bei einem Film von John Turturro erwarten. Die einzige Enttäuschung in dieser Hinsicht ist der Regisseur selbst: Ohnehin eher ein Meister der Körpersprache als der Mimik, bleibt Turturro als Tuccio in den zahlreichen Großaufnahmen auffällig blass. Vor allem in den Szenen mit (seiner im wahren Leben Ehefrau) Katherine Borowitz scheint er deren nuancierter Emotionalität weit weniger entgegenzusetzen haben als es die Rolle erfordern würde. In den Nebenrollen genießen prominente Kollegen ganz offensichtlich die komödiantischen Freiheiten, die Turturro ihnen lässt: Beverly D’Angelo und Donal McCann als notorisch zänkisches Theaterbesitzerpaar, Susan Sarandon als berechnend-laszive Diva und allen voran Christopher Walken, der den Kritiker Bevalaqua als überdrehte Karikatur beginnt, um dann mit jedem Auftritt noch ein Stück zuzulegen.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 20.07.07
Bst.-Nr. 501367, EAN 4006680036939

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