Julia

Originaltitel
Julia
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2007
Genre
Drama
Lauflaenge ca. 138 min.
FSK 16

Darsteller
Tilda Swinton
Saul Rubinek
Kate del Castillo
Kevin Kilner

Stab
Regie: Erick Zonca, Camille Natta
Drehbuch: Aude Py, Erick Zonca
Kamera: Yorick le Saux
Produktion: Bertrand Faivre, François Marquis

Julia ist 40 und ein Wrack. Jeden Abend trinkt sie bis zur Besinnungslosigkeit, landet mit irgendeinem Kerl im Bett, um am nächsten Morgen angeekelt ihr verkorkstes Leben zu verfluchen. Als ihre psychisch labile Nachbarin sie bittet, dabei zu helfen, ihren achtjährigen Sohn Tom aus der Obhut des reichen Großvaters zu befreien, sieht Julia endlich ihre Chance. Sie kidnappt den Jungen auf eigene Faust, um zwei Millionen Dollar von der Familie zu erpressen. Doch die Aktion geht gründlich schief. Mit dem Kind im Schlepptau flieht Julia nach Mexiko, wo die Dinge völlig aus dem Ruder laufen …

Erick Zoncas rasantes Drama über die Verzweiflungstat einer Trinkerin begeistert durch die alles überragende Darstellung von Oscar®-Preisträgerin Tilda Swinton, die in der Rolle der gleichsam skrupellosen wie verletzlichen Julia alle Register ihres Könnens zieht.

Extras

  • Einführung zum Film
  • Geschnittene Szenen mit Audiokommentar von Regisseur und Co-Autorin
  • Trailer

Technische Angaben

Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch 5.1 Dolby Digital
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Julia
von Felicitas Kleiner

Es ist sehr passend, dass der Name der Hauptfigur auch als Titel von Erik Zoncas Film fungiert; dieser fesselt nämlich vor allem dank dieser kaputten, verführerischen Frauensperson namens Julia, die Tilda Swinton furios verkörpert: Wie eine schlingernde, in ihrer heruntergekommenen Schönheit immer noch majestätische Fregatte manövriert sie halt- und rücksichtslos, vor nervösem Überdruck vibrierend, durch die nicht immer logischen Wellengänge eines Plots, der zwischen Alkoholiker-Drama, Road-Movie und Entführungs-Thriller laviert.

Eingeführt wird Julia nachts in einer Bar, beim Männer-Aufreißen: Eine schillernde, ordinäre, nicht mehr taufrische Diva, die auf schwindelerregenden Highheels einher stakst wie ein Paradiesvogel, der tief im Dreck gelandet ist. Und diesen Dreck offenbart der nächste, gnadenlos grelle Morgen, der auf Julias Party-, Sauf- und Sex-Nacht folgt: Julia ist Alkoholikerin, und dass ihr Leben bis dahin halbwegs funktionierte, verdankte sie wohl ihrem Charme, den sie bei Bedarf aktivieren kann, um diverse Leute zu Gefälligkeiten zu überreden, und einem treuen Liebhaber, der die ramponierte Immernoch-Schöne nur zu gerne retten würde. Damit ist jetzt aber Schluss. Als Julia ihren Job verliert und nicht mehr weiter weiß, bringt der alte Freund sie dazu, sich bei den Anonymen Alkoholikern blicken zu lassen. Dort lernt sie Elena kennen. Angeblich hat deren Schwiegervater, ein Millionär, einst ihren kleinen Sohn „geraubt“ und zieht ihn nun bei sich groß, ohne dass die Mutter ihn treffen darf. Julia soll ihr helfen, das Kind zu „befreien“. Diese lässt sich scheinbar darauf ein, plant aber in Wirklichkeit, den Neunjährigen in eigener Regie zu entführen und vom Großvater mehere Millionen Dollar zu erpressen. Doch kaum liegt der Junge verschnürt im Kofferraum von Julias Auto, geht alles schief, was nur schief gehen kann. Eine nervlich und körperlich aufreibende Flucht beginnt, von der die Entführerin kaum weniger überfordert ist als der Entführte. Dabei verhält sich Julia zunächst äußerst brutal gegenüber ihrem kleinen Opfer; im Laufe der Reise ändert sich indes ihre Haltung: Mit der Entführung hat Julia auch die Verantwortung für das Kind übernommen und sich damit unwillentlich in eine Situation begeben, in der ihre Selbstbezogenheit nach und nach bröckelt. Dann jedoch landen die beiden in Mexiko, und der Junge gerät in die Hände einheimischer Kidnapper. Diese fordern nun ihrerseits von Julia, die sie für die Mutter halten, ein Lösegeld.

Ähnlich wie in „Liebe das Leben“ (fd 33 380), seinem Debütfilm um die komplizierte Freundschaft zweier junger Frauen, die zwischen Freiheitsdrang und der Suche nach Geborgenheit, zwischen Selbstverwirklichung und Selbstzerstörung schwanken, geht es in Zoncas neuem Film um eine Frauenfigur, deren Verhalten nicht unbedingt zu Identifikation und Sympathie einlädt, aber die einen trotzdem in ihren Bann schlägt. Julia, die in ihrer Sucht so abgestumpft ist, dass ihr jedes Mitgefühl abhanden gekommen ist, mag den entführten Jungen mit einer Unmenschlichkeit behandeln, die an körperliche und vor allem seelische Folter grenzt: trotzdem kann man kaum umhin, der Frau, die sich mit solch verbissener, verzweifelter Energie aus ihrer Lebensmisere herauskämpfen will, auch Mitgefühl zu zollen. Wie im Falle der beiden Protagonistinnen in „Liebe das Leben“ führen die Dominanz und der große Entwicklungsspielraum dieser Figur zwar dazu, dass die meisten Nebenfiguren zu kurz kommen – so verschwindet beispielsweise Elena recht unmotiviert aus der Handlung, nachdem sie dramaturgisch als Movens der Entführung ausgedient hat; die mexikanischen Kidnapper sind bloße Genre-Klischees. Aber das stört nicht allzu sehr, da immerhin der Junge einen starken Gegenpart abgibt, trotz oder vielleicht gerade wegen seiner stillen Art, die Julia, der chronischen Lügnerin, eine seltsame kindliche Reife und Wahrhaftigkeit entgegensetzt.

Der ans Road Movie angelehnte Mittelteil, der die Flucht der beiden zeigt, ihre sich zögerlich zwischen Furcht, Überforderung und erzwungener Nähe entwickelnde Beziehung beleuchtet und in einer großartigen Sequenz in der Wüste nahe der mexikanischen Grenze gipfelt, ist denn auch das Glanzstück des Films und großes Genrekino: Ein Zwei-Personen-Kammerspiel in dürrer, sonnenversengter Weite, die gleichsam wie ein Fegefeuer durchschritten werden muss. Hinterher sitzt Julia zwar nicht weniger im Dreck als vorher, gerät vielmehr noch tiefer in die Misere – die Perspektive der egozentrischen Trinkerin hat sich aber geöffnet.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel und als VoD seit 09.01.09
Bst.-Nr. 502173, EAN 4006680045269

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

VoD
F 2007
R: Erick Zonca, Camille Natta

Rasantes Drama über die Verzweiflungstat einer Trinkerin mit einer herausragenden Tilda Swinton.

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