Mansfield Park

Originaltitel
Mansfield Park
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
1999
Genre
Romance
Lauflaenge ca. 107 min.
FSK 6

Darsteller
Frances O'Connor
Embeth Davidtz
Alessandro Nivola
Jonny Lee Miller
Harold Pinter
Lindsay Duncan

Stab
Regie: Patricia Rozema
Drehbuch: Patricia Rozema
Kamera: Michael Coulter B.S.C.
Produktion: Sarah Curtis

Fanny Price (Frances O'Connor), die als Zehnjährige zu den wohlhabenden Verwandten nach Mansfield Park kommt, wächst in dem prachtvollen Herrenhaus wie das sprichwörtliche arme Stiefkind auf. Ihr Cousin Edmond (Jonny Lee Miller) ist der einzige, der ihr den Aufenthalt erträglich macht. Mit ihm teilt sie die Leidenschaft für Literatur und Dichtung, und Edmond wiederum ist von Fanny und ihrem freiem Denken und Fühlen völlig fasziniert. Die beiden wären das ideale Paar, doch die Ankunft der Geschwister Mary (Embeth Davidtz) und Henry Crawford (Alessandro Nivola) bringt das emotionale Leben auf Mansfield Park ziemlich durcheinander. Edmond verliebt sich in Mary, und der charmante Henry macht Fanny überraschend einen Heiratsantrag. Aber Fanny durchschaut den Filou mit seinem unsteten Charakter und lehnt ab, Henrys Frau zu werden. Sie muss Mansfield Park verlassen, und ihre Chancen, Edmond wiederzusehen, sind gleich null.

Als Einzeltitel/in einer Box erhältlich:

DVD Schuber 3er
GB / USA / F 1996-2005
R: Diverse

Verfilmungen der drei erfolgreichsten Austen-Romane!

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Extras

  • Interviews
  • Trailer
  • Behind the Scenes
  • Audiokommentar von Patricia Rozema
  • Wendecover

Technische Angaben

Bild: 1,85:1 (16:9 widescreen)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Mansfield Park
von Josef Lederle

Die kanadische Filmemacherin Patricia Rozema kommt mit ihrer Adaption des 1814 erschienenen Romans „Mansfield Park“ von Jane Austen eigentlich viel zu spät, weil die Euphorie um die englische Schriftstellerin schon wieder verklungen ist. Doch Rozema („I’ve Heard the Mermaids Singing“, fd 26 547) ist keine Auftragsregisseurin, die sich an der filmischen Plünderung eines literarischen Werkes beteiligen würde. Ungewöhnlich ist außerdem, dass Austens dritter Roman bislang nie fürs Kino bearbeitet wurde, obwohl sein Inhalt vertrauten „Austen“-Mustern folgt: Eine junge Frau, Fanny Price, die als Kind bettelarmer Eltern bei reichen Verwandten aufwächst, wird im heiratsfähigen Alter von einem gut situierten, in Herzensangelegenheiten aber etwas zweifelhaften Mann umworben. Sie entscheidet sich nach kurzem Ringen gegen ihn, obwohl das den sozialen Abstieg nach sich zieht, findet am Ende aber die wahre Liebe. Der Roman gilt als Austens autobiografischstes Werk, obwohl er von der Fangemeinde eher übergangen wird, weil die Hauptfigur ungewöhnlich zurückhaltend und fast passiv erscheint. Davon ist bei Rozema wenig zu spüren. Über den scheinbaren Widersprüchen zwischen Biographie und Werk entdeckte die Filmemacherin einen Zugang zur Person der Autorin, der sie in Fanny Price ein filmisches Denkmal setzt. Austens Lust am eigenständigen Denken, ihre Freude an der Sprache oder ihr Faible für scharfsinnige Beobachtungen, wie sie in Briefen und Tagebüchern ihren Niederschlag fanden, nützt Rozema als Material für eine freizügige Adaption mit dem Ziel, die Wünsche und Triebfedern Austens vor dem Hintergrund der Gegenwart greifbar werden zu lassen. Im klaren, herausforderndem Blick der Hauptdarstellerin Frances O’Connor spiegelt sich deshalb vor allem Rozemas Bild von Jane Austen: einer warmherzigen, humorvollen und intelligenten Frau, die in der Literatur, mehr aber noch im Schreiben jene inneren Räume der Selbstwerdung fand, die ihr die Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts nicht zugestand.

Bereits in den ersten Szenen wird die Sphäre des Fiktiven als vitale Quelle von Selbständigkeit und Sensibilität markiert: in Fannys spannenden Erzählungen, mit denen sie ihre Geschwister bei Laune hält, aber auch in der Verstörung des kleinen Mädchens, als es zum ersten Mal auf den Zusammenhang von Reichtum, Sklaven und überseeischen Plantagen gestoßen wird. Es ist nur ein kurzer Moment, als sie auf dem Weg zur „Adoptiv“-Familie ein Sklavenschiff erspäht - wie Rozema den historisch-politischen Kontext überhaupt sparsam, aber effektiv anklingen lässt. Die dumpfe Klage aus dem Schiffsrumpf aber hallt lautlos und vielfach gebrochen durch die Räume von Mansfield Park, bis zu dem Tag, an dem sich auch die inzwischen erwachsene Fanny den wahren Herrschaftsverhältnisse nicht mehr entziehen kann. Dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen fähig ist, den engen Kreis des gesellschaftliche Normierten zu überschreiten, resultiert aus der lebenslangen Übung, im Prozess des Schreibens nicht nur die Welt, sondern auch den eigenen Standpunkt einer kritischen Befragung auszusetzen. Der beherzten Inszenierung gelingt es über weite Strecken, solche inhaltlichen Dimensionen gegen die übermächtigen Tendenzen des historischen Ambientes zu behaupten, was neben den überzeugenden Hauptdarstellerinnen auch der Weigerung Rozemas zu verdanken ist, sich der üblichen Tricks der Kostümfilms zu bedienen. Vor allem im Umgang mit dem Licht fällt eine angenehme Zurückhaltung auf, mit der keine „magische“ Ausleuchtung, sondern eher eine der Zeit angemessene Illumination gesucht wird, wie sich auch in Ausstattung und Kostümen vornehmes Understatement dokumentiert. Trotzdem muss man sich auf Rozemas Begeisterung für Jane Austen als einer Art schreibenden Vorkämpferin der Emanzipation einstimmen können, um in der zwar geschickt strukturierten, aber kaum überraschendenden Handlung mehr als das ferne Echo einer verblichenen Zeit zu sehen. So aufgeräumt und „modern“ die Darsteller ihre Figuren auch porträtieren: Über die enorme Kluft zwischen dem Selbstverständnis der Gegenwart und den Sorgen und Nöten des englischen Landadels am Beginn des vorletzten Jahrhunderts vermag auch Rozema keine Brücken zu schlagen. Fragen des Standes oder der materiellen Versorgung unverheirateter „Frauenzimmer“ bewegen nur periphere Sphären, und selbst in feministischen Kreisen zählt das Modell der schreibenden Ichwerdung inzwischen zur historischem Instrumentarium der Emanzipationsbewegung. Was Rozema hingegen eindrucksvoll gelingt, ist die Revision des Jane-Austen-Bildes von der verhärmten Jungfer, die sich in ihren Romanen eine Ersatzwelt erträumt: Frances O’Connors warme Nachdrücklichkeit, mit der sie impulsive Lebenslust und wache Reflexionsgabe im Gleichgewicht hält, entwirft ein anderes, sehr sinnliches Bild von einer Frau, die ihren inneren Stimmen folgte, als dies von den Zeitläufen noch gar nicht vorgesehen war.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 08.05.01
Bst.-Nr. 500208, EAN 4006680024240

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