Marco Ferreri

In nahezu all seinen Filmen widmete sich Marco Ferreri den Abgründen der modernen Gesellschaft und dem Verhältnis der Geschlechter. Ein drastischer Realismus, den Sehgewohnheiten zuwiderlaufende Tabubrüche und bitterböser Witz brachten ihm den Ruf eines Provokateurs ein. Die stilisierten, bewusst abstoßenden Bilder und die innere Logik einer aberwitzigen Handlung prägten seine Filme. Als Privatperson gab er sich wortkarg und reagierte auf Kritik nicht selten schroff und zynisch, erwies sich aber auch immer wieder als beredter, geistvoller Erzähler.

Blu-ray
F / I 1973
R: Marco Ferreri

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DVD
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Biografie

Der Weg zum Film war für Ferreri kein einfacher. Nach einen abgebrochenen Tiermedizinstudium und Stationen als Spirituosenhändler, Werbekaufmann und Journalist zeichnete er sich ab 1951 für das Filmmagazin „Documento mensile“ mitverantwortlich. Die Bekanntschaft mit dem spanischen Drehbuchautor Rafael Azcona führte zu einer intensiven Zusammenarbeit. Die ersten Früchte dieser Begegnung waren die „drei spanischen Komödien“: „Die kleine Wohnung“ (1958), „Los Chicos“ (1959) und „Der Rollstuhl“ (1960).
Ferreris erste italienische Arbeiten waren hauptsächlich Ehekomödien, die das Rollenverständnis der Geschlechter in der italienischen Gesellschaft auf sarkastische Weise vorführten. Der berühmteste war „Die Bienenkönigin“ (1963), in dem Ugo Tognazzi von der sexuell unersättlichen Marina Vlady in die Impotenz getrieben wird. Mit „Dillinger ist tot“ inszenierte Ferreri 1968 einen seiner größten Erfolge, ein Essay über die Einsamkeit eines durchschnittlichen Mannes in der kapitalistischen Gesellschaft. Es folgten düstere Zukunftsvisionen, kafkaeske Fabeln, antiklerikale Allegorien und groteske Interpretationen westlicher Mythologien, bis Ferreri 1973 mit „Das große Fressen“ ein weiteres Meisterwerk gelang.
Ferreri blieb seiner tabulosen Erzählhaltung auch nach seinen beiden großen Erfolgsfilmen treu, konnte aber nur noch selten deren Erschütterungskraft wiederholen. In „Die letzte Frau“ (1975) schneidet sich Gérard Deardieu mit einer Brotsäge den Penis ab, in „Affentraum“ (1978) kommuniziert er nur noch durch eine Trillerpfeife. Mit Hanna Schygulla in der Hauptrolle entstanden in den achtziger Jahren „Die Geschichte der Piera“ und „Die Zukunft heißt Frau“, mit denen Ferreri dem feministischen Körperkult jener Jahre huldigte. Marco Ferreri starb 1997 an einem Herzinfarkt.

Filmografie

Filmografie (Auswahl)

Das Haus der Freuden (1988)
Bukowski – Ganz normal verrückt (1981)
Mein Asyl (1979)
Affentraum (1978)
Berühre nicht die weiße Frau (1974)
Das große Fressen (1973)
Dillinger ist tot (1969)
Die Bienenkönigin (1963)