Pier Paolo Pasolini

Pier Paolo Pasolini ist als eigenwilliger Provokateur in die Filmgeschichte eingegangen. In seinem polarisierenden Werk setzte er sich radikal und schonungslos mit der Entstehung eines neuen faschistoiden Denkens und dem Verfall gesellschaftlicher Strukturen auseinander und gab Außenseitern, Rebellen und einfachen Menschen eine Stimme.

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Biografie

Pasolini wurde 1922 in Bologna geboren. Sein Vater Carlo Alberto Pasolini wurde landesweit bekannt, nachdem er Benito Mussolini das Leben gerettet hatte. Prägend für die ersten schriftstellerischen Bemühungen des jungen Pasolini war Casarsa, der Wohnort der Großeltern. Erst 20-jährig veröffentlichte er seinen ersten Lyrikband „Poesie a Casarsa“, der jedoch von der faschistischen Zensur verboten wurde.
Nach Kriegsende trat Pasolini eine Stelle als Mittelschullehrer an. 1947 wurde er Mitglied der PCI, der Kommunistischen Partei Italiens. Das öffentliche Bekenntnis zur Homosexualität führte jedoch zwei Jahre später zum Verlust seines Lehramts und zum Parteiausschluss. Daraufhin zog Pasolini nach Rom. Schon nach kurzer Zeit gelang es ihm, sich in der römischen Kulturszene einen Ruf als Schriftsteller zu schaffen.
Mit 31 Jahren kam Pasolini erstmals mit der Filmszene in Berührung und entdeckte das Medium als Ausdrucksmittel für seine schriftstellerischen Ambitionen und gesellschaftskritischen Ansichten. Gemeinsam mit fünf weiteren Autoren schrieb er für den Film „Die Frau am Fluss“ (1955) von Mario Soldati sein erstes Drehbuch. Zur selben Zeit befassten sich auch Gerichte mit Pasolinis Werken: Für sein Romandebüt „Ragazzi di vita“ (1955) wurde er der Verbreitung unzüchtiger Schriften angeklagt. In kurzen Abständen folgten Drehbuch-Kooperationen mit den Filmemachern Luis Trenker, Federico Fellini, Franco Rossi und Florestano Vancini.
Schließlich entschied sich Pasolini, selbst Regie zu führen. Nach seinem Regiedebüt „Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ (1961) folgte „Mamma Roma“ (1962) mit der legendären Anna Magnani in der Hauptrolle. Wenig später drehte Pasolini mit „Das 1. Evangelium – Matthäus“ (1964) eines der umstrittensten Werke der Kinogeschichte: Dieser gewagte Film war der erste Versuch, das Leben Jesu möglichst realistisch zu inszenieren. Auf den Filmfestspielen von Venedig gewann das Epos 1964 den Preis der Jury. Die Wende zum eigenwilligen Autorenfilmer war vollzogen. Mit „Epido Re – Bett der Gewalt“ (1967) und „Medea“ (1969) folgten Umsetzungen antiker Stoffe, die die griechischen Mythen zum Teil von Pasolinis persönlicher Weltsicht machten.

Auch die Aufmerksamkeit der Gerichte war dem Regisseur zeitlebens sicher: Sein Filmsegment „La Ricotta“ (1963) wurde nach dem Vorwurf der Blasphemie zwischenzeitlich verboten, ebenso „Teorema – Geometrie der Liebe“ (1968) nach Protesten des Vatikans. Auch wegen des Verdachts der „Aufhetzung zu militärischem Ungehorsam, aufrührerischer und antinationaler Propaganda und Anstiftung zum Verbrechen“ wurde gegen den Filmemacher ermittelt. „Pasolinis tolldreiste Geschichten“ (1972), ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären, wurde wegen Verleumdung des Kapuzinerordens beschlagnahmt – und wieder freigegeben.
Am 2. November 1975 wurde Pasolini tot auf einem Sportplatz in Ostia aufgefunden. Er war erschlagen und mehrfach überfahren worden. Ein 17-jähriger Stricher wurde des Mordes angeklagt und saß eine langjährige Haftstrafe ab. 1995 widerrief er jedoch sein Geständnis. Die Umstände von Pasolinis Tod konnten bis heute nicht vollständig aufgeklärt werden. Die Pariser Uraufführung seines Skandalfilms „Die 120 Tage von Sodom“ (1975), in dem er den Untergang von Mussolinis faschistischem Regime mit den Ausschweifungen des Marquis de Sade zu einem tabulosen Untergangsszenario vereinte, erlebte Pasolini nicht mehr. Auch sein letztes Werk wurde in mehreren europäischen Ländern verboten.

Filmografie

Filmografie (Auswahl)

Die 120 Tage von Sodom (1975)
Pasolinis tolldreiste Geschichten (1972)
Medea (1969)
Teorema – Geometrie der Liebe (1968)
Das 1. Evangelium – Matthäus (1964)
Mamma Roma (1962)
Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (1961)