KulturSPIEGEL | 21.08.2009 |
Der KulturSPIEGEL über "Where in the World is Osama bin Laden"
von Tobias Becker
Für nichts hassen Filmfans einen Kritiker mehr als für einen Spoiler: für eine Information, die ihnen die Spannung verdirbt, etwa, weil sie das Ende des besprochenen Films verrät. Ein Spoiler, das ist ein Tabubruch, eine Frechheit, das Schlimmste, was ein Kritiker seinen Lesern antun kann. Wie sauer mögen Filmfans erst werden, wenn man ihnen den Ausgang des Films im Booklet zur DVD verrät?
Lassen wir´s doch mal drauf ankommen: Obwohl er durch Ägypten, Marokko, Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Afghanistan und Pakistan reist, findet Regisseur Morgan Spurlock den meistgesuchten Terroristenführer der Welt nicht, ja er findet nicht einmal eine Antwort auf die Titelfrage seiner Dokumentation „Where in the World Is Osama Bin Laden?“ Das hätte auch keiner erwartet, aber dass Spurlock sich nicht einmal sonderlich für die Frage interessiert, überrascht dann doch.
Zu Beginn seines Projekts habe er noch einen Eindruck der Gegend bekommen wollen, in der Osama Bin Laden sich vermutlich so erfolgreich versteckt, sagt Spurlock, doch irgendwann habe sich dann der Fokus der Reise geändert – „weg von Bin Laden, hin zu den Menschen im Nahen Osten“. Die Fahndung ist also nichts weiter als ein Fake, eine zurechtgebogene Rahmenhandlung, ein Dramaturgiekniff, und das merkt man dem Film auch an. Aber keine Sorge: Sehenswert ist er trotzdem. Und zu viel verraten ist damit auch nicht.
Spurlock wird oft verglichen mit Michael Moore, dem Regisseur von „Fahrenheit 9/11“. Wie dieser ist er oft nicht nur parteiisch, sondern polemisch. Wie dieser stellt er sich in seinen Dokumentationen in den Mittelpunkt der Handlung. Bekannt geworden ist Spurlock 2004 mit „Super Size Me“, einem Selbstversuch, in dem er sich 30 Tage lang nur von dem Fastfood bei McDonald`s ernährte und dabei über elf Kilo zunahm. Statt einem vermeintlichen Schurkenrestaurant setzt er sich nun angeblichen Schurkenstaaten aus und einigen ihrer Nachbarländer.
Er findet zwar nicht Osama Bin Laden, aber eventuelle Erklärungen für den Terrorismus: zum Beispiel Armut oder auch die US-amerikanische Außenpolitik. Ja, er findet sogar nette Menschen, die nicht religiös verblendet sind, sondern Terrorismus verurteilen. Einmal, in Ägypten, bringt Spurlock die Erkenntnis auf den Punkt: „Das sind normale Leute, wie Du und ich.“ Und so dokumentiert der pädagogische Film in seinen besten Momenten nicht nur die Bevölkerung im Nahen Osten, sondern auch das Zielpublikum in den USA – mitsamt seiner Vorurteile.