Originaltitel
Howards End
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
1992
Genre
Drama, Romance
Lauflaenge ca. 136 min.
FSK 12

Darsteller
Anthony Hopkins
Emma Thompson
Helena Bonham Carter
Vanessa Redgrave

Stab
Regie: James Ivory
Drehbuch: E.M. Forster, Ruth Prawer Jhabvala
Kamera: Tony Pierce-Roberts
Produktion: Ismail Merchant

Auf einer Reise lernen die lebenslustigen Schwestern Helen und Margaret Schlegel den erzkonservativen Henry Wilcox und seine Gattin Ruth kennen. Trotz unterschiedlicher Wertvorstellungen und Temperamente freunden sie sich an, und schon bald sind die Schlegels zu Gast auf dem prächtigen Landsitz der Wilcox’: Howards End. Als Ruth stirbt, vermacht sie das Anwesen ihrer Freundin Margaret. Doch Henry verheimlicht den letzten Willen und bittet stattdessen Margaret, seine Frau zu werden …

James Ivorys hochkarätig besetztes und dreifach Oscar®-prämiertes Meisterwerk nach E.M. Forsters weltberühmtem Roman erscheint erstmals in einer Premium-Edition mit Originalton und -bildformat sowie umfangreichen Extras.

Extras

  • Featurette: Regisseur James Ivory und Produzent Ismail Merchant über „Ein Wiedersehen in Howards End“
  • Exklusives Interview mit Helena Bonham Carter
  • Exklusives Interview mit Produktionsdesignerin Luciana Arrighi und Kostümdesignerin Jenny Beavan
  • Exklusives Interview mit Produktionsdesignerin Luciana Arrighi über die Oscar®-prämierte Ausstattung
  • James Ivorys Kurzfilm „Venice: Themes and Variations“ (1957)
  • Fotogalerie
  • Trailer
  • Booklet

Technische Angaben

Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DD, Stereo DD)
Untertitel: Deutsch

Rezensionen

film-dienst | | film-dienst.kim-info.de
Wiedersehen in Howards End
von Günther Bastian

Edward Morgan Forster (1879-1970) gilt als einer der bedeutendsten englischen Romanciers dieses Jahrhunderts. Das Thema seines erzählerischen Werkes, der Zusammenprall von verschiedenen Kulturen, Gesellschaftsklassen und menschlichen Temperamenten innerhalb von inzwischen entschwundenen Welten sowie das Streben des einzelnen nach Selbstverwirklichung im Widerstand gegen ein in Konventionen gezwängtes Leben - das zieht James Ivory nach "Zimmer mit Aussicht" (fd 25 916) und "Maurice" (fd 26 636) nun zum dritten Male zu einer Verfilmung Forsterscher Gesellschaftsdarstellung an. Man fragt sich allerdings gerade bei Forsters dichtestern und entlarvendstern, 1910 veröffentlichtem Roman "Howards End", ob den großen Ästheten Ivory nicht doch mehr die Möglichkeit zur sublimen Beschwörung eines versunkenen Zeitalters als der feste kritische Zugriff auf gesellschaftliche Strukturen des spätviktorianischen England interessiert. Denn so genau die Entfaltung von Vergangenheit Ivory wieder einmal mit Hilfe erlesener Darstellungskunst, sensiblem Zeitmaß, impressionistisch nachmalender Kameraarbeit und einer Musik im Geiste der Spätromantik auch gelingt, empfindet man es unzufrieden doch als einen Mangel, daß es Ivory nicht fertigbringt, der von Forster mit Hintergründigkeit und Ironie aufgeschlüsselten Historie eine bestimmte, ihr auch heute noch innewohnende Aktualität zu entschöpfen: nämlich die Möglichkeiten des Menschen, den persönlichkeitshemmenden Gegensatz von gesellschaftlich bedingtem "Scheinleben" und wahrhafter Persönlichkeitsstruktur und Lebensempfindung durch die Abkehr von Illusionen und Lebenslügen zu überwinden gemäß dem Wort: "Wir können die Welt täuschen, doch wir können uns nicht selber etwas vormachen!" Gelegenheiten, die handelnden Personen aus ihrer zeitlich und örtlich genau festgelegten Existenz ins Allgemeine, ins Überzeitliche zu heben, sind genug vorhanden.

Da sind die für ihre Zeit schon recht emanzipierten Schwestern Margaret und Helen Schlegel aus der oberen Mittelklasse, die im langsam unter Schwierigkeiten wachsenden Verkehr mit der von viktorianischer Standesmoral und Prüderie beherrschten Familie Wilcox unbewußt ihre Schicksalsweichen stellen. Margaret findet in der kränklichen Mrs. Wilcox eine lebenskundige, verständnisvolle Freundin, erbt deren Haus "Howards End" und heiratet nach einigen Verzögerungen den Witwer Wilcox. Beide sehen in ihrer Liebe eine "wesenhafte Erfüllung", zumal Margaret bereitwillig ihre emanzipatorischen Ideale zurückstellt. Auch ihre nicht weniger gescheite und kultivierte Schwester Helen hätte einige Zeit zuvor durch Liebe zu einem der Wilcox-Söhne in diese erzkonservative Familie hineinkommen können. Aber die Verschiedenheiten im Persönlichkeitsbild der beiden, und mehr noch ihre gesellschaftlichen Auffassungen, haben das Verhältnis bald auslaufen lassen. Helen widmet sich in einer Mischung aus heimlicher Zuneigung und sozialem Engagement einem jungen Bankangestellten, der ebenso arm wie kulturbeflissen ist. Als er seinem Stand entsprechend geheiratet hat, stellt sich heraus, daß seine Frau einmal die Geliebte von Wilcox war. Von Welt, Moral und Menschen enttäuscht, gibt sich Helen in gefühlsverwirrter Aufwallung dem inzwischen arbeitslosen Bankangestellten hin, der von einem der älteren Wilcox Söhne mit einem Säbel zu Tode attackiert wird, als sich herausstellt, daß Helen durch ihn schwanger geworden ist. In dieser Totschlagszene kulminiert einmal auch ganz offen die bis dahin von Ivory meist bedeckt gehaltene bissige Ironie Forsters: Einer aus dem hochnäsigen Wilcox-Clan fühlt die Familienehre in den Schmutz gezogen, weil jemand mit einer "Angeheirateten" aus der nach wie vor geringschätzig angesehenen Schlegel-Familie "Schande" zeugte. Für diese von Standesdünkel und Prüderie durchdrungene Auffassung kommt der selbstherrliche Totschläger zwar ins Gefängnis; und Vater Wilcox, schon durch die Aufdeckung seines früheren Verhältnisses zu der Frau des Getöteten ins Zwielicht geraten, bricht nun vollends zusammen. Aber Margaret, die im geerbten "Howards End" Helen und ihrem Baby eine Heimat gibt, sorgt an diesem idyllischen Ort auch für die Läuterung und Wiederaufrichtung von Wilcox. Allmählich wird nach all diesen Schicksalsschlägen den Wilcox' wie den Schlegels bewußt, daß man sich mit Toleranz über die sozialen und kulturellen Gegensätze hinweg aufeinander zubewegen muß, um lebenswertes Leben zu erreichen. So schließt sich der Kreis von Erfahrung und Erkenntnis für alle just an dem Ort, den die Wilcox - wieder einer von Forsters satirischen Seitenhieben - der Schlegelschen Margaret jahrelang vorenthielten, indem sie den letzten Willen ihrer verstorbenen Mutter als "unverantwortliche Schrulle" ignorierten und das Testament vernichteten.

Das Geflecht von Personen mit dem Zwang, sich gegenseitig ihre Lebenslügen und falschen Gefühlswelten glaubhaft zu machen, und dem daraus wiederum resultierenden "Zwang" nach der Entladung seelischen Sprengstoffes in Ahnung von der heilenden Kraft der Wahrheit - es rührt am stärksten an, wenn die Dramatik in kleinen Bewegungen, Gesten und Blicken sich ausdrückt und nicht so sehr die tragischen Akzente "drücken". Daß Ivorys schwelgerische Ästhetik in der Ausmalung des viktorianischen Sittenbildes die gesellschaftskritische Subtanz der Vorlage zurückdrückt und das Widerborstige im eigentlich den ganzen Film durchziehenden Duell zwischen der fortschrittlich denkenden Helen und dem stockkonservativen Wilcox in bildlicher Schönheitspflege geglättet wirkt, dürfte am wenigsten problemmüde Zeitgenossen bekümmern, die in ihrem Verlangen nach Trost und Kompensation sowieso am liebsten nur von vergangenen Welten das "Schöne" sehen wollen.

Angaben zum Vertrieb

DVD im Handel seit 17.07.09
Bst.-Nr. 502553, EAN 4006680049205

Diesen Titel gibt es in weiteren Varianten:

DVD
GB 1992
R: James Ivory

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