Detailsuche

Bild zu Wie Eddie Vedder und Sean Penn den perfekten Soundtrack für Into The Wild fanden

Wie Eddie Vedder und Sean Penn den perfekten Soundtrack für Into The Wild fanden

Am 7. Juli läuft Sean Penns Drama über das Leben und den einsamen Tod des Aussteigers Christopher McCandless in der Reihe "Best of Cinema" in ausgewählten deutschen Kinos. Dass Into The Wild damals wie heute so intensiv wirkt, liegt auch am atmosphärischen Soundtrack von Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder.

02. Juli 2026

Eddie Vedder ist ein Bandmensch. Seit den späten 80ern spielte er in Gruppen wie Bad Radio, Temple Of The Dog, Mookie Blaylock und natürlich Pearl Jam, die 1990 in Seattle gegründet wurden. Pearl Jam sind immer noch eine der größten aktiven Bands des Grunge-Hypes der 90er. Damit gehören sie zu einer seltenen Spezies, haben doch die Grunge-Kollegen Alice In Chains, Mad Season, Nirvana und Soundgarden allesamt durch Drogentode oder Suizide ein frühzeitiges, tragisches Ende gefunden.

Was brachte also diesen Eddie Vedder, der seit Ende der 80er ausschließlich in Bands Musik macht dazu, 2007 sein allererstes Soloalbum aufzunehmen? Kurz gesagt: das Kino. Etwas genauer: Regisseur und Schauspieler Sean Penn.

Vedder und Penn kannten sich bereits, weil Vedder Mitter der 90er am Soundtrack zu Dead Man Walking mitgewirkt hatte, in dem Penn die Hauptrolle spielte. Zwei der stärksten Songs darauf – "The Face Of Love" und "The Long Road" – stammen von Vedder und dem pakistanischen Sänger Nusrat Fateh Ali Khan. Penn liebte die Songs und freundete sich mit Vedder an.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Fast Forward in die Mitte der Nullerjahre: Sean Penn ist Fan des Buchs "Into The Wild" vom renommierten Journalisten John Krakauer. Es erzählt die wahre Geschichte des Aussteigers Chris McCandless, der 1992 beschließt, der Gesellschaft den Rücken zu kehren. McCandless bricht nach seinem Studium auf in die Weiten Alaskas – in die Region Healy, nördlich des Denali National Park and Preserve in Alaska. Dort bezieht er einen verlassenen Schulbus, den er "The Magic Bus" nennt.

Was für ihn ein Ort des Ankommens und des inneren Friedens werden sollte, wird für McCandless nach und nach zum Alptraum. Der Aussteiger ist wenig vorbereitet auf das Leben in der gnadenlosen, winterlichen Natur. Als er schließlich kapituliert und merkt, dass er doch andere Menschen um sich braucht, ist es fast zu spät: Er macht sich auf den Rückweg, verirrt sich, verhungert fast, isst Pflanzen, weiß nicht, dass einige davon giftig sind, wird krank und stirbt in Einsamkeit. Erst zwei Wochen später wird seine Leiche von Jägern gefunden.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Sean Penn schreibt das Drehbuch zu Into The Wild, ist Regisseur und Co-Produzent. Die Hauptrolle spielt der charismatische Emile Hirsch, der manchmal fast wie ein junger Eddie Vedder aussieht. Penn hat den Film bereits fertig gedreht, als er schließlich Eddie Vedder an Bord holt. Zu diesem Zeitpunkt haben Penn, sein Filmeditor Jay Cassidy und ihr Sound Designer auch schon beschlossen, Instrumentalstücke der Gitarristin Kaki King und des Gitarristen, Produzenten und Ambient-Musikers Michael Brook zu verwenden.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Aber etwas fehlt noch. Penn sagte dem Magazin "Billboard" in einem Interview, das 2007 zum Kinostart veröffentlicht wurde: "Im Laufe der Dreharbeiten hörte ich immer öfter die Stimme von Eddie Vedder als die Seele von Chris McCandless in meinem Kopf." Als klar ist, dass King und Brook dabei sind, ruft Penn schließlich Vedder an. "Ich habe Eddie gefragt, ob er das Buch lesen würde, und das hat er getan. Er hat sich sofort daran gemacht, Songs zu schreiben, ist aber noch einen Schritt weiter gegangen und hat auch Instrumentalstücke komponiert. Schließlich haben wir bei ihm in Seattle einige Aufnahmesessions mit Michael, Eddie und Charlie Musslewhite gemacht, und gemeinsam haben sie einfach einen Volltreffer gelandet."

Vedder kann schon vor den Sessions den kompletten Film sehen und gibt gegenüber "Billboard" zu: "Ich fand ihn großartig, und es schien nichts zu fehlen. Es gab bereits jede Menge gute Musik im Film. Aber Sean meinte: 'Mach einfach weiter und schau, was passiert.' Also verbrachten wir drei Tage im Studio, und ich schickte ihm etwa eine halbe Stunde Musik. Dann sagte er: 'Wenn ich noch mehr von diesem Zeug bekäme, könntest du zur inneren Stimme der Figur werden.' Er sah die Musik fast schon als das an, was im Kopf des Jungen vor sich geht."

Tatsächlich geht es vielen Fans des Films später ähnlich. Vor allem die Ballade "Society" spricht vielen jungen Menschen aus der Seele und hätte wohl auch dem realen Chris McCandless gefallen, der seinen Aufbruch durchaus als politischen Akt sah. Vedder singt darin "When you want more than you have / You think you need / And when you think more than you want / Your thoughts begin to bleed / I think I need to find a bigger place / 'Cause when you have more than you think / You need more space / Society, you're a crazy breed / I hope you're not lonely without me."

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Die insgesamt 16 Songs des Soloalbums von Eddie Vedder fügen sich perfekt ein in den Film und lassen einen auch danach nicht los. Sehnsüchtige, traurige Instrumentalstücke wie "End Of The Road", hypnotische Zwischenspiele wie "The Wolf", melancholischer Folk wie "Long Nights", oder das von der Euphorie des Aufbruchs geprägte "Setting Forth" – all diese Lieder funktionieren auch ohne den Film. Nebem dem bereits erwähnten "Society" wird vor allem das hymnische "Hard Sun" zum Hit der Platte – vielleicht weil es musikalisch dem Pearl-Jam-Sound am nächsten ist.

Dass Eddie Vedder die Stimmung und den Charakter des Films so gut trifft, ist dabei kein Zufall. Vedder sagt "Billboard" dazu: "Es fiel mir nicht schwer, diesen jungen Mann zu verstehen. Ich fühle mich immer noch so verbunden damit und habe so lebhafte Erinnerungen an das Alter, in dem man den Wahnsinn in der Welt erkennt und wissen will, wie man damit umgehen soll, wie man sich einen gewissen Idealismus bewahren kann und wie man nicht zu denselben Autoritätspersonen wird, mit denen man aufgewachsen ist."

Für ihn sei die Arbeit an den Songs eine Möglichkeit gewesen, diese Gefühle, die auch den jungen Eddie plagten, noch einmal zu verarbeiten. Er bewundere die Konsequenz und Rücksichtslosigkeit, mit der Chris McCandless seinen Weg gegangen sei – auch wenn dieser ein tragisches Ende nahm.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Aber es gab noch eine weitere emotionale Brücke zwischen Vedder und dem Leben von Chris McCandless. Vedder erzählt "Billboard", dass sein eigener jüngerer Bruder, der zufälligerweise auch Chris heißt, zur Zeit der Aufnahmen und des Songwritings nach Südafrika abgehauen sei. Er habe meditieren wollen und vorübergehend den Kontakt zur Familie abgebrochen. "Etwa zwei Monate lang hatte niemand etwas von ihm gehört, und plötzlich fühlte ich mich wie seine Schwester Carine McCandless", sagt er. "Es gab also Ereignisse im wirklichen Leben, die erschreckende Parallelen zur Geschichte aufwiesen."

Film und Soundtrack genießen bis heute Kultstatus. Deshalb wird es viele freuen, dass Into The Wild am 7. Juli in der Reihe "Best of Cinema" in ausgewählten deutschen Kinos laufen wird. Alle Infos und alle teilnehmenden Kinos findet man hier.

Das könnte Ihnen auch gefallen

Dazu in unserem Magazin

Arthaus Stores

Social Media