Detailsuche

Bild zu Philine Sonny erzählt, wie sie der Film The Outrun zu ihrem Song "Outrun" inspiriert hat

Philine Sonny erzählt, wie sie der Film The Outrun zu ihrem Song "Outrun" inspiriert hat

Vor einigen Tagen veröffentlichte die Sängerin, Songwriterin und Produzentin Philine Sonny ihre neue Single "Outrun". Das Lied schrieb sie nach einem besonderen Kinobesuch: Sie hatte The Outrun mit Saoirse Ronan gesehen und sagt selbst: "Der Film hat etwas in mir ausgelöst." Da wurden wir natürlich hellhörig und haben mal genauer nachgefragt.

20. Januar 2026

Als die Indie-Musikerin, Songwriterin und Produzentin Philine Sonny kürzlich auf TikTok erzählte, dass sie ihre neue Single "Outrun" nach einem besonderen Kinobesuch geschrieben hatte, wurden wir hellhörig. In dem Post hieß es: "Ich habe mir letztes Jahr The Outrun (den Film mit Saoirse Ronan) angesehen. Es war ein ziemlich einsamer Abend. Ich war allein ins Kino gegangen und aus irgendeinem Grund hat mich dieser Film so sehr bewegt, dass ich nach Hause kam und diesen Song geschrieben habe."

Philine Sonny ist eine der spannendsten Künstlerinnen der heimischen Indieszene. Schon ihre ersten veröffentlichten Songs "Same Light" und "Lose Yourself" aus dem Jahr 2022 fanden international Beachtung. Sogar Produzent Pharrell Williams empfahl "Same Light" in einer seiner Playlisten und Deutschrap-Star Casper wählte sie als Support-Act seiner großen Homecoming-Show im Bielefelder Stadion im letzten Jahr. Was viele dabei besonders beeindruckte: Philine, damals Anfang zwanzig, produzierte und schrieb diese Lieder im Alleingang.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

"Outrun" ist nun eine weitere Vorabsingle ihre Debütalbums "Virgin Lake", das am 3. April 2026 veröffentlicht wird und wieder von Philine produziert wurde. Da wir beim ARTHAUS Magazin den Film The Outrun sehr lieben (und die Buchvorlage übrigens auch) und Fan von Philine Sonnys mal melancholischem, mal wütendem Indie-Sound sind, haben wir mit ihr über diesen The Outrun-Abend gesprochen, an dem der Song "Outrun" entstanden ist.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Hey, Philine, erzähl doch mal: Wie war dieser besagte Kino-Abend?
Also erst einmal sollte ich vielleicht klarstellen, dass ich sehr gerne allein ins Kino gehe. Es war also nicht so, dass ich einen besonders traurigen oder einsamen Abend hatte. Ich mag Saoirse Ronan, deshalb war es für mich klar, dass ich The Outrun sehen wollte. Ich arbeitete damals gerade an meinem Album und war in einer Phase, in der ich nicht so recht wusste, worüber ich noch schreiben sollte. Ich suchte aber eher Abwechslung und nicht zwingend Inspiration. Dieser Film hat dann trotzdem irgendetwas mit mir gemacht. Er hat diese ganze Wut hervorgeholt, die jetzt in meinem Song steckt – aber auf eine tröstende Art.

Wie darf man sich das vorstellen: Bist du quasi straight nach Hause, hast dich an den Tisch gesetzt und drauf los geschrieben?
So ähnlich: Ich habe ein kleines Home Studio und bin direkt rein. Weil ich noch keinen Titel für die Aufnahme-Session hatte, habe ich die Datei "Outrun" genannt. Ich glaube, ich habe zuerst die Gitarrenmelodie und die Drums aufgenommen, aber ich hatte schon die ersten Ideen für die Lyrics im Kopf. Ich mache es oft so, dass ich mir dann mit der Melodie einen Loop setze und so lange on the spot darüber singe, bis sich eine richtige Strophe formt. Der Großteil der ersten Strophe ist so entstanden – und den Rest habe ich dann am Tag drauf geschrieben.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Die erste Zeile von "Outrun" lautet "You’re the rumbling in the deep blue sea". Ich musste da gleich an diverse Szenen aus dem Film denken: Zum Beisiel, wenn Rona gegen das Meer anschreit oder die Geschichte vom "stoor worm" erzählt – jenem Meerungeheuer, das auf den Orkney Inseln für das Grollen des Meeres verantwortlich gemacht wird. Gleichzeitig ist dein Song sehr wütend und rough, und erzählt von familiären Spannungen, was im Film ja auch angelegt ist. Was würdest du sagen ist für dich die thematische und emotionale Brücke zwischen Film und Song?
Mich hat vor allem dieser emotionale Abnabelungsprozess berührt, den Rona durchmacht. Sie hat eine Beziehung zu ihren Eltern, die sehr … vielseitig ist. Nennen wir es mal so. Ich habe im letzten Jahr etwas ähnliches erlebt – eine emotionale Abtrennung von Teilen meiner Familie, die nicht ganz freiwillig war. Ronas Situation ist anders, aber ich habe mich ein bisschen in ihr gesehen. Sie merkt zum Beispiel, dass sie trotz des schwierigen Verhältnisses zu ihrem Vater eine große Empathie für ihn empfindet – und trotzdem weiß sie, dass sie für ihren persönlichen Seelenfrieden nicht alles mit sich machen lassen kann. Wie gesagt: Ihre Story ist eine andere, aber diese Themen haben mich im letzten Jahr krass beschäftigt, und das hat der Film bei mir rausgekitzelt.

Hast du noch mal überlegt, den Titel zu ändern?
Ja. Für mich war es lange einfach ein Arbeitstitel, weil die Session mit diesem Kinoabend verbunden war. Aber immer, wenn ich drüber nachgedacht habe, fiel mir auf, wie gut dieses Wort passt. "Outrun" – da ist so viel drin. Dieser emotionale Stress. Der Versuch, vor ihm wegzulaufen. Aber auch die Stimmungen, die der Film zeigt. Und dieser Wunsch, auf einer einsamen Insel, die Problemen zu vergessen. Am Ende passte "Outrun" einfach immer zu gut.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Rona hat natürlich ihre Wurzeln auf den Orkney Inseln, aber ich glaube, dieser Impuls, sich in schwierigen Zeiten auf eine recht unbewohnte Insel verziehen zu wollen, gefällt vielen. Bist du dieser Typ Mensch?
Voll. Ich habe sogar genau das gemacht, um mich auf mein Album zu konzentrieren. 2024 bin ich für zwei Wochen nach Norwegen geflogen. Erst nach Tromsø und von dort drei Stunden mit einem Schiff auf eine Insel über dem Polarkreis. Das war im Sommer, also hatte ich Mitternachtssonne. Da gab es einen Tag, der vielleicht der schönste Tage meines Lebens war: Ich habe beim Spaziergehen im Wald so eine verstecke Bucht gefunden. Da musste ich so einen komischen Weg runter, der ein bisschen gefährlich aussah. Unten war dann eine öffentliche Hütte, die vom ganzen Dorf genutzt werden kann. Ich habe den ganzen Tag da verbracht und keine Menschenseele gesehen. Ich bin glaube ich erst um 4 Uhr nachts nach Hause gegangen. Es war ja die ganze Zeit hell. Der Ausblick war einfach krass schön und ich glaube, ich habe mich noch nie auf eine so gute Weise allein gefühlt. Ich habe geschrieben, ich habe Kekse gegessen, ich war nackt im Meer schwimmen, mir sind ganz viele gute Dinge zu meinem Album eingefallen – das war schon ein ziemlicher The Outrun-Moment.

Hier finden Sie unser Interview mit Regisseurin Nora Fingscheidt über ihren Film The Outrun und hier unser Gespräch mit Hauptdarstellerin und Co-Produzentin Saoirse Ronan.

Dazu in unserem Magazin

Arthaus Stores

Social Media