François Truffaut

Als François Truffaut 1984 im Alter von gerade einmal 52 Jahren starb, verlor das französische Kino den ersten und einen der wichtigsten Nouvelle-Vague-Regisseure. Mit seinem Debüt „Sie küssten und sie schlugen ihn“ markierte Truffaut 1959 den Beginn der berühmten Filmbewegung und aus seinem Helden Antoine Doinel wurde eine regelrechte Ikone, der Truffaut in den folgenden zwanzig Jahren vier weitere Filme widmete. Im Gegensatz zu seinem politisch und künstlerisch weitaus ambitionierteren Kollegen Jean-Luc Godard hatte Truffaut immer auch das Publikum im Sinn und schenkte den Zuschauern wunderbar zärtliche Liebesgeschichten, spannende Kriminalfilme und geniale Literaturverfilmungen.

Biografie

François Truffaut wird am 6. Februar 1932 in Paris geboren. Nach der Volksschule wird er mit 15 Jahren zunächst Laufbursche, Lagerarbeiter, Büroangestellter und Schweißer. Seine Liebe zum Kino führt ihn dazu, den Filmclub „Cercle Cinémane“ zu gründen. Dadurch lernt er den Filmkritiker André Bazin kennen, der ihm ein väterlicher Freund wird und ihm eine Tätigkeit in der Filmabteilung der Zeitung „Travail et Culture“ verschafft. Hier schreibt Truffaut seine ersten Filmkritiken. 1951 meldet er sich freiwillig zum Militär, wird aber 1953 unehrenhaft entlassen. Bazin besorgt ihm eine Stelle im Filmbüro des Landwirtschaftsministeriums. Später erhält Truffaut die Möglichkeit, als Filmkritiker für „Cahiers du Cinéma“, „arts-Spectacles“ und andere Zeitschriften zu arbeiten. Sein erster Film entsteht 1955: „Une Visite“, ein Kurzfilm in 16mm, bei dem Jacques Rivette hinter der Kamera steht. Danach wird er Assistent von Roberto Rossellini und arbeitet mit ihm an der Vorbereitung von zwei Filmen, die aber nie gedreht werden sollen: „Carmen“ und „La Decision d’Isa“. 1957 gründet Truffaut seine Produktionsfirma „Les Films de Carosse“ und führt bei dem Kurzfilm „Die Unverschämten“ Regie. Ein Jahr später entsteht sein erster langer Spielfilm „Sie küssten und sie schlugen ihn“, für den er 1959 in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet wird. Die Geschichte des 13-jährigen Antoine Doinel wird Truffaut in vier weiteren Filmen aufgreifen und aus dem Darsteller Jean-Pierre Léaud das Gesicht der Nouvelle Vague machen.

1962 dreht Truffaut die zweite Episode des „Antoine-Doinel-Zyklus“ – „Antoine und Colette“ – sowie die Literaturverfilmung „Jules und Jim“, die endgültig seinen Ruf als einer der wichtigsten Nouvelle-Vague-Regisseure beschließt und Jeanne Moreau weltberühmt macht. Nahezu jedes Jahr realisiert Truffaut einen Film, engagiert sich aber auch weiterhin publizistisch. 1966 interviewt er die Regielegende Alfred Hitchcock über 50 Stunden und kompiliert die Gespräche in dem Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?” Obwohl Truffaut nur gebrochen Englisch spricht, verstehen sich die beiden Filmemacher prächtig und erteilen sich gegenseitig aufschlussreiche Lektionen über das Filmemachen und -sehen.

1973 dreht Truffaut seinen Film im Film „Die amerikanische Nacht“, der ihm endlich den Oscar® für den Besten fremdsprachigen Film beschert und aus dem Truffaut Ausschnitte für seinen letzten Teil des Antoine-Doinel-Zyklus – „Liebe auf der Flucht“ – verwendet, obwohl Jean-Pierre Léaud in „Die amerikanische Nacht“ gar nicht Antoine Doinel spielt. „Liebe auf der Flucht“ aus dem Jahr 1979 wird ein geniales filmisches Experiment. Statt eine neue Geschichte über Doinel zu erzählen, schneidet Truffaut Szenen aus den vorangegangenen Teilen zusammen und ergänzt eine minimale, neu gedrehte Rahmenhandlung. Truffaut bedauert zwar den Abschied von Doinel, freut sich aber gleichzeitig über den Neubeginn. Dieser hätte mit „Die letzte Metro“ 1980 nicht erfolgreicher und größer ausfallen können. Der Film gewinnt 1981 zehn Césars und wird auch wirtschaftlich Truffauts gewinnbringendster Film. Es folgen das kleine Liebesdrama „Die Frau nebenan“ (1981) und die schwarze Krimikomödie „Auf Liebe und Tod“ (1983). In beiden Filmen spielt Fanny Ardant das Objekt der Begierde. Mit der Schauspielerin ist Truffaut bis zu seinem überraschenden Tod am 21. Oktober 1984 liiert. Truffaut realisiert insgesamt 21 Spielfilme.

Filmografie

Auf Liebe und Tod (1983)
Die letzte Metro (1980)
Liebe auf der Flucht (1979)
Die amerikanische Nacht (1973)
Der Wolfsjunge (1970)
Geraubte Küsse (1968)
Fahrenheit 451 (1966)
Jules und Jim (1962)
Schießen Sie auf den Pianisten (1960)
Sie küssten und sie schlugen ihn (1959)