Peter Greenaway

Biographie
Filmografie

Wanderer zwischen den Künsten

Mit dem Begriff ‚Filmemacher‘ wäre er nur unzureichend beschrieben: Peter Greenaway, der es wie kaum ein anderer versteht, verschiedenste Künste in aufwendigen Synthesen zusammenzubringen. Neben Verweisen zu Literatur und Musik sind es dabei vor allem die klassischen bildlichen Darstellungsweisen, die der gelernte Maler in seine komplexen Filmgebilde einarbeitet. Intellektuell und zugleich stets hochgradig körperlich zeigt er so im alles erfassenden Medium des Audiovisuellen kulturhistorische Traversen auf.

Geboren 1942 im walisischen Newport dreht Greenaway ab 1962 experimentelle Kurzfilme, aus denen er später Versatzstücke in seinen ersten Langfilm, die monumentale Mockumentary The Falls (1980) einarbeitet. Zwei Jahre später gelingt ihm mit dem im Barock angesiedelten Kunst-Krimi Der Kontrakt des Zeichners (1982) ein internationaler Überraschungserfolg. Ein Z & zwei Nullen (1985) markiert den Beginn von Greenaways langjähriger Zusammenarbeit mit Kameramann Sacha Vierny und erkundet wie der Folgefilm Der Bauch des Architekten (1987) Themen von Werden und Verfall. Sein Faible für Zahlenspiele prägt Die Verschwörung der Frauen (1988), in dem der Regisseur die Geschichte dreier Frauen erzählt, die der Reihe nach ihre Männer ertränken. Zum Skandal und zugleich Greenaways populärstem Film avanciert 1989 Der Koch, der Dieb, seine Frau & ihr Liebhaber, der in hoch stilisierten Bildern Kulinarik, Sex und Gewalt im Motiv des Kannibalismus auflöst. Prosperos Bücher (1991) funktioniert als freie Adaption von Shakespeares "Der Sturm", entwickelt in 24 ‚Büchern‘, die sich den Zuschauern in Form opulenter Sets öffnen. Mit Das Wunder von Mâcon (1993) dreht Greenaway seinen wohl düstersten Film, dessen Handlung er erneut ins 17. Jahrhundert verlegt. Japanische Kalligraphie bildet den zentralen Bezugspunkt in Die Bettlektüre (1996), der das Thema von Schrift und Einschreibung auch auf filmischer Materialebene spiegelt und mit seinen verschachtelten Frames digitale Bildwelten vorwegnimmt. Im neuen Millennium dann wendet sich Greenaway zunehmend Ausdrucksmöglichkeiten abseits des Kinos zu. Von 2003 bis 2005 erscheinen mehrere Teile seines Multimediaprojekts rund um die Kunstfigur Tulse Luper, abgeschlossen durch Ein Leben in Koffern (2005). Mit Nightwatching – Das Rembrandt-Komplott (2007) dreht er im Anschluss wieder einen konventionelleren Kinofilm, der wie Der Kontrakt des Zeichners Bildende Kunst mit einem Kriminalplot verbindet. Auf diesen folgt Goltzius and the Pelican Company (2012), der als zweiter Teil in einer Reihe zu niederländischen Meistermalern steht. In seinem bis dato letzten Spielfilm Eisenstein in Guanajuato (2015) erzählt Greenaway schließlich aus dem Leben des Regisseurs und Filmtheoretikers Sergej Eisenstein.

Während Peter Greenaways Kino in den 1980er und 90er Jahren im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit stand, hat der Allround-Künstler seine Karriere seit der Jahrtausendwende in anderen Bereichen ausgebaut und arbeitet nun verstärkt kuratorisch als Gestalter multimedialer Installationen und Ausstellungen.

Eisenstein in Guanajuato (2015)
Goltzius and the Pelican Company (2012)
Peopling the Palaces at Venaria Reale (2007)
Nightwatching - Das Rembrandt-Komplott (2007)
Ein Leben in Koffern (2005)
The Tulse Luper Suitcases, Part 3: From Sark to the Finish (2004)
The Tulse Luper Suitcases, Part 2: Vaux to the Sea (2004)
The Tulse Luper Suitcases: Antwerp (2003)
The Tulse Luper Suitcases, Part 1: The Moab Story (2003)
8½ Frauen (1999)
Die Bettlektüre (1996)
Das Wunder von Mâcon (1993)
Prosperos Bücher (1991)
Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (1989)

Verschwörung der Frauen (1988)
Der Bauch des Architekten (1987)
Ein Z und zwei Nullen (1985)
Der Kontrakt des Zeichners (1982)
The Falls (1980)

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