Top 5: Der letzte Kaiser schreibt Geschichte(n)

Das faszinierende Epos über den letzten Kaiser Chinas von Bernardo Bertolucci ist einer jener besonderen Filme, die wirklich jeden Rahmen sprengen.

Listen, Listen, Listen 30. Juli 2019

1. Die Nähe zum wahren Leben des letzten Kaisers

Auch wenn Bertoluccis wundervolle Erzählweise und einzelne Szenen (wie das Hervorholen der Grille hinter dem Thron am Ende des Films) einen oft denken lassen, man schaue einem modernen Märchen zu, muss man an dieser Stelle noch mal klarstellen: Puyi hat es wirklich gegeben, und er war tatsächlich der zwölfte und letzte Kaiser der Quing Dynastie und der letzte Kaiser in China überhaupt. Darsteller John Lone sieht dem älteren Puyi zudem durchaus ähnlich. Als Berater des Films wurde Puyis jüngerer Bruder Pu Chieh hinzugezogen sowie Li Wenda, die Puyi beim Schreiben seiner Biografie half. Nur ein recht wichtiges Detail der Geschichte wurde für das internationale Publikum angepasst: Der von Peter O’Toole gespielte schottische Lehrer Reginald Johnston sprach im richtigen Leben fließend Chinesisch – um es dem westlichen Publikum leichter zu machen, sprechen Johnston und Puyi Englisch miteinander.

Dieser Hut kostete vermutlich mehr als umgerechnet 3,50 Euro. Die Frisuren dagegen…

2. Sean Connery sollte einst Johnston spielen

Wo wir gerade bei Reginal Johnston sind: Heute kann man sich niemand anderes als Peter O’Toole in der Rolle des Gentleman-Lehres vorstellen. Wäre es nach dem Regisseur gegangen, sähe das aber anders aus: Bertolucci wollte eigentlich unbedingt Sean Connery haben, der sich jedoch so gar nicht in dieser Rolle sah. Als die beiden sich persönlich zu einem Gespräch über Der letzte Kaiser trafen, überzeugte Connery Bertolucci schließlich, anderswo zu suchen und droppte angeblich sogar schon O’Tooles Namen.

Auch in diesem Bild hat sich kein Sean Connery versteckt. Der Film wurde ohne ihn gedreht.

3. Rund 19.000 Statisten kamen zum Einsatz

Ob man das heute noch mal so machen würde? Vermutlich nicht. Aber CGI gab es eben Mitte der 1980er noch nicht: Deshalb musste Bertolucci, damit es authentisch aussieht, für einige der Szenen mehrere Tausende Statist*innen aufbringen – angeblich rund 19.000. Die wiederum mussten dann wieder in traditionelle Gewänder der Zeit gekleidet werden und ihre Haarschnitte entsprechend anpassen. Um die großen Menschenmengen zusammenzubekommen, wurden gar Soldaten der chinesischen Armee von ihren Vorgesetzten zu den Dreharbeiten geschickt. Viele von ihnen bekamen dort die Vorderseite ihres Schädels rasiert – weil das eben der historische Haarschnitt der Gefolgsleute eines Kaisers der Quing Dynastie war. Dafür gab es am Ende eine Vergütung: Rund 3,50 Dollar.

Fast 20.000 Statist*innen und ein hervorragendes Ensemble sind am Meisterwerk beteiligt.

4. Der erste internationale Produktion mit Chinas Segen seit 40 Jahren

Man ahnt es schon bei der Sache mit den Soldaten: Bertolucci und sein britisch-italienisches-chinesisches Filmteam hatten die volle Unterstützung der chinesischen Regierung – was damals seit 40 Jahren nicht mehr passiert war. Bertolucci legte der Regierung damals zwei verschiedene Filmprojekte zur Prüfung vor: Einmal Der letzte Kaiser und eine Verfilmung des in China spielenden Romans "So lebt der Mensch" von André Malraux – China entschied sich bekanntlich für Tor Nummer eins.

Sollen wir die Königin auch reinlassen? Nein, die Drehrbeiten sind wichtiger!

5. Verbotenen Stadt? Nur Queen Elizabeth II muss draußen bleiben

Der Zusammenarbeit mit dem Staat ist es auch zu verdanken, dass Der letzte Kaiser der erste Spielfilm war, der an den Originalschauplätzen der Verbotenen Stadt gedreht werden durfte. Zuvor hatte man nur einmal den Kameraleuten eines Dokumentarfilms eine Dreherlaubnis gegeben. Als Queen Elizabeth II. zur Zeit des Drehs auf Staatsbesuch war und – wie viele Staatsgäste zuvor - die Verbotene Stadt sehen wollte, wurde ihr der Besuch verweigert, da China die Vollendung der Dreharbeiten offenbar für wichtiger hielt.

DK

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