Matt Vasseur hat alles, was man sich wünschen kann im Leben – und genau an diesem Punkt gerät dieses Leben aus den Fugen. Es klingt wie ein sehr zeitgemäßer Plot für einen Psychothriller, erinnert diese Ausgangssituation doch an Park Chan-wooks jüngsten Film No Other Choice.
Ähnlich wie der Protagonist in dem noch halbwegs komödiantisch angehauchten Krimi um einen plötzlich arbeitslos gewordenen Facharbeiter in der Papierverarbeitung, der die aussichtsreichen Mitbewerber um einen neuen Posten aus dem Weg räumen möchte, geht auch Life Coach Matt Vasseur aus dem weitaus ernsthafter inszenierten Guru über Leichen, um Erfolg zu haben.
Die Menschen, die Matt Vasseur bei seinen Veranstaltungen dazu anspornt, ihr Leben zu ändern, sind ihm eigentlich schnuppe. Er braucht sie nur als Projektionsflächen – und als zahlende Kunden. Das Geschäftsmodell funktioniert bestens, bis eine staatliche Prüfung für sein Metier zur Debatte steht. Gleichzeitig nimmt sich einer seiner Zöglinge die Ratschläge Vasseurs sehr zu Herzen, und seine Partnerin beginnt zu hinterfragen, ob sie ihren Freund wirklich kennt.
Ist Vasseur also bloß ein guter Schauspieler oder ein Manipulator in allen Lebenslagen. Welche Motive treiben ihn im Innersten an? Darsteller Pierre Niney überzeugte unter Regisseur Yann Gozlan schon im Überraschungshit Black Box – einem Thriller über die vieldeutige Untersuchung eines Flugzeugunglücks. Hier spielt er einen aalglatten Karrieristen, dessen Abgründe sich vor uns auftun, als er im Rahmen einer seiner Events eine kritische Journalistin "enttarnt". Sämtliche Wesenszüge, mit denen er sie konfrontiert, scheinen auch seinen eigenen manipulativen Charakter zu beschreiben.
Und dann wäre da noch Vasseurs eigenes Idol, das ihm ständig etwas ins Ohr flüstert. Die Frage ist bloß, ob das ein Engelchen oder ein Teufelchen ist … Großartiger Thriller über die dunkle Seite der Leistungsgesellschaft.
WF