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"Monsieur Truffaut, wie haben Sie das gemacht?"

Am 6. Februar 2022 wäre François Truffaut 90 Jahre alt geworden. Die Fragen, die man dem viel zu früh Verstorbenen gerne stellen würde, werden bis heute von seinen Filmen beantwortet. Es gibt darin so viel zu entdecken.

05. Februar 2022

So intensiv wie sich François Truffaut in seinem Leben mit dem Kino auseinandersetzte – zunächst als Autor für Cahiers du Cinéma, bald als kompletter Auteur –, so sehr beschäftigt heutige Filmemacher*innen und Filmliebhaber*innen das Werk Truffauts. Er wurde am 6. Februar 1932 in Paris geboren und starb 1984 an den Auswirkungen eines Hirntumors. Leider können wir ihm also nicht persönlich zum 90. Geburtstag gratulieren, und wir können ihn auch nicht mehr selbst fragen, wie er unvergleichliche Leichtigkeit auf die Leinwand brachte, mit der er das vertrackte Leben, Leiden und Lieben der Menschen zu erzählen pflegte.

Sein erster abendfüllender Spielfilm über das Problemkind Antoine Doinel, Sie küßten und sie schlugen ihn, gilt als Beginn der Nouvelle Vague. Was darauf folgte, ist Legende. Früh zeigte sich Truffauts Meisterschaft als seinen Figuren gerecht werdender Erzähler, der den Faden der Biografie Antoines immer wieder aufgreifen sollte, etwa mit seinem 20-minütigen Antoine und Colette. Noch Ende der 1950er Jahre, im Kurzfilm Die Unverschämten, hatte Truffaut zudem sein Talent für die Verdichtung einer Handlung auf ihren emotionalen Kern unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Begleitumstände aufscheinen lassen. Hier legt er subtil den Fokus auf die sexistischen Gedanken und Handlungen einer Gruppe von Jugendlichen und die von ihnen vergötterte Bernadette. Truffaut zeigt das Kind im Manne, wie es von Konkurrenzdenken und Soldatentum bestimmt ist – und das Publikum darf sich angesichts dessen noch bestens unterhalten fühlen.

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François Truffaut hat sich nicht nur mit Meisterwerken wie Jules und Jim, Schießen Sie auf den Pianisten oder Fahrenheit 451 selbst ein Denkmal gesetzt. Als Monument der Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts ragen seine 1962 geführten Gespräche mit Alfred Hitchcock über dessen Werk heraus, die auf Deutsch unter dem Titel "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" erschienen und den Filmkritiker im Filmregisseur aufblitzen lassen. Und so wie Truffaut über die Rezeption, die Hommage und das Zitat zur eigenen Meisterschaft gelangte – in diversen Dokumentarfilmen zu seinem Leben und Schaffen lässt sich dies nachvollziehen –, so ist es als Publikum heute unsere Pflicht und unser Vergnügen, seine Filme zu schauen, sie auf uns wirken zu lassen und staunend immer wieder Neues darin zu sehen. Monsieur Truffaut, bon anniversaire – und tja, wie haben Sie das bloß gemacht?

PS: Ab April 2022 gibt es auch wieder Truffaut via ARTHAUS zu entdecken. Darüber freuen wir uns sehr. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

WF

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