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Paris Police 1900: Blick in die Abgründe des 19. Jahrhunderts

Früher war nicht alles besser: Die exzellente französische Serie erzählt in acht Folgen der ersten Staffel von antisemitischer Gewalt und rätselhaften Morden um 1900. Jetzt als Video on Demand und exklusiv bei ARTHAUS+ im Streaming.

18. Mai 2022

Die Ära der Jahrhundertwende vor den Weltkriegen mag – auf Europa bezogen – friedlicher gewesen sein als die folgenden Jahrzehnte, wahrlich angenehme Tage bereitete sie auch in diesen Gefilden den wenigsten Menschen. Die Serie Paris Police 1900 spielt in der letzten Dekade des ausgehenden 19. Jahrhunderts und erzählt somit auch von den Wurzeln der kommenden Katastrophen.

Die Aufklärung dieses Falls ist kein Zuckerschlecken © Studiocanal

Die Aufklärung dieses Falls ist kein Zuckerschlecken © Studiocanal

In Frankreich etwa blüht zu jener Zeit der Antisemitismus, und der Tod des Präsidenten Faure hinterlässt zudem ein Vakuum. Ein Loch in Machtgefüge, durch das nun der ein oder andere ambitionierte Politiker oder Aufrührer einen Blick wagt – beziehungsweise durch das er ungeniert zu schlüpfen gedenkt. Die französische Serie Paris Police 1900 knöpft sich vor allem die damaligen Umtriebe der antisemitischen Liga in der französischen Hauptstadt vor, die neben allen übrigen Intrigen im Staats- und Polizeiapparat als besonders brutale Verschwörung hervorsticht. Gerade in der Zeit der Covid-19-bedingten Conspiracy-Mythen kommt einem die prinzipielle Vorgehensweise der antisemitischen Hetzer, die auch von den Nazis praktiziert wurde, schmerzlich bekannt vor: die Vortäuschung einer jüdischen Weltverschwörung. Als Aufhänger dient der einflüssreichen Pariser Vereinigung die heute legendäre Dreyfus-Affäre, bei der es sich um den Skandal wegen eines angeblichen Verrats des Generals Alfred Dreyfus an Frankreich handelte, wobei ihn seine jüdische Herkunft zum Sündenbock prädestinierte – und sich die Anschuldigungen später als haltlos erwiesen.

Die rhetorische und physische Gewalt der Antisemiten steht also im Mittelpunkt, wobei die grandiose Ausstattung und die famose Regie uns unmittelbar in die historischen Rahmenbedingungen einführen und zugleich mit einem Kriminalfalls in den Bann ziehen, der an die Gräueltaten eines Jack the Ripper gemahnt.

Wird der/das Gute am Ende über das Verbrechen triumphieren? © Studiocanal

Wird der/das Gute am Ende über das Verbrechen triumphieren? © Studiocanal

Der Torso einer Frauenleiche wird in einem Koffer verstaut aus der Seine gefischt. Fortan beginnt ein Wettlauf der Ermittlungen durch Moral und Tugend mit dem schnellen Wachstum der machtpolitischen Verstrickungen zum undurchschaubaren Geflecht. Gibt es ein Licht am Ende es Tunnels, und wird die Wahrheit je dieses Licht erblicken? Für das Publikum entwickelt der Moloch des historisch besonders wertvollen Thrillers von Episode zu Episode immer stärkere Anziehungskraft, ja wir tauchen tief ein diese düstere Welt. Stars wie Jérémie Laheurte, Evelyne Brochu, Thibaut Evrard und Marc Babé sorgen für atemlose Spannung von der ersten bis zur achten Folge der ersten Staffel. Wir lernen: Früher war in Wirklichkeit nicht alles besser, und auch französische Serien werden keinesfalls schlechter.

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WF

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