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Bild zu Playing Nice: Gar nicht mal so nette Familiengrüße aus Cornwall

Playing Nice: Gar nicht mal so nette Familiengrüße aus Cornwall

Die Miniserie Playing Nice nach dem Roman von J. P. Delaney ist ein fieser Thriller, der vor traumhafter Kulisse mit dem Alptraum aller Eltern beginnt – und dann schnell noch fieser wird.

08. Juli 2026

Als die vier Folgen lange Miniserie Playing Nice Anfang 2025 auf ITV Premiere feierte, brach sie gleich einen Rekord innerhalb des britischen TV-Senders: Kein Drama zuvor hatte so viele Streams an einem Tag zu verzeichnen. Das Interessante dabei: Die meisten bingten die Serie in eins durch. Das Publikum liebte die Serie augenscheinlich – und widersprach damit einigen Kritiker*innen, die sie für "unrealistisch" oder gar "schlecht" hielten. Bis heute spaltet Playing Nice die Gemüter, wobei die Fans in der Überzahl sind. Und auch wenn wir einige Kritiker*innen verstehen, haben wir es geliebt, diese vier Folgen wegzubingen.

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Aber worum geht es eigentlich? Playing Nice basiert auf einer fiesen Hook, die gleich in den ersten Minuten platziert wird: Was würden Sie tun, wenn Sie erfahren, dass ihr Sohn bei der Geburt mit einem anderen Jungen vertauscht worden wäre? Dieser Alptraum aller Eltern widerfährt den Paaren Pete Riley und Maddie Wilson und Miles und Lucy Lambert.

James Norton, der auch Produzent der Serie ist, spielt den Ex-Journalisten und jetzt Stay-at-Home-Dad Pete, Niamh Algar die erfolgreiche Köchin und Restaurantbesitzerin Maddie. Ihr Kind Theo, das sie seit zwei Jahren aufziehen, ist in Wahrheit also der Sohn der reichen Lamberts, deren David wiederum ist der Sohn von Pete und Maddie. Jessica Brown Findlay spielt die Rolle der undurchsichtigen Lucy Lambert, James McArdle ist der schnell etwas unheimliche Miles.

Jessica Brown Findlay spielt die Rolle der undurchsichtigen Lucy Lambert, James McArdle ist der schnell etwas unheimliche Miles. © Arthaus / Studiocanal

Jessica Brown Findlay spielt die Rolle der undurchsichtigen Lucy Lambert, James McArdle ist der schnell etwas unheimliche Miles. © Arthaus / Studiocanal

Norton sagte in einem Interview vor dem Serien-Start: "Die Hook dieser Story macht sie so besonders. Wenn man sie den Leuten erklärt, sagen sie: ‚Was! Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das wäre!‘. Ich glaube nicht, dass man unbedingt Eltern sein muss, um Empathie zu empfinden. Ich meine, wenn ich herausfinden würde, dass meine Eltern nicht meine leiblichen Eltern sind – egal in welchem Alter –, wäre das schrecklich, traumatisch und verwirrend. Zu erfahren, dass das eigene Kind nicht das eigene ist, ist meiner Meinung nach also ein ziemlich universelles und nachvollziehbares Trauma, das sich die Menschen gut vorstellen können."

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Playing Nice platziert dieses Drama in der wunderschönen Kulisse von Cornwall. Immer wieder sieht man Postkarten-artige Aufnahmen vom Meer und von den Steilküsten – und es braucht nicht lange, bis man merkt, dass der Wellengang die Gemütslage der Serie spiegelt. Auch die Häuser und Wohnungen sind Bilderbuch-Mittelklasse oder im Falle der Lamberts der feuchte Traum eines jeden "Architectural Digest"-Abonnenten.

Die Handlung dagegen ist durchgehend emotional hässlich, durchtrieben und böse. Die Paare beschließen zunächst, die Kinder zu behalten, die sie von Anfang an großgezogen haben. Aber man will, dass Theo und David Zeit miteinander verbringen und vielleicht irgendwann wie Brüder miteinander leben. Und das, obwohl Pete und Maddie schon beim ersten Überraschungsbesuch spüren, dass Miles so einige Red Flags in der Tasche hat.

James Norton ist auch Produzent der Serie. © Arthaus / Studiocanal

James Norton ist auch Produzent der Serie. © Arthaus / Studiocanal

Schon nach der ersten Folge merkt man, dass man die Serie nicht als klassisches Drama sehen sollte. Gleiches gilt für den Roman von J. P. Delaney. Den fand man meistens gut platziert als Taschenbuch auf den Thriller-Tischen, mit einem dieser unheilvoll aussehenden Cover, bei denen man gleich weiß, was man bekommt: gute, böse Unterhaltung, die den Strandbesuch zum Nervenkitzel macht oder die vierstündige Zugfahrt im Rausch der Spannung verfliegen lässt.

Und genau wie diese Bücher funktioniert auch die Serie unter der Regie von Kate Hewitt: Die Charaktere sind stets ein wenig überzeichnet, die Handlung rast voran, statt übermäßiger Empathie gibt es eher ein sadistisches Storytelling und mehr als einen Plot-Twist, der Entertainment vor Logik setzt. Was hier wie ein Diss klingt, meinen wir aber eher als Kompliment: Sobald man die erste Folge durchhat, will man auch die weiteren drei sehen, will wissen, wie durchtrieben Miles noch sein kann, der von James McArdle mit diabolischer Freude gespielt wird. Man leidet mit Pete und Maddie, die schnell als schlechte Eltern diskreditiert werden, weiß irgendwann aber auch nicht mehr, ob man sie in den Arm nehmen oder schütteln will.

Dieses Filmstill trifft die Handlung sehr gut. © Arthaus / Studiocanal

Dieses Filmstill trifft die Handlung sehr gut. © Arthaus / Studiocanal

Fast atemlos binget man also durch die gut vier Stunden, die in der letzten Folge zum Finale in einen Gerichtssaal führen, und wenn man am Ende den letzten Plot-Twist verkraftet hat, und endlich Luft holen kann – genau dann kommen plötzlich die Fragen. Wie hätte man selbst entschieden? Was macht Elternschaft aus? Gemeinsame Gene oder ein gemeinsames Leben? Wie wirkt sich postnatale Depressionen aus? Wie verarbeiten Kinder und Erwachsene Traumata? Wie lange glaubt man an das Gute in einem bösen Menschen?

Plötzlich wird es in den eigenen Gedanken eben doch noch so deep und aufwühlend, wie es auch die Küste von Cornwall sein kann. Und dann muss man schon anerkennend feststellen: Das schafft eben nicht jeder Thriller, den man auf dem Weg zum Zug noch eben im Bahnhof gekauft hat.

Playing Nice ist ab sofort digital erhältlich.

DK

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