Nicht nur Technik-Freaks, Science-Fiction-Nerds und Action-Film-Fans der 1980er und 1990er-Jahre sollte sich den 27. August 2026 längst rot im Kalender angestrichen haben. Denn die Utopie einer jeden fiktionalen Zeitreise ist Relevanz zu einer Zeit, die während ihrer Produktion noch in ferner Zukunft liegt. Diese Zukunft ist gekommen, wir nennen sie Gegenwart, und in dieser Gegenwart erscheint uns Terminator 2 – Tag der Abrechnung, John Camerons legendäre Fortsetzung seines Blockbusters aus dem Jahr 1984, nicht wie ein Relikt der Vergangenheit, schon gar nicht wie eines von 1991. Die anstehende Jubiläumsaufführung im Kino – 4K-restauriert und in Real 3D – lässt ihn jünger denn je erscheinen.
Der damals wahnsinnig beeindruckende und neue Morphing-Spezialeffekt fasziniert bis heute, das Tempo der Geschichte und die Wucht der Actionszenen kann sich mit seinen zeitgenössischen Genre-Schwestern durchaus messen. Die Präsenz von Arnold Schwarzenegger als T-800 – zum 35-jährigen Jubiläum reichen definitiv weniger Worte, um sie zu beschreiben, als Arnie selbst im Film verliert. Was die US-Politik angeht, hatte er sich mit der ikonischen Performance schon um seinen Gouverneursposten beworben. Aber was heutzutage wirklich ins Auge sticht: Die Story um die Künstliche Intelligenz Skynet, die sich derart weit entwickelt hat, dass sie per Zeitreise in die Geschichte der Menschheit eingreifen möchte, ist topaktuell.
Okay, der Kampf Mensch gegen Maschine hat eigentlich gerade erst so richtig begonnen. Wenn es um reine Rechenleistung geht, ist das menschliche Gehirn längst unterlegen, siehe die Kräfteverhältnisse zwischen Stockfish und der Weltspitze aus Fleisch und Blut im Schach. Jetzt wachsen allmählich auch die körperlichen Fähigkeiten der Roboter, zuletzt hat ein chinesischer Humanoide den 100-Meter-Weltrekord von Usain Bolt unterboten. Was wird er bei den nächsten Olympischen Spielen zur gedopten Konkurrenz sagen? Hasta la vista, baby! Zumindest wenn er auch über Humor verfügt (beziehungsweise seine Programmierer*innen).
Im Epilog von Terminator 2 – Tag der Abrechnung philosophiert die von Linda Hamilton gespielte Sarah Connor: "Die unbekannte Zukunft rollt auf uns zu. Und zum ersten Mal sehe ich ihr mit einem Gefühl der Hoffnung entgegen. Denn wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des Lebens schätzen lernen kann, dann können wir es vielleicht auch."
Die genialen T2-Plottwists – aus dem Bösewicht des Originals den Helden des Sequels zu machen und aus dem schier unbesiegbaren Monster den aufopfernd kämpfenden Underdog – haben auch deswegen die Zeit überdauert, weil sie an die Emotionen des Publikums appellieren, sein empathisches Vermögen anzapfen, während die Action uns die Zeit vertreibt, durch die gereist wird. Die Standing Ovations in zahlreichen Kinosälen damals waren kein Höflichkeitsapplaus sondern Ausdruck von Dankbarkeit, einem historischen Ereignis beigewohnt zu haben.
Dieses Erweckungserlebnis lässt sich nicht wiederholen. Aber eine Ahnung dessen, was Terminator 2 – Tag der Abrechnung damals in vielen Zuschauer*innen ausgelöst hat und welche Wahrheiten über das Wesen der menschlichen Gesellschaft noch in seinen hyperphantastischen Momenten steckt, sollte sich auch einem jüngeren Publikum erschließen. Das wiederum seine eigene Sicht auf T2 haben dürfte. Hauptsache, man gönnt sich das Spektakel im Kino. James Cameron: "T2 wurde für das Kino gedreht, und unsere mit viel Liebe erstellte 3D-Fassung, die nun wieder auf die große Leinwand kommt, ist die absolut beste Art, den Film zu sehen. Ich glaube, nach 35 Jahren kann man getrost Spoiler verraten, also SPOILER-ALARM: Die Guten gewinnen gegen die KI-Superintelligenz! Und vielleicht ist das eine Botschaft der Hoffnung, die wir alle in diesem Sommer gut gebrauchen können."
Die Hoffnung – sie stirbt zuletzt. Zumindest im Kino, der schönsten Symbiose von Realität und Projektion, von Mensch und Maschine …
WF