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The Donnie Darko Files III: Vom Flop zum Kultfilm

Die Entstehung von Richard Kellys Regiedebüt Donnie Darko ist reich an unwahrscheinlichen Geschichten, schicksalhaften Fügungen und erstaunlichen Begegnungen. Wir haben uns zur Einstimmung auf die Aufführung des Films in der Reihe "Best of Cinema" in die Produktionsgeschichte eingegraben. Heute erzählen wir, wie Donnie Darko erst zum Flop und dann schleichend zum Kultfilm wurde.

05. März 2024

Heute können Sie mit vielen spannenden Menschen über Donnie Darko sprechen, weil ihn sehr viele Menschen gesehen haben. Im Erscheinungsjahr 2001 war es allerdings zunächst schwierig, ein Kino zu finden, in dem der Film lief. Hatte man in diesem Text sonst oft das Gefühl, das Schicksal meine es gut mit Richard Kelly und Donnie Darko, wendete sich nun das Blatt. Sean McKittrick sagte schon über die Premiere auf dem Sundance Film Festival im Januar 2001: "That's where the shit hit the fan." Was wir hier mal nicht übersetzen. "Dabei waren wir eigentlich das 'Hot Ticket'. Wir standen auf der Liste der Filme, die man angeblich unbedingt auf dem Festival sehen sollte. Wir lernten erst später, dass diese Listen eher gefürchtet sind." McKittrick sah außerdem etwas, das man im Rückblick fast als diabolisches Omen sehen konnte: "Harvey Weinstein tauchte bei der Premiere auf und hatte aus irgendeinem Grund eine Crew-Mütze von Donnie Darko auf." Daraufhin hätten viel Verleihfirmen den Saal verlassen, meint McKittrick. Richard Kelly erinnert sich ähnlich schmerzhaft an Sundance: "Mein Film kam überhaupt nicht gut an. Ehrlich gesagt war das eine Katastrophe für mich."

Außerdem spürte Kelly, dass die Stimmung im ganzen Land nicht gerade für einen Film wie Donnie Darko gemacht war. Ein Kritiker wählte zum Beispiel die Headline: "Story of teen trouble has scary Columbine resonance." Der Amoklauf an der Columbine High School zwei Jahre zuvor hatte Spuren hinterlassen – und viele fühlten sich durch Donnies Schuss am Ende des Films an die grausamen TV-Bilder erinnert. Wobei Kelly den Eindruck hatte: "Sie nahmen das als Vorwand, weil sie den Film nicht verstanden haben, zu lang fanden oder ihm kein großes Publikum zutrauten." McKittrick erlebte auch noch anderes Feedback: "Viele Verleiher wollten, dass wir Themen wie Zeitreisen oder Donnies Psychosen rausschneiden und aus Frank 'Stabby Frank' machen, der durch die Stadt streift und Kids umbringt. Aber so war der Film ja nie konzipiert."

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Das Problem nach Sundance war: "Damals lief es so: Wenn jemand auf dem Festival deinen Film kauft, war alles gut. Wenn nicht, hattest du beschädigte Ware." Um die Kritikpunkte, die man einsah und beeinflussen konnte, anzugehen, beschloss das Team schließlich, den Film noch einmal anders zu schneiden. Viele Verleihfirmen sagten, Donnie Darko sei mit einer Spielzeit von zwei Stunden und 15 Minuten zu lang. Cutter Sam Bauer sagte: "Wir begannen damit, den Film zu verdichten. Das hatte zur Folge, dass wir die Plotpunkte näher zueinander brachten." Kelly gefiel dieser Prozess nicht so richtig: "Wir mussten alles Spielerische beschneiden und ließen das Standard-Zeug drin." Hier liegt vielleicht begründet, warum es relativ zeitnah einen Director's Cut von Kelly gab.

McKittrick erinnert sich: "Die einzige Firma, die noch Interesse hatte, war Newmarket." Aaron Ryder von Newmarket glaubte an den Film und beriet das Team beim Schneideprozess. Weil andere bei Newmarket schon einen Direct-to-Video-Release für den Film sahen, organisierten Kelly und sein Team ein weiteres Screening für die Newmarket-Bosse und spielten einen Trumpf aus. "Wir trafen eine sehr strategische Entscheidung", sagt Kelly. "Wir luden zu dem Screening auch Christopher Nolan und seine Frau Emma Thomas ein." Die Verbindung kam über Aaron Ryder zustande, der mit ihnen "Memento" bei Newmarket herausgebracht hatte. Der Plan ging auf. Als der Film vorbei war, gab Nolan den Executives Chris Ball und Will Tyrer den fachmännischen Rat: "Ihr solltet das machen."

Das war allerdings immer noch nicht das heiß ersehnte Happy End. Donnie Darko kam schließlich am 26. Oktober in die US-Kinos. Sechs Wochen nach den 9/11-Anschlägen. Mit einem Trailer, in dem ein Flugzeugtriebwerk in ein Wohnhaus kracht. Kelly musste resigniert feststellen: "Mein Film passte nicht in dieses emotionale, traumatische Kapitel der US-Geschichte." Als Donnie Darko im April 2002 zum letzten Mal in den US-Kinos lief, hatte er nur knapp eine halbe Million Dollar eingespielt.

Dass Donnie Darko doch noch zum Kinohit wurde, lag vor allem an dem großen Erfolg in UK. Dort kam er im Oktober 2002 in die Kinos, begleitet von einem neugierigen Raunen im Internet und in diversen Medien. Auf einmal war dieser seltsame, dichte Film wieder das "Hot Ticket" – und diesmal richtig. Die Briten pilgerten ins Kino und in Deutschland, wo er gar nicht im Kino lief, fand man Donnie Darko in den Videotheken im wichtigsten aller Regale – unter: "Empfehlungen der Mitarbeiter". Ein beständiger und nachhaltiger Hype, der seitdem nie wirklich abgeklungen ist.

Donnie Darko wird am 5. März in der Reihe "Best of Cinema" in ausgewählten Kinos in Deutschland gezeigt. Alle weiteren Informationen gibt’s hier.

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