These facts go to 11: Backstage-Wissen zu This Is Spinal Tap

Da uns die Kultklassiker gerade besonders gut tun, widmen wir uns in – natürlich – 11 Punkten diesem Meisterwerk aus dem Jahr 1984. Mit Gastauftritten von Ozzy Osbourne, Tom Petty, U2, Jamie Lee Curtis und The Folksmen.

Listen, Listen, Listen 16. April 2020

1. Die 11 ist amtlich bestätigt

Es ist natürlich diese Szene, die sich ins Hirn brennt, wenn man den Film zum ersten Mal sieht: Lead Gitarrist Nigel Tufnel (Christopher Guest) zeigt dem Regisseur der vermeintlichen Doku Marty DiBergi (gespielt von Rob Reiner höchst selbst) das Band-Equipment und stellt klar, dass die Regler an ihren Verstärkern nicht bis 10 gehen, sondern bis 11. Der Gag hat seitdem ein erstaunliches Eigenleben entwickelt. So ist This Is Spinal Tap der einzige Film, der in der renommierten IMDb die Höchstnote 11 zulässt. Alle anderen enden bei 10. Rockstar Eddi Van Halen wiederum ließ sich eigens Equipment anfertigen, das ebenfalls auf 11 endet. Auch im Technikbereich taucht die 11 immer mal wieder an Stellen auf, an denen man sie nicht erwartet: Warum geht zum Beispiel die Lautstärke des Webplayers der BBC und die des Sounddecks beim Tesla Model S bis 11? Tja. Sicher kein Zufall. Nigel hat das übrigens schon damals kommen sehen. Er sagt im Film: "This has been ripped off big-time."

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2. Ozzy Osbourne dachte, der Film sei wirklich eine Dokumentation

Als This Is Spinal Tap 1984 in die Kinos kam, glaubten viele, es sei eine echte Dokumentation. Prominentestes Beispiel: Ozzy Osbourne von Black Sabbath. Als man ihn aufklärte, sagte der Prince of Darkness: "Ich hätte es wissen müssen." Aber er meinte auch: "Im Gegensatz zu den Dingen, die wir so machten, wirkten sie recht handzahm." Stimmt, wie man hier sieht:

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3. Jede Band hat ihren Spinal Tap-Moment

Rob Reiner erzählte dem Magazin "Newsweek" 2010: "Fast alle haben gedacht, das sei echt und fragten mich, warum ich eine Doku über eine Band gemacht habe, die keiner kennt." Den Grund, warum vor allem Musiker*innen drauf reinfielen, sah Reiner zurecht an der Einschätzung, dass viele Szenen "sehr nah an der Realität" seien. Das gilt vor allem für die Szene, in der sich die Band im Backstage verläuft. Das passiert durchaus oft. Das wird jeder bezeugen, der wie der Autor dieser Zeilen, mal versucht hat im Backstage der Berliner Mercedes Benz Arena seine Interviewpartner Muse wiederzufinden. Oder der wie Stuart Murdoch von Belle & Sebastian in der Oper von Sydney im Backstage verloren ging. Weitere namhafte Stars die ähnliches berichten sind: Blink-182, Robert Plant, Jimmy Page, Eddie Van Halen, Eddie Vedder und Dee Snider. Historisches Vorbild der Szene war übrigens Tom Petty, der mal mit seinen Heartbreakers bekifft vom Weg abkam und statt auf der Bühne auf einem Tennisplatz landete.

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4. Sting sieht viel Liebe und Wahrheit in dem Film

Die Behauptung, er habe den Film über 50 Mal gesehen, sei zwar eine Übertreibung, aber Sting gibt zu, dass er ihn fast auswendig kenne. Das sagte Sting beim 35. Jubiläum von This Is Spinal Tap, das auf dem Tribeca Film Festival gefeiert wurde. Der Film trage nicht nur viel Wahrheit sondern auch viel Liebe zu der Welt, die er zeigt, in sich, so Sting. In einem anderen Interview sagte er einmal, er wisse immer nicht, ob er in einigen Szenen lachen oder weinen solle.

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5. Rob Reiner wählte seine Rolle aus Style-Gründen

Der Charakter des Marty DiBergi ist mittlerweile ebenso Kult wie die Bandmitglieder. Dabei war ursprünglich gar nicht geplant, dass Rob Reiner die Rolle des knochentrocken fragenden Doku-Regisseurs spielen soll. Eigentlich sah er sich als weiteres Bandmitglied, bis jemand Reiner sagte, er sähe in den damals obligatorischen engen Spandex-Hosen fürchterlich aus.

© Studiocanal

6. Jamie Lee Curtis fand ihren Ehemann bei Spinal Tap

Bei Christopher Guest lag die Sache anders: Seine Figur Nigel sah in Skelettshirts, engen Hosen und mit langen Haaren ziemlich sweet aus. Das fand auch Jamie Lee Curtis. Sie sah damals ein Bandfoto von Spinal Tap im "Rolling Stone", als sie mit ihrer Freundin Debra Hill (Co-Produzentin und -Autorin von Halloween) durch eine Ausgabe blätterte, zeigte auf Christopher/Nigel und sagte: "Den werde ich mal heiraten." Debra kannte Guest flüchtig und vermittelte. So nahm eine Ehe ihren Anfang, die erstaunlicherweise bis heute gehalten hat. Für das Magazin von Oprah hat Curtis die Story hier aufgeschrieben.

© Studiocanal

7. The Edge von U2 schaut den Film regelmäßig als Mahnung

Dieser Punkt ist natürlich eine Steilvorlage für alle U2-Hasser. Als U2 in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen wurden, sagte Gitarrist The Edge in seiner Rede: "Es ist sehr schwer, relevant zu bleiben und keine Parodie deiner selbst zu werden. Wenn Sie jemals Spinal Tap gesehen haben, wissen Sie, wie einfach es ist, das zu parodieren, was wir alle tun. Als ich den Film das erste Mal gesehen habe, habe ich nicht gelacht. Ich habe geweint. Weil ich mich in vielen dieser Szenen wiedergefunden habe."

© Arthaus

8. Die Hauptdarsteller wollten, dass der komplette Cast Autor*innen-Credits bekommen

Reiner und die drei "Bandmitglieder" McKean, Guest und Shearer setzten sich dafür ein, dass alle Darsteller*innen einen Credit für das Drehbuch bekommen, weil sie ja alle quasi in Echtzeit dran mitgewirkt hätten – was leider von der Writers Guild of America abgelehnt wurde. Hintergrund dabei: Bis auf ein paar Schlagworte und ein Vier-Seiten-Treatment waren alle Dialoge improvisiert, was dazu führte, dass am Ende über 100 Stunden Dialoge zur Verfügung standen.

© Arthaus

9. Die Fiktion wurde gleich mehrfach Realität

Spinal Tap wurden nach dem großen Erfolg, der spätestens mit dem Heimkino-Release kam, zu einer richtigen Band. Sie veröffentlichten weitere Alben, gaben Interviews "in character" und spielten mehrere große Konzerte. Legendär ist vor allem der Auftritt beim größten Festival Europas: dem Glastonbury. Dort bespielten sie die Hauptbühne, nur wenige Kilometer von jenem Wahrzeichen entfernt, das auch einen "kleinen" Auftritt im Film und seine eigene Hymne hat: Stonehenge. Sehr treffend ist auch der User-Kommentar unter dem Live-Video: "As a fake band they are more real then most artists nowdays."

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10. Die Fake-Rock-Band hat noch ein Fake-Folk-Nebenprojekt

Für die amerikanische Comedy-Institution "Saturday Night Live" gründeten McKean, Guest und Shearer schon 1984 für eine Episode die Fake-Folk-Band The Folksmen. Und wie schon bei Spinal Tap klang das ziemlich professionell. Später kehrten sie für "SNL" hin und wieder in diese Rollen zurück, zum Beispiel in dieser kleinen Band-Doku:

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11. This is Spinal Tap ist offiziell amerikanisches Kulturgut

Seit Winter 2002 ist This is Spinal Tap von höchster Stelle als amerikanisches Kulturgut anerkannt: Da wurde der Film aufgenommen in das "National Film Registry" der "Library of Congress", was ungefähr die höchste Ehre ist, die ein Film in Amerika erlangen kann. Einmal in dieser Liste wird die LoC alles dafür tun, dass ein Film auf alle Zeiten erhalten wird. Außerdem, so sagte es der damalige LoC-Bibliothekar James H. Billington sei eine Auflistung "die Anerkennung der kulturellen und historischen Bedeutung für den amerikanischen Film."

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DK

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