Jean-Pierre Melville

Biographie
Filmografie

Der Meister der Unterwelt

Jean-Pierre Melvilles beeindruckendes Oeuvre ist geprägt von Verbrechen und Betrug, Arbeit und Alltag, Freundschaft und der Stadt als Handlungsort. Seine Filme sind dunkel und konfus, folgen ihrer eigenen Moral und erzählen schicksalhafte Geschichten. Melville prägte nachhaltig den französischen Film und wird als Vorreiter der Nouvelle Vague gehandelt. International anerkannt gilt er als einer der angesehensten Regisseure der Filmgeschichte.

1917 als Jean-Pierre Grumbach in Paris geboren, ist die Biografie des späteren Filmemachers durchzogen von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Er zählte zu den Soldaten, die im Zuge der Operation Dynamo aus dem durch die Nationalsozialisten belagerten Dünkirchen gerettet werden können. Er schließt sich in Folge dem französischen Widerstand an und nimmt dort den Namen des Schriftstellers Melville an.

Seine Filmkarriere beginnt nach Kriegsende 1946 mit dem Kurzfilm 24 Stunden im Leben eines Clowns, in dem der leidenschaftliche Zirkusbesucher Melville dem Clown Béby folgt. Zwei Jahre später legt er mit Das Schweigen des Meeres (1947) seinen ersten Langspielfilm vor. Der Kriegsfilm spielt im besetzten Frankreich des Jahres 1941. Im Zentrum stehen persönliche Konflikte, die filigran zu einem Kammerspiel verknüpft werden. Melville arbeitet hier erstmals mit dem Kameramann Henri Decaë zusammen, der ihm auch einige Jahre später bei den Dreharbeiten zu Die schrecklichen Kinder (1950) zur Seite steht.
Melville war ein ausgeprägter Cineast, dessen große Leidenschaft dem US-amerikanischen Kino vor dem Zweiten Weltkrieg galt. Das französische Kino hingegen beindruckte ihn wenig. Die Huldigung des amerikanischen Film Noir sollte sein späteres Werk prägen und ihm zu seiner eigenen Stimme verhelfen.
Nachdem Melville 1959 mit Zwei Männer in Manhattan, eine Hommage an die Stadt New York, seinen ersten und letzten Film in den USA verwirklicht, adaptiert er, zurück in Frankreich, den Roman „Léon Morin“ für die große Leinwand. Während sich hinter der Kamera von Eva und der Priester (1961) mit Henri Decaë ein alter Bekannter befindet, arbeitet Melville hier erstmals mit Jean-Paul Belmondo als Hauptdarsteller zusammen. Diesen hatte er bei den Dreharbeiten zu Jean-Luc Godards Außer Atem (1960) kennengelernt.

1963 dreht Jean-Pierre Melville mit Der Teufel mit der weißen Weste seinen international erfolgreichsten Film. Jean-Paul Belmondo und Serge Reggiani spielen die Hauptrollen in diesem Klassiker des französischen Gangsterfilms, in dem Melville eine ausgezeichnete Milieu- und Charakterstudie über Loyalität in den zwielichtigen Kreisen der Unterwelt abliefert.
Im folgenden Jahr dreht Melville seinen wohl berühmtesten Film, den klassischen wie stilbildenden Gangsterfilm Der eiskalte Engel (1967) mit Alain Delon in der Rolle des skrupellosen Killers.

In Armee im Schatten, einer Romanadaption nach Joseph Kessel, verarbeitet Melville 1969 seine eigenen Erlebnisse als Mitglied der Résistance. Passend und eingängig begleitet wird seine filmische Inszenierung durch die Musik von Éric Demarsan, der dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird und von Melville auch für dessen nächstes Filmprojekt, Vier im roten Kreis aus dem Jahr 1970, engagiert wird. Mit seiner letzten Regiearbeit Der Chef (1972), liefert Jean-Pierre Melville abermals einen großartigen Gangsterfilm um einen präzise geplanten Bankraub. Eine explosive, aggressive und gewalttätige Erzählung in deren Zentrum die französischen Schauspielgrößen Alain Delon und Catherine Deneuve als eiskalter Todesengel ihr Können unter Beweis stellen.

Der Chef (1972)
Vier im roten Kreis (1970)
Armee im Schatten (1969)
Der eiskalte Engel (1967)
Der zweite Atem (1966)
Die Millionen eines Gehetzten (1963)
Der Teufel mit der weißen Weste (1963)
Eva und der Priester (1961)
Zwei Männer in Manhattan (1959)
Drei Uhr nachts (1956)
Und keine blieb verschont (1953)
Die schrecklichen Kinder (1950)
Das Schweigen des Meeres (1949)
24 Stunden im Leben eines Clowns (Kurzfilm) (1946)

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