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Event-Screening von Persepolis in 4K in Berlin am 9. Dezember

Die 4K-Restauration von Marjane Satrapis Persepolis wird am 9. Dezember 2023 im Delphi Filmpalast gezeigt. Bei dem Event-Screening wird auch Synchronsprecherin Jasmin Tabatabai anwesend sein, die einen sehr persönlichen Bezug zum Film hat.

28. November 2023

Persepolis ist nicht nur ein politischer Animationsfilm nach der gleichnamigen Graphic Novel von Marjane Satrapi. Die 1969 im Iran geborene Satrapi erzählt die Geschichte ihres Erwachsenwerdens darin recht schonungslos. Es ist der Versuch, eben nicht allzu schleierhaft und autofiktional zu werden bei der Fiktionalisierung des eigenen Lebens. Das vorwitzige Kind, das sie da porträtiert, und das sich unter den herrschenden Bedingungen nach der islamischen Revolution zu einer kämpferischen Frau entwickelt, ist gerade deswegen so sympathisch, weil diese Marjane eben auch ein paar kleine menschliche Makel hat (und dass sie Iron Maiden für Punk hält, ist natürlich auch ein wundervoller Fingerzeig darauf, was es bedeutet, sich die Welt nach eigenen Maßstäben anzueignen).

"Na, dann schau mir verdammt noch mal nicht auf den Hintern!"

Satrapis persönliche Perspektive, die sie in schlichten aber aussagestarken Schwarzweißbildern zu Papier brachte und mit Co-Regisseur Vincent Paronnaud 2007 eigenhändig fürs Kino adaptierte, lässt sich dabei nicht trennen von den gesellschaftlichen Umwälzungen nach dem Sturz des Schah von Persien und seines autokratischen Regimes, das 1979 durch die Herrschaft des Ayatollah Khomeini abgelöst wurde. Der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak spielte ebenfalls eine wichtige Rolle für sie und ihre Familie. Dieser Krieg führte dazu, dass Satrapi für eine Weile nach Wien geschickt wurde, was ihren Blick auf die Welt und die eigene Freiheit noch einmal veränderte. Viele Szenen im Film haben im Kontext des noch immer laufenden Kampfes der iranischen Frauen gegen das Mullah-Regime eine neue Aktualität gewonnen. Zum Beispiel, als Satrapis Alter Ego im Wald joggt und von einem Wächter angeblafft wird, der ihre engen Hosen unanständig findet. In einem Interview mit der SZ sagte sie 2021 dazu: "Das ist wirklich genauso passiert! Da sagt der: Ich kann deinen Hintern sehen. ‚Na, dann schau mir verdammt noch mal nicht auf den Hintern, sondern sieh woanders hin, was fällt dir eigentlich ein!‘ Was soll man denn da sonst drauf antworten?"

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Eine persönliche Verbindung

Schauspielerin und Synchronsprecherin Jasmin Tabatabai, die in der deutschen Fassung Marjane Satrapis Alter Ego eine Stimme gibt, hat eine sehr persönliche Verbindung zu Persepolis. Ihr Vater ist Iraner, ihre Mutter Deutsche. Jasmin wurde in Teheran geboren und lebte bis zu ihrem zwölften Lebensjahr in der iranischen Hauptstadt, wo sie die Deutsche Schule Teheran besuchte. Sie sagt im Interview zum Presseheft von Persepolis: "Als ich den Comic vor ein paar Jahren entdeckt habe, war das wirklich eklatant. Marjane ist ja 1969 geboren, ich 1967 – viele Bilder von ihr entsprechen den Erinnerungen in mir. Ich habe den Comic schon damals ganz vielen Leuten hier geschenkt, weil ich immer gesagt habe: wenn ihr wirklich etwas über Iran erfahren wollt oder Iraner besser kennen lernen wollt, so wie sie wirklich sind, dann müsst ihr das lesen. Marjane Satrapis Bücher sind für mich auch weiterhin die beste Darstellung des iranischen Volkes und der iranischen Seele, die ich derzeit kenne."

Ihr habe vor allem gefallen, dass Satrapis Graphic Novel und auch der Film den persischen Humor feiern. "Mein Lieblingscomic ist ja Teil 3, 'Sticheleien'. Da unterhalten sich die iranischen Frauen über die Männer. Das ist so unglaublich lustig, gerade, wenn man Iraner kennt. Den Humor haben übrigens alle Iraner, ein – was die wenigsten wissen – unglaublich lustiges Volk."

Ganz bestimmt werden wir am 9. Dezember im Delphi Filmpalast in Berlin noch weitere persönliche Geschichten von Jasmin Tabatabai über diesen Film hören. Sie wird nämlich beim Event-Screening von Persepolis in 4K dabei sein. Einlass ist um 15.30 Uhr, der Beginn um 16.30 Uhr. Das Gespräch mit Jasmin Tabatabai wird moderiert von Shila Behjat und findet im Anschluss der Vorführung statt. Die Tickets für das Event sind ab sofort hier erhältlich.

WF, DK

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Bild zu Persepolis: Geschichte unverschleiert

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