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Filmtipp: Frieden, Liebe und Death Metal

Das empathische Drama um zwei Überlebende der Bataclan-Attentate gibt es ab sofort als VoD. Wir erklären, warum man diesen Film sehen sollte – und lassen Cast und Regie zu Wort kommen.

28. Februar 2023

Gut sieben Jahre nach den Terrorangriffen in Paris am 13. November 2015 kamen im letzen Jahre die ersten Filme in die Kinos, die sich dieser Nacht widmen. Während der Regisseur Cédric Jimenez in November die Jagd der Terrorfahnder*innen nach den Drahtziehern und Tätern der Terrorangriffe in Form eines atemlosen Thrillers inszenierte, ist Frieden, Liebe und Death Metal von Isaki Lacuesta ein empathisches Drama über Liebe und Trauma.

Der Film, der ab Donnerstag endlich als VoD zu sehen ist, erzählt die Geschichte des Pärchens Céline (Noémie Merlant, die man aus Portrait einer jungen Frau in Flammen kennen dürfte) und Ramón (Nahuel Pérez Biscayart), die am 13. November im Bataclan auf dem Konzert waren und überlebten. Der in Barcelona lebende Ramón González schrieb seine Erfahrungen im Buch Frieden, Liebe und Death Metal nieder, dessen Titel Bezug nimmt auf ein Album der Band, die an jenem Abend dort spielte: die Eagles of Death Metal. Lacuestas Film trägt nun auch diesen Titel, nachdem er bei der Berlinale 2022 noch unter Un año, una noche – Ein Jahr, eine Nacht lief.

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Als wir die beiden Hauptdarsteller:innen und den Regisseur damals zum Interview trafen (das man hier komplett lesen kann), erfuhren wir viel über die Tücken der Dreharbeiten, die so ein persönliches Thema mit sich bringt. Isaki Lacuesta gab sogar zu, den Film erst gar nicht machen zu wollen. "Es war in diesem Fall nicht so, dass ich die Geschichte der beiden unbedingt erzählen wollte. Die Geschichte kam eher zu mir. Der Produzent Ramón Campos ist ein guter Freund von mir. Wir haben für das spanische Fernsehen unter anderem eine Dokumentation über den Terror der ETA gemacht. Er war am Tag der Anschläge mit seiner Familie in Paris und hatte einen direkten Bezug. Wir sprachen viel darüber und irgendwann erzählte er mir von Ramón González‘ Buch und dass er es gerne verfilmen würde. Ich war, nun ja, skeptisch. Ich fragte mich, ob das nicht noch zu früh sei. Und was man überhaupt noch darüber erzählten sollte, weil man vieles ja schon aus den Medien wusste. Aber dann las ich ‚Frieden, Liebe und Death Metal‘ und erfuhr viele Dinge, die ich eben nicht aus den Dokus oder Zeitungs-Artikeln kannte. Da war die Sache für mich klar."

Auch Noémie Merlant erlebte die Angriffe sehr nah, wie sie uns erzählte: "Ich war zuhause bei mir im 12. Arrondissement von Paris. Was gar nicht so weit entfernt ist vom Bataclan. Wie sehr viele andere habe ich zunächst mit Unverständnis reagiert. Und mit großem Schrecken. Ich hatte Angst, da ich nicht wusste, ob meine Familie oder meine Freunde vielleicht unter den Opfern waren. Das sind schließlich Orte, an denen wir oft waren. Ich war erst zwei Tage zuvor in der Bar Le Carillon, das an diesem Abend ein Ziel war."

Der Film entstand in direkter Zusammenarbeit mit den realen Vorbildern des Paares und im Rahmen eines ausführlichen Recherche-Prozesses, bei dem alle Beteiligten Fotos oder Akten einsehen konnten, wenn sie es wollten. Auch der Einsatzleiter der Polizei und Überlebende sprachen mit Regie und Cast. Dieses beinahe journalistische Rückgrat und das perfekte Zusammenspiel von Noémie Merlant und Nahuel Pérez Biscayart sorgt dafür, dass dieser Film so intensiv geraten ist. Man sieht die Gewalt nicht unmittelbar – aber man ist ganz nah dran an Céline und Ramón, an ihrem Trauma und der Art, wie sie damit umgehen oder es verdrängen. Nahuel erzählte uns: "Ramón Gonzalez, der Autor des Buches, war sehr großzügig und hat sich viel Zeit für uns genommen. Ebenso wie seine Partnerin Céline. Wir haben uns unterhalten, ich bin mit ihnen in Barcelona spazieren gegangen, als wir gedreht haben. Sie sind erstaunliche Menschen, auch abseits der Dinge, die mit dem Bataclan und den Film zu tun haben. Generell kann man sagen: Wenn wir in Filmen arbeiten, die einen historischen Kontext haben und Ereignisse, die wirklich stattgefunden haben interpretieren, dann hilft es uns, nahe an Menschen zu sein, die das wirklich gelebt haben. Wir können uns mit mehr Freiheit, Mut und Kreativität in diese Fiktion eines Filmes hineinversetzen, weil wir besser verstehen, wie sie denken."

Ab Donnerstag gibt es Frieden, Liebe und Death Metal von Isaki Lacuesta endlich als VoD zu sehen. Ein Film, der niemanden kalt lassen wird – schon gar nicht, wenn man Musikfan ist und selbst auf zahlreichen Konzerten war. Es ist der große Verdienst von Cast und Regie, dass dieser Film einen zwar mit Trauer um die Opfer zurücklässt, die bei diesen Konzert ermordet wurden – einen aber trotzdem auch mit dem Gefühl von Hoffnung zurücklässt.

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