Pressure von Regisseur Anthony Maras ist ein packender Thriller nach einer wahren Begebenheit, die in der großen Erzählung des D-Day lange Zeit nicht jene Aufmerksamkeit bekommen hat, die sie verdient. Ähnlich wie The Imitation Game von Morten Tyldum 2014 die Wichtigkeit der Mathematik und des Code-Knackens als spannende Kinoerzählung aufbereitete, widmete sich Schauspieler und Autor David Haig der Meteorologie im Zweiten Weltkrieg, schrieb und inszenierte das Theaterstück "Pressure", das 2014 in London und Edinburgh unter großem Zuspruch auf die Bühne kam. Haig schaute dabei auf den britischen Chefmeteorologen Captain James Stagg, der in den Tagen vor der Invasion den Wetterbericht für den D-Day liefern sollte, der für den 5. Juni 1944 geplant war.
Das Duell der Meteorologen – hier in einem weniger hitzigen Moment. © 2026 / STUDIOCANAL SAS All Rights Reserved
Die Operation Overlord begann schließlich erst am 6. Juni. Und das lag an Staggs Prognose, dass das trügerisch sommerliche Wetter der Tage davor nicht halten werden würde. Was heute in Zeiten der Satellitentechnik ein Leichtes gewesen wäre, war damals eine Frage der Methode. Stagg stand für seinen Umgang mit den Daten ein, auch als ihm Colonel Krick, ein langjähriger Vertrauter von General Eisenhower, widersprach.
Andrew Scott ÜBER JAMES STAGG
James Stagg, dieser verschlossene, missmutige Schotte, der sich nicht darum schert, ob ihn die Leute mögen, wird ausgerechnet von Kino- und Serien-Darling Andrew Scott gespielt. Der "sexy priest" aus Fleabag, der diabolische Moriarty aus der besten Sherlock-Holmes-Serie, der verlorene Lover aus All Of Us Strangers und der höllisch charismatische Ripley ist hier all das nicht, sondern ein grumpy auftretender Experte, der um die Wichtigkeit und Unmöglichkeit seiner Aufgabe weiß.
Andrew Scott erklärt den Appeal dieser Rolle so: "James Stagg kam mir wie eine einzigartige Figur vor, ganz anders als alle, die ich bisher gespielt habe. Er ist nicht besonders charmant oder sympathisch – aber das heißt nicht, dass er nicht außergewöhnlich begabt ist. Unsere Einstellung ihm gegenüber ändert sich im Laufe des Films, und wir beginnen, Interesse daran zu zeigen, was er weiß, statt daran, was er nach außen hin zeigt." Scott sieht Stagg, der 1975 verstorben ist, als einen "großen Intellektuellen, der eigentlich zutiefst leidenschaftlich und zutiefst menschlich ist – aber das ist nichts, was er den Menschen von Anfang an zeigt. Für mich ist Pressure auch ein Film darüber, was wir preisgeben und wer wir im Innersten sind."
Die Konflikte um Staggs Vorhersage sind historisch dokumentiert. In einem Interview mit dem amerikanischen Radioverbund NPR sagte Haig kürzlich über den Wahrheitsgehalt des Drehbuchs für die Filmadaption, das er gemeinsam mit Anthony Maras verfasste: "Die Dialoge sind natürlich Fiktion, aber sonst mussten wir überraschend wenig umdichten – es gibt nur sehr wenige Abweichungen von der Wahrheit. Das Szenario und die Situation entsprechen sehr genau der historischen Realität: der 72-Stunden-Countdown an der Südküste Englands, bei dem jeden Tag unterschiedliche Vorhersagen aus dem ganzen Land, von Wetterschiffen im gesamten Atlantik und von Wetterstationen an der Westküste Irlands eintrafen. Und die Verantwortlichen in einem einzigen Gebäude an der Südküste Englands versammelt, während die Flotte auf ihr Kommando wartete – all das lastete auf den Schultern dieses etwas wortkargen, etwas unverblümten, schroffen schottischen Meteorologen."
So ist Pressure ein spannendes Kammerspiel, das von dem exzellenten Cast um Andrew Scott als James Stagg und Brandan Fraser als Dwight D. Eisenhower, den geschliffenen Dialogen sowie einem starken Bezug zur Gegenwart getragen wird. Schließlich reden wir mittlerweile nicht nur täglich ganz bewusst übers Wetter, sondern diskutieren die verheerenden Folgen des Klimawandels. Mann muss nicht in die Vergangenheit schauen, um festzustellen: Der Countdown läuft.
DK/WF