Once more with Ealing: 5 Filme aus den Ealing Studios, die man kennen sollte

Zur Neuveröffentlichung von Adel verpflichtet werfen wir einen Blick auf die Filme der Ealing Studios. Ein Feature für Alec-Guinness-Ultras und Freunde des gepflegten, schwarz eingefärbten britischen Humors.

Listen, Listen, Listen 16. Juli 2019

Die Ealing Studios im Londoner Stadtteil Ealing Green können mittlerweile auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Ihre Hochzeit erlebten sie in der Dekade nach Ende des zweiten Weltkriegs, als die Ealing-Komödien das prägten, was man noch heute als schwarzen, britischen Humor bezeichnet. Hier kommen fünf Filme aus dem Hause Ealing, die man kennen muss...

Adel verpflichtet (1949)

Produzent Michael Balcon hielt die schwarze Komödie anfangs für "unverkäuflich", später deklarierte er sie zu seinem Lieblingsfilm. Die lose auf dem Roman "Israel Rank – Die Autobiografie eines Serienkillers" basierende Verfilmung von Hausregisseur Rober Hamer treibt die Verbundenheit der Ealing Studios zu Alec Guinness genussvoll auf die Spitze, in dem sie ihn gleich in acht Rollen auftauchen lässt. Guinness verkörpert die adelige Familie D’Ascoyne und spielt dabei sogar einmal Lady Agatha. Gegenspieler ist der von Dennis Price gespielte Louis Mazzini D’Ascoyne, der sich Mord für Mord an den D’Ascoynes rächt, die seiner Familie einst übel mitgespielt und seine Mutter verstoßen hatten. Adel verpflichtet ist soeben in restaurierter Version neu erschienen – und schafft es immer noch, dass einem bei manchen Szenen das Lachen im Halse stecken bleibt.

Der Mann im weißen Anzug (1951)

Alec Guinness zum Zweiten: Hier in der Rolle des jungen Chemikers Sidney Stratton, der in einer Textilfabrik seine Wunder vollbringt und eine reißfeste Kunstfaser entwickelt, die zudem auch noch schmutzabweisend ist. Die Industrie ist zu seiner Überraschung allerdings wenig begeistert – immerhin schaffe man sich damit ja quasi selbst ab, was sogar soweit führt, dass Gewerkschaften und Bosse Hand in Hand gegen den genialen Stratton operieren. Der Mann im weißen Anzug erreicht dabei einen geradezu entlarvenden Zynismus, zum Beispiel, als im Hause von Textilmogul Alan Birnley (Cecil Parker) in versammelter Großkopfertenrunde beschlossen wird, dass dessen Tochter Daphne (Joan Greenwood) den jungen Chemiker für fünf tausend Pfund unter Einsatz ihrer Reize "überreden" soll. Den Preis verhandelt Daphne dabei selbst – und auch ihr anwesender Verlobter bekräftigt sie, im Dienste der Industrie zu handeln. Keine Frage: Mit Szenen wie dieser haben die Ealing Studios der Komödienfarbe "schwarz" eine weitere Nuance hinzugefügt.

Traum Ohne Ende (1945)

Wo wir schon bei der Farbe schwarz sind: Bevor Ealing das Komödien-Game der 50er prägte, bewies man mit dieser Anthologie ein gutes Gespür für das Grauen. Traum ohne Ende erschien unmittelbar nach Ende des zweiten Weltkriegs und profitierte sicherlich auch von diesem dramatischen Timing – denn während des Krieges wurden keine Horrorfilme veröffentlicht. Als Rahmenhandlung dient die Zusammenkunft mehrere Personen in einem Landhaus, wo der Architekt Walter Craig (Mervyn Johns) einer Gruppe von Menschen eröffnet, dass er sie in einem wiederkehrenden Traum gesehen und jeder von ihnen eine gruselige Geschichte zu erzählen habe. Regie führte dabei jeweils ein anderer Regisseur, nämlich Alberto Cavalcanti, Charles Crichton, Basil Dearden und Robert Hamer – wobei Dearden zweimal zum Einsatz kommt, da er auch die Rahmenhandlung inszenierte. Traum ohne Ende gilt heute als Klassiker des Genres – und man muss wirklich zugeben, dass vor allem die Episode um eine Bauchrednerpuppe, die langsam die Kontrolle über ihren Herrn gewinnt (Michael Redgrave), gut gealtert ist.

Einmal Millionär sein oder Das Glück kam über Nacht (1951)

Das British Film Institute listet diese Gaunerkomödie (die gleich zwei deutsche Titel spendiert bekommenhat) mit staubtrockenem Witz auf Platz 17 der besten britischen Filme aller Zeiten. Tatsächlich ist es noch heute eine große Freude, zu sehen wie der mal wieder von Alec Guinness gespielte Bankangestellte Henry Holland versucht, mit einem Goldraub zum kriminellen Mastermind zu werden und dabei an tumben Gaunern, aufmüpfigen Schülerinnen, kleinen Übersetzungsfehlern und güldenen Eifelturm-Statuen verzweifelt. Vor allem die verwirrt-wilde Verfolgungsjagd in London ist dabei großes Kino.

Ladykillers (1955)

"No plot was ever hatched with such satanic cunning" – diese wundervolle Selbsteinschätzung konnte man schon im originalen Trailer des heutigen Kultfilms hören. Die Komödie erzählt die oft kopierte Geschichte des smarten Gangsters Professor Marcus (gespielt von – Überraschung! – Alec Guinness), dessen Bande sich bei der etwas tattrigen Witze Mrs. Wimmerforce (Katie Johnson) einmietet, um den Überfall auf einen Geldtransport zu verschleiern. Dafür geben Marcus und seine Kollegen sich als klassische Musiker aus. Natürlich eskalieren die Geschehnisse nach und nach, Mrs. Wimmerforce kommt ihnen auf die Schliche, die Gangster gehen sich an die Gurgel – und am Ende steht nur noch eine …

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