25 Gründe für Pulp Fiction?

Man munkelt, es sei die Grundvoraussetzung für die Mitarbeit in dieser Redaktion gewesen, mindestens 25 Mal Pulp Fiction gesehen zu haben. Es gibt sicher noch mehr als 25 Gründe, warum auch Sie das Tarantino-Meisterstück bald wieder anschauen sollten.

Listen, Listen, Listen 25. Dezember 2019

1. Der Abend im Jack Rabbit Slims: Das 1950er- Jahre-Restaurant, in dem Marilyn- und James- und Elvis-Doubles (und Steven Buscemi als Buddy Holly) überteuerte Drinks servieren, sorgt dafür, dass man in den Bildschirm steigen will, um einen 5-Dollar- Milchshake zu bestellen. Im Gegensatz zum guten Vince können Sie zu Hause mehr als zweimal kosten.

2. Das „Gelaber“: Lesen Sie dafür ruhig auch mal hier nach. Wer sich abends einsam fühlt, kann sich dank Pulp Fiction über zwei Stunden lang von Vincent, Jules, Mia und Butch vollquasseln lassen, ohne dass es nervt. Von der Fußmassagen-Philosophie bis zum schlechtesten Witz aller Zeiten ist alles dabei.

3. Das „Confused Travolta“ Meme: Mit Pulp Fiction kann man seinen Kids erklären, wo eines der bekanntesten Memes der letzten Jahre seinen in Mia Wallaces Wohnung. Aber nicht nachmachen, Kinder!

4. Ezekiel 25:17: Samuel L. Jackson zitiert in einer der berühmtesten Szenen des Films zum ersten Mal diese Bibelstelle. Kann man auch als Atheist immer wieder gucken. Als guter Christ weiß man, dass Killer Jules sich das Zitat gehörig zurecht gebogen hat. Hoffentlich kommen Tarantino oder sein Co-Autor Roger Avary dafür nicht in die Hölle, Hollywood ist schon heiß genug…

PulpFiction_001.jpg © Kinowelt GmbH

5. Der Look des Soundtracks: Der Soundtrack mit Soul-, Glam- und Rock ’n’ Roll–Größen wie Al Green, Kool & The Gang, Neil Diamond und Chuck Berry entfaltet seine komplette Wucht nur im Tanz mit den Bildern. Die audiovisuelle Coolness von Pulp Fiction lässt sich kaum wieder in ihre Einzelteile zerlegen. Hörst du den Song, hast du das Bild im Kopf – und umgekehrt.

6. Der Film zum Poster: Das nach einem Schundroman aussehende Poster mit Knarre und Uma Thurman als Mia, die raucht und einen Pulp Fiction-Groschenroman liest, hängt gefühlt immer noch in jeder zehnen Wohnung.

7. Der Tanz von Mia und Vince: Oft kopiert, nie erreicht. Dieses eigentümliche Dancefloor-Duett kann man sich heute noch im Loop anschauen. Es wird sogar immer besser. Und wenn die beiden im Diner twisten, bemerken wahre Cineast*innen natürlich die Verneigung vor Fellinis Achteinhalb-Tanzszene.

8. Marvin: Die vielleicht undankbarste Rolle im Film. Phil LaMarr spielt Marvin, der bei der Fahrt über eine Bodenwelle aus Versehen von Vince erschossen wird. Bumm! Sein Blut, seine Gehirnbrocken und seine Leiche sind länger im Bild als der lebende Marvin. Schwamm drüber, Häkeldeckchen drauf, und Marvin ist Geschichte.

9. Mr. Wolfs Reinigungstipps: Harvey Keitel als Winston Wolf weiß sicher auch, wie man die Bude in 45 Minuten auf Hochglanz bekommt, wenn die Schwiegereltern unerwartet vor der Tür stehen. Lassen Sie sich im Notfall inspirieren – vom Hirn hinter der rechtzeitigen Beseitigung von Marvins Gehirnbrocken und sonstigen Überresten.

10. Das Geheimnis des leuchtenden Koffers: Wer in Marsellus Wallace’ Koffer schaut, ist völlig ergriffen. Trotzdem erfährt man nie, was drin ist. Diskutieren Sie beim nächsten Filmabend doch einfach mal, was es sein könnte. Das führt sicher zu Gesprächen auf Tarantino-Nerd-Level, wie er sie einst am Tresen einer Videothek führte.

11.Das Frames-Shirt: Die Frames sind die Band von Glen Hansard, den Sie ja auch aus Once kennen. Und aus The Commitments. Dort spielt Hansard an der Seite von Bronagh Gallahger, die in Pulp Fiction als Trudy einen kurzen Auftritt hat – im Frames-Shirt. Ein schöner Gruß an den Kollegen und ein schöner Moment für die zahlreichen Hansard-Fans.

12. Die nächste Rap-Platte: Honey Bunnys „Any of you fucking pricks move …“-Ansage findet sich zum Beispiel im Intro von „Scooby Snacks“ der tollen Fun Lovin’ Criminals. Auch in Snoop Dogs feat. 50 Cent „Oh No“ und Cypress Hills „Make A Move“ findet man Quotes aus dem Film. So mancher deutsche Rapper würde vielleicht auch besser Pulp Fiction zitieren, als sich selbst die Reime auszudenken … das nur so nebenbei.

13. Fox Force Five: Die Beschreibung der Charaktere der fiktiven Serie mit Mia Wallace als Raven McCoy, die es nie über die Pilotfolge hinausschaffte, passt ziemlich genau auf die Girl-Gang aus Kill Bill Vol.1: Daryl Hannah spielt die Blonde, Lucy Liu die Japanerin, Julie Dreyfus die Französin, Vivica A. Fox die Afroamerikanerin – und Uma ist wieder die mit den Messern im Anschlag. War Ihnen sicher bereits aufgefallen.

14. Kolleteralschäden krimineller Handlungen der in die turbulente Handlung verstrickten Gangster: Die arme Frau, der Butch Coolidge nach dem Autounfall helfen möchte und die vom taumelnden Marsellus Wallace über den Haufen geschossen wird. Wie immer wünschen wir gute Genesung!

15. Butch Coolidges Uhr: Die Geschichte einer Uhr, die durch Generationen von Darmwindungen gegangen ist und nicht nur über die gegenwärtige Zeit, sondern auch vom Leben der Ahnen und Urahnen Zeugnis ablegt. Ein, mit Verlaub, scheißwertvolles Stück, das Christopher Walken als Cpt. Koons dem kleinen Butch vermacht.

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16. Fabiennes Kugelbauch: Butchs Freundin Fabienne verkackt die Sache mit der ominösen Uhr. Gerade als alles richtig rund zu laufen scheint. Apropos rund: Butch kann ihr und ihrem Kugelbäuchlein nicht lange böse sein. Aber spielt Fabienne mit ihrer Schwärmerei für den fülligen weiblichen Körper nicht insgeheim auf einen anderen „pot belly“ an – der neun Monate lang wächst und dann wieder verschwindet? Wir spekulieren immer wieder gerne darüber.

17. Honey Bunnys Kette mit Stiefelanhänger: Achten Sie auf die Kleinigkeiten! Es lohnt sich. Wissen Sie noch, welche Filmplakate im Jack Rabbit Slims an der Wand hängen und wie viele Schritte Mia barfuß macht, als sie Vince begrüßt? Alles wollen wir hier ja nicht
verraten.

18. Vince Vegas Sinn fürs Geschäft: Dieser Sinn fürs Geschäft verlässt den guten Vince zur Unzeit. Während der Toilettengang kurz vor Honey Bunnys und Pumpkins Überfall im Diner für einen positiven Überraschungseffekt sorgt und ihm einen strategischen Vorteil erschafft, hätte er in Butchs Wohnung mal besser eingehalten.

19. Mias Witz: Ketchup, Catch up, Ketchup, Catch up … Sie verstehen. So schlecht, dass er schon wieder gut ist. Die Situation, in der Mia Vince den Witz erzählt, hat jedoch ihren ganz eigenen Charme. Auch wenn ihre Berührung schon fast sein Todesurteil ist. Meint man jedenfalls zu wissen, wenn man beim Gespräch über Fußmassagen genau aufgepasst hat.

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20. Coole Nebenrollen: Da fallen uns natürlich sofort Eric Stoltz als Vinces Dealer Lance und Patricia Arquette als dessen Freundin Jody ein – „die mit dem vielen Blech im Gesicht“. Höhö. Beide unsterblich durch die Szene mit der Adrenalin- Spritze.

21. Esmeralda: Coole Nebenfiguren? Dazu zählt Taxifahrerin Esmeralda Villalobos. Eine andere Chauffeurin hätte Butch vielleicht verpfiffen. Man(n) muss eben auch mal Glück haben. Und Butch ist ein echter Glückspilz.

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22. Kneifzange, Baseballschläger, Hammer, Motorsäge, japanisches Langschwert und Lötkolben: Anhand dieser Utensilien lassen sich die bizarren Ereignisse im Pfandleihhaus rekonstruieren, in dem Butch und Marsellus Wallace nach ihrer kurzen Verfolgungsjagd landen. Der „Sicherheitsbeamte“ Zed verliert dabei mehr als nur seinen Chopper … Wissen Sie noch die richtige Reihenfolge, in der die Waffen und Werkzeuge ins Bild kommen?

23. Die Bedeutung des Wörtchens Garçon: So spricht man nicht mal in Frankreich eine Kellnerin an. Aber wir werden Tim Roth wohl bis
in alle Ewigkeit unterbewusst mit seiner Rolle als Pumpkin und jenem französischen Wort für „Junge“ verbinden – und wissen nach dem neuerlichen Genuss von Pulp Fiction wieder, warum wir zusammenzucken, sobald es jemand irgendwo in den Mund nimmt.

24. Quentin Tarantino: Man kann seine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte an Pulp Fiction festmachen. Und der Typ, der die Filmreferenzen so lange im Affentempo hinter sich her schleift, bis sie seine eigene Spur in den Sand schreiben, trat seitdem nicht auf die Bremse. Unsere Tarantino XX-Edition ist der beste Beweis.

© Kinowelt GmbH

25. Der Rest vom Schützenfest: Der angebissene Big Kahuna Burger. Was wurde eigentlich aus dem? Die Sprite trinkt Jules Winnfield ja auf unnachahmliche Weise aus. Und schon haben wir Appetit auf die nächste Runde Pulp Fiction.

DK & WF

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