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Sängerin Aurora im Interview zum Kinostart von Der geheime Garten

Die norwegische Künstlerin Aurora schrieb den Titelsong "The Secret Garden" zum Film Der geheime Garten , der diesen Donnerstag in den Kinos startet – mit Dixie Egerickx (Foto) in der Hauptrolle. Wir sprachen mit Aurora über magische Kinomomente, die Kraft der Fantasie und die von ihr sehr geliebte Romanvorlage von Frances Hodgson Burnett.

Gespräche, Persönliches 14. Oktober 2020

Dein Song "The Secret Garden" läuft im Abspann und passt perfekt zum Film und zur Geschichte. Deine immer sehr gut informierten Fans wussten jedoch sofort, dass es sich eigentlich um einen bisher wenig bekannten, älteren Song von dir handelt, den du neu überarbeitet hast. Was ist die Geschichte dahinter?
Die Produzenten und der Regisseur waren sehr interessiert daran, meine Musik im Film zu haben. Das hat mich riesig gefreut. Ich liebe das Buch, ich liebe die Geschichte, und mir fiel sofort dieser Song ein, den ich vor langer Zeit geschrieben hatte. Er handelt von einem magischen Garten mit Heilkräften und war tatsächlich von dem Buch inspiriert und von meinem Glauben daran, dass die Natur uns helfen und heilen kann. Also fragte ich die Produzenten, ob ich diesen Song für sie überarbeiten kann. Sie wollten natürlich eigentlich erst lieber einen ganz neuen, aber als sie "The Secret Garden" dann hörten, wussten sie, was ich meinte. Außerdem ist dieser Zufall doch die viel schönere Geschichte. Und ich liebe das Lied sehr.

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Als ich Der geheime Garten sah, wusste ich schon, dass wir miteinander sprechen werden. Vielleicht habe ich da also bewusst etwas hineininterpretiert. Aber mir fielen doch einige sehr gut passende Verbindungen auf: Zum einen erinnerte mich das selbstbewusste und von Fantasie beseelte Auftreten von Dixie Egerickx als Mary ein wenig an dich – oder ich hatte zumindest das Gefühl, ihr hättet euch im gleichen Alter gut verstanden. Und ich musste an dein letztes Berlin-Konzert vor zwei Jahren denken, wo ich das Gefühl hatte, du füllst die Bühne mit einer Magie auf, die weit über das hinausgeht, was man mit dem richtigen Licht und einem bunten Bühnenkostüm erreichen kann. Siehst du das ähnlich oder übertreibe ich?
Mary erinnert mich wirklich ein wenig an mein jüngeres Ich – und wie sie hatte ich schon immer eine sehr stark ausgeprägte Fantasie, die ich auch in meiner Musik und meinen Konzerten vermitteln will. Ich glaube an die Kraft der eigenen Träume und daran, dass es diese Magie in der Natur gibt, von der The Secret Garden erzählt. Vor allem nachts im Wald spürt man das. Ich glaube aber, dass sich viele Menschen in diesem Film und diesen Charakteren wiederfinden werden. Es ist eine wundervolle Vision für alle Träumer und Menschen, die sich von ihrer Fantasie leiten lassen – und gerade die können diese Aufmunterung gebrauchen, weil die Welt nicht unbedingt für sie gemacht ist.

Sängerin, Produzentin und Songwriterin Aurora Aksnes © Universal Music / Foto von Morgan Hill-Murphy

Sängerin, Produzentin und Songwriterin Aurora Aksnes © Universal Music / Foto von Morgan Hill-Murphy

Aus deinen Interviews weiß man, dass du gerne liest und dich immer vor allem auf dein Bücherregal freust, wenn du nach einer langen Tour nach Hause kommst. Sind Bücher deine erste Wahl in Sachen Weltflucht oder können auch Filme diese Kraft entwickeln?
Da funktioniert beides ganz gut. Ich brauchte schon immer viele Pausen von der realen Welt. Das war als Kind schon so und ist heute nicht anders. Ich liebe Bücher und habe immer eines in meinem Rucksack, selbst wenn ich nur kurz zum Supermarkt gehe. Es könnte ja sein, dass irgendwas auf dem Weg passiert und ich eine kleine magische Auszeit brauche. Bücher und Filme sind schon immer meine besten Freunde gewesen, weil sie mir so viel geben. Du hast diese emotionale Reise einer guten Geschichte, du kannst tausende verschiedene Leben führen, große Armeen besiegen oder intime Momente erleben. Das ist doch wahnsinnig aufregend! Ich liebe das. Und ich bin ein riesiger Nerd. Ich liebe alles, was mit Fantasy und Science Fiction zu tun hat. Filme und Bücher sind also ebenso wie die Musik ein wichtiger Teil meines Lebens.

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Gab es denn in deiner Kindheit auch so etwas wie deinen persönlichen "Secret Garden"? Orte, an denen du dich zurückziehen und deiner Fantasie freien Lauf lassen konntest?
Oh ja. Ich hatte großes Glück, weil ich an einem Ort aufwuchs, an dem es wenige Nachbarn und überhaupt wenig Menschen gab. Das kam mir sehr entgegen, weil ich es als Kind mit Menschen nicht so hatte und ganz gerne alleine war. Wir hatten einen fantastischen Ausblick von unserem Wohnzimmer: Man konnte auf den Fjord schauen und sah in der Ferne die Berge. Ich saß dort oft vor dem Fenster und haben mir Geschichten ausgedacht und diese Orte mit meiner Fantasie erschlossen. Entweder, in dem ich mir eigene Abenteuer ausmalte oder mir vorstellte, dass Frodo und Sam gerade dort hinten durch den Schnee stapfen. Im Wald nebenan war ich auch oft. Ich habe in meiner Kindheit so einige Baumhäuser gebaut, die eigentlich auch noch dort stehen müssten. Vielleicht wurden sie ja schon von den Kindern, die jetzt dort aufwachsen, entdeckt und mit eigenen Geschichten gefüllt.

Ich war vor einigen Tagen zum ersten Mal seit dem Lockdown wieder im Kino und glücklich wie ein kleines Kind. Diese Magie des Kinos, dieses Versinken in einen guten Film – das hat sich fast so stark angefühlt, als hätte ich mich noch mal neu darin verliebt. Gibt es einen Kino-Moment, der dir besonders magisch in Erinnerung ist?
In meiner Heimatstadt Bergen gibt es normalerweise einmal im Jahr eine besondere Kino-Nacht: Da werden alle drei Herr der Ringe-Filme gezeigt und der erste beginnt um 23.59 Uhr. Du bist also die ganze Nacht im Kino und kommst dann so um neun Uhr völlig benommen da raus. Auch das Publikum ist super: Das sind allesamt Hardcore-Fantasy-Fans. Diese Nächte liebe ich. Sie sind sehr anstrengend aber irgendwie auch magisch. Bei meinem ersten Besuch war ich vor allem dankbar, dass ich diese großen, tollen Filme tatsächlich noch mal im Kino erleben konnte. Und ich fühlte mich sofort wohl in dieser "brotherhood of nerds".

Mir geht es wie dir: Ich mag das Buch "The Secret Garden" von Frances Hodgson Burnett sehr. Deshalb hatte ich die übliche Angst: Dass die Filmemacher es verkacken. Als ich dann das Casting sah, die Wahl des Regisseurs Marc Munden (dessen Arbeit für die schräge Kultserie Utopia ich sehr schätzte) und die Wahl des Drehbuchautors Jack Thorne (der schon aus Der Goldene Kompass bzw. His Dark Marterials eine tolle Serie gemacht hat), war ich ein wenig beruhigt. Und muss nun feststellen: Mir gefällt die Umsetzung sehr. Auch die visuelle Inszenierung, die das Fantastische immer nur andeutet auf wunderbare Weise. Hattest du eine ähnliche Angst?

Natürlich. Diese Angst ist immer da bei Büchern, die mir am Herzen liegen. Aber ich teile deine Meinung. Mir gefällt der Film sehr. Und ich bin dankbar, dass ich noch einmal in dieser Welt zu Gast sein kann – auch wenn es nicht exakt die Welt ist, die ich mir als Kind beim Lesen ausgemalt habe. Aber unsere Phantasie wird immer bunter und wundervoller sein als jeder Film, weil niemand diese brillante Architektur, die wir vor unserem inneren Auge erschaffen können, auf eine Leinwand bringen kann. Es ist also nicht exakt die Welt, die ich mir erträumt habe, aber eine, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Fast so, als wäre ich zum ersten Mal in ihr zu Gast.

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