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Der Club der aufrechten Raucher: Good Night, and Good Luck in voller Länge auf YouTube

Das Polit-Drama von George Clooney über den amerikanischen Fernsehjournalisten Edward R. Murrow und die Repressionen der McCarthy-Ära ist eine verrauchte Hymne auf die journalistische Arbeit. Im Spiegel der aktuellen US-Politik und ihrem Umgang mit den Medien stellt der Film die richtigen Fragen. Hier und auf YouTube können Sie Good Night, and Good Luck gerade in voller Länge sehen.

17. Dezember 2025

Man hätte die wunderschöne Schwarz-Weiß-Ästhetik nicht gebraucht, um zu merken, dass man hier in den 50ern unterwegs ist. In Good Night, and Good Luck atmen nicht nur die Anzüge der Männer und die Kleider der Frauen den Geist der Zeit, auch die Frauenquote in den Büros des TV-Senders CBS und die permanent qualmenden Zigaretten machen die Sache recht eindeutig.

George Clooneys zweite abendfüllende Regie-Arbeit aus dem Jahr 2005 ist bis heute ein Herzensprojekt. Clooney schrieb das Drehbuch über eines der spannendsten Kapitel der Geschichte des US-Journalismus mit Grant Heslov zusammen. Ein Zusammenspiel, das sie bis heute immer wieder mal sehr erfolgreich wiederholen. Die beiden erzählen darin vom Duell zwischen dem renommierten Journalisten Edward R. Murrow und dem Senator Joseph McCarthy.

Der Republikaner prägte mit seiner Politik den Begriff der "McCarthy-Ära": Unter dem Vorwand, kommunistische Unterwanderungen des Regierungsapparats aufzudecken, verfolgte und drangsalierte der Senator in den Jahren 1950 bis 1955 zahlreiche Künstler*innen, Journalist*innen, Beamt*innen, Soldat*innen und Politiker*innen. Mit der "Schwarzen Liste" nahm McCarthy direkten Einfluss auf Hollywood und drängte die Studios dazu, die darauf genannten Schauspieler*innen und Drehbuchautor*innen nicht mehr anzustellen.

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Edward R. Murrow wiederum war in den Jahren 1953 und 1954, in denen der Film hauptsächlich spielt, einer der renommiertesten TV-Journalisten Amerikas. Durch seine Kommentare, Moderationen und Radioreportagen aus Europa zur Zeit des zweiten Weltkriegs wurde er im ganzen Land in beiden politischen Lagern als aufrechte Stimme geschätzt. Vor allem seine für damalige Verhältnisse schonungslos formulierten Beobachtungen von der Befreiung des KZs Buchenwald beeindruckten viele.

Am 15. April 1945 kommentierte Murrow Kritik an der Härte seiner Reportage mit folgenden Worten: "Ich bitte Sie, zu glauben, was ich über Buchenwald gesagt habe. Ich habe berichtet, was ich gesehen und gehört habe, aber nur einen Teil davon. Für das meiste habe ich keine Worte. Falls ich Sie mit dieser eher zurückhaltenden Darstellung von Buchenwald verstört habe, tut es mir nicht im Geringsten leid."

Zurück in Amerika ging Murrow mit der Zeit und erkannte, dass das Medium Fernsehen immer erfolgreicher wurde. In den frühen 50ern sprach er beim Sender CBS zunächst Kommentare, die am Ende einer Nachrichtensendung gezeigt wurden. Im November 1951 starte dann seine wöchentliche, halbstündige Sendung "See It Now", in der Murrow mit seinem Produzenten Fred Friendly und einem eingeschworenen Team aus Investigativ-Journalisten brisante Themen fernsehgerecht aufbereitete.

Die Sendung zeigte einerseits die Recherche und Gespräche der Reporter, bettete diese Bilder aber in den Kommentar von Murrow ein – der beim Sprechen meistens grimmig sinnierend rauchte und die Zuschauenden mit den Worten "Good night, and good luck" entließ. "See It Now" war quasi die Weiterführung von Murrows Radiosendung "Hear It Now", die auch schon von Fred Friendly produziert wurde.

© STUDIOCANAL

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George Clooney spielt in seinem Film nun ebendiesen Friendly – und überlässt die große Bühne dem ebenso streng wie charismatisch spielenden David Russell Strathairn. In tragenden Nebenrollen sieht man Großkaliber wie Robert Downey Jr. und Patricia Clarkson. McCarthy spielt sich sozusagen selbst: Der Film arbeitet hier mit Archivaufnahmen. Straithairn unterstreicht mit seiner Darstellung, dass man sich Edward R. Murrow nicht als glücklichen Menschen vorstellen darf: Hier macht ein Mann, der die schlimmsten Seite der Menschheit gesehen hat, seinen Job – und verzweifelt an der Politik, an der Manipulierbarkeit der Medien und an einem Publikum, das im Fernsehen vor allem Unterhaltung sehen will.

Good Night, and Good Luck
verdichtet die Geschehnisse der Jahre 1953 und 1954 auf rund 90 Minuten Spielzeit und ein Ensemble, das tatsächlich im realen Leben Journalismusgeschichte geschrieben hat. Trotzdem erzählen Clooney und Drehbuchautor Grant Heslov keine reine Heldengeschichte. Man sieht in pointierten Szenen, wie die CBS-Führung mit dem journalistischen Anspruch hadert; man erlebt, wie Werbekunden zurückzucken, weil die Enthüllungen ihre Geschäfte beschädigen könnten; und muss mit ansehen, wie aufrechte Journalisten durch McCarthys "Hexenjagd" und Kommentare von eher rechten Tageszeitungen mürbe gemacht und in einem Fall gar in den Suizid getrieben werden.

Das Duell zwischen Murrow und McCarthy wird als Slowburner inszeniert: Murrows Instinkt und Gerechtigkeitssinn springen an, als er von einem Air-Force-Soldaten erfährt, der aus der Armee geschmissen wurde, weil er sich weigertes, eine angeblich kommunistische Schwester und seinen Vater zu denunzieren. Anhand dieses Beispiels hält Murrow McCarthy am 9. März 1954 in der Folge "Ein Report über Senator McCarthy" vor, unter dem Vorwand der Kommunistenjagd mit seinen Praktiken gegen die amerikanische Verfassung zu verstoßen.

David Russell Strathairn zeigt allein mit dem Wellenspiel seiner Stirnwalten und den zweifelnden Zügen an der Zigarette, das Murrow sehr bewusst war, dass er die Reichweite des Medium Fernsehens hier wie eine Waffe auf einen einzelnen Mann richtete – und mit dieser Machterfahrung haderte. Murrow gab McCarthy die Chance zu einer Antwort, die er ohne Änderungen ausstrahlen würde. Tatsächlich schickte McCarthy Murrow eine gefilmte Antwort: die ihm nach Meinung vieler Zeitzeug*innen das eigene Grab schaufelte.

George Clooney lag dieser Stoff am Herzen, weil er der Sohn des Fernsehjournalisten und Moderators Nicholas Joseph Clooney war – und schon als Kind eine Faszination für diese Welt hatte. In einem Interview zum Filmstart erzählte Clooney 2005: "Ich bin sozusagen im Newsroom aufgewachsen und habe meinem Vater bei der Arbeit mit den Reportern zugesehen. Ich habe erlebt, wie sie eine Nachrichtensendung zusammengestellt haben. Murrow war immer das große Vorbild, dem alle nacheiferten. Das war es, was ich daran so liebte. Der Film ist sicherlich eine Hommage an meinen Vater und die Opfer, die er über die Jahre für diesen Job gebracht hat."

© STUDIOCANAL

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Wenn man Good Night, and Good Luck heute schaut, riecht man zwar einerseits den Rauch all dieser aufrechten Journalisten, aber man spürt trotz der nostalgischen Ästhetik, das man dort Dinge sieht, die noch immer aktuell sind.

Wobei diese Formulierung dem 1965 verstorbenen Murrow sicher viel zu weichgespült wäre. Es ist eher so, dass all diese Dinge heute völlig eskaliert sind. Das Fernsehen, vor allem in den USA, ist heute eine Waffe. Sender wie "Fox News", "Newsmax" oder "One America News Network" sind mehr Propaganda und Fake-News-Sperrfeuer als seriöser Journalismus. Auch die politischen Verhältnisse sind im Gegensatz zur McCarthy-Ära ungleich irrer: Man mag sich gar nicht vorstellen, wie Murrow einen Donald Trump und seine Gebahren gefunden hätte (obwohl man gerne eine "See It Now"-Folge über Trump sehen würde). Der Präsident verhöhnt seit Jahren die Art von Journalismus, für die Murrow und seine Kolleg*innen standen – eine Taktik, die er sich bei populistischen, meist rechten Parteien abgeschaut hat. Trump, der jeden Tag auf seinem Truth-Social-Profil Fake News raushaut, benutzt ebenjenen Begriff, um die Arbeit von Medien, die journalistische Standards einhalten, zu denunzieren.

Aber auch die in Clooneys Film immer wieder gezeigten wirtschaftlichen Verstrickungen der Fernsehsender, die das Tor zur Einflussnahme weit aufreißen, sind schlimmer geworden. Der Murrow-Sender CBS ist da ein tragisches Beispiel: Der Paramount-Konzern, dem CBS inzwischen gehört, zahlte Trump in diesem Jahr bei einem gerichtlichen Vergleich 13,8 Millionen Euro. Hintergrund war eine Klage Trumps wegen eines Interviews mit Kamala Harris auf CBS. Trump warf dem Sender vor, eine Antwort von Harris nachträglich bearbeitet zu haben, um ihren "Wortsalat" zu kaschieren. Das sei "Wahlbeeinflussungsbetrug". Eine hanebüchene Klage, der Expert*innen geringe Chancen einräumten. CBS-Late-Night-Host Stephen Colbert nannte die Vergleichszahlung deshalb in seiner Sendung "a big fat bribe" – übersetzt ungefähr: ein dicker Batzen Schmiergeld. Kurz darauf gab der Sender bekannt, dass Colberts Sendung 2026 eingestellt werde.

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Auch George Clooney und Grant Heslov sind der Meinung, das Good Night, and Good Luck kein verrauchtes 50er-Kostüm-und-Kulissen-Kino ist, sondern viel über die Jetztzeit lehrt. Deshalb brachten sie in diesem Jahr noch einmal ein Theaterstück gleichen Namens an den Broadway, in dem Clooney Edward R. Murrow gleich selbst spielt. Zwar bleiben die beiden nah am Film, aber sie unterstreichen hartnäckig, dass sie hier bekannte Werkzeuge im Kampf gegen Fake News und die "alternativen Fakten" von heute aufzeigen.

In einem Interview mit dem Magazin "Deadline" sagte George Clooney: "Murrow stellte sich McCarthy zu einer Zeit entgegen, als die Menschen Angst hatten. Und man konnte sehen, wie die Angst die Anwaltskanzleien, die Fernsehsender und die Universitäten durchdrang." Dann liefert er das perfekte Schlusswort für diesen Text: "Es ist gut, uns daran zu erinnern, dass wir schon einmal Angst hatten, dass wir solche Zeiten überstanden haben und dass wir auch diese überstehen werden. Das Wichtigste, was man tun kann, ist, die Machthaber ständig herauszufordern. Das muss man tun, sonst gewinnen sie."

Hier können Sie Good Night, and Good Luck in voller Länger auf dem YouTube-Profil von ARTHAUS sehen:

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Daniel Koch

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