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Murder In The First gibt es hier in voller Länge im Stream

Das intensive Gefängnis- und Gerichtssaal-Drama von Marc Rocco aus dem Jahr 1994 erzählt die Geschichte des Alcatraz-Insassen Henri Young, der nach einem missglückten Fluchtversuch jahrelang in Einzelhaft gequält und gebrochen wurde. Murder In The First gibt’s hier und auf YouTube for free in voller Länge im Stream.

News/Neu erschienen 30. März 2022

Schon nach den ersten dreißig Minuten von Murder In The First ist man emotional recht angefasst – aber da muss man bei dieser Geschichte durch. Wir sehen anfangs die zynische News-Berichterstattung über einen missglückten Fluchtversuch aus Alcatraz – dem berühmten und zu Recht berüchtigten Gefängnis an der Küste von San Francisco. Lachende Polizisten, die stolz vor einem erschossenen Insassen posieren und ihre kleinen Wunden zeigen. Dazu gibt’s ein Loblied auf Alcatraz, das schon damals viel zu hohe Betriebskosten hatte und von liberaleren Kräften kritisch betrachtet wurde. Eigentlich gebaut, um Mafiabosse wie Al Capone und andere Schwerverbrecher zu verwahren, transferierte man immer wieder auch Menschen, die weniger schwerwiegende Verbrechen verübt hatten nach Alctatraz, um die Kosten zu rechtfertigen.

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Henri Young (Kevin Bacon), für den es ein reales Vorbild gibt, ist einer von ihnen. Sein Vergehen: Er klaute als Teenager fünf Dollar auf einem Postamt, um Essen für seine Schwester zu kaufen. Der Fluchtversuch im März 1938 scheitert vor allem, weil einer der Beteiligten, Rufus McCain (David Michael Sterling), den Wärtern davon im Vorfeld erzählt, um einen eigenen Vorteil zu haben. Henri Young wird nach dem Fluchtversuch in Einzelhaft gesteckt, zur "Rehabilitation", wie es heißt. Ein Vorgang, der eigentlich maximal drei Wochen dauern dürfte, wird bei ihm auf drei Jahre verlängert – nur an Weihnachten 1940 durfte Young für 30 Minuten raus. Schon in den ersten dreißig Minuten sehen wir, was "Rehabilitation" auf Alcatraz bedeutet: Young wird immer wieder gefoltert und verprügelt. Regisseur Marc Rocco zeigt diese Szenen mit gnadenloser Härte: Im giftig-blauen Dunkel der kleinen Zelle prügeln die Wärter gnadenlos auf den verwahrlosten Young ein. Der sadistische, stellvertretende Gefängnisdirekter Milton Glenn (Gary Oldman) legt ihn in Ketten und hält ihm pseudomoralische Vorträge, während er ihn quält. Einmal sagt Glenn seinem Vorgesetzten, um die lange Einzelhaft zu rechtfertigen: "Er war der Rädelsführer beim Ausbruch von 1938 – und seitdem hat es keinen mehr gegeben. Wenn man diese Tiere in dem Glauben lässt, dass eine Flucht möglich ist, kann man ebenso gleich eine Drehtür einbauen."

Henri Young kämpft lange gegen den Wahn, die Einsamkeit, die Folter an – aber natürlich verliert man bei so was den Verstand. Als er am Ende in die normale Haft überführt wird, rastet er im Essensraum aus, attackiert den Fluchtverräter McCain und bringt ihn mit einem Löffel auf grausame Weise um. Hier beginnt so langsam das Gerichtsdrama, das die zweite Hälfte des Films ausmacht: Der junge, idealistische Pflichtverteidiger James Stamphill (Christian Slater) nimmt sich des Falles an, gewinnt langsam das Vertrauen des noch immer mit seiner Psyche ringenden Youngs und erfährt nach und nach die Hintergründe der Tat. Und Stamphill hört von den unmenschlichen Zuständen in Alcatraz. Stamphill ist der Meinung, Alcatraz habe Henri Young erst zum Mörder gemacht. Ab dann spielt der Film überwiegend in einem weiten, hellen Gerichtssaal und lässt visuell viel Raum für die intensive Verbindung zwischen Stamphill und Young und die Rededuelle im Gerichtssaal. Als strenger Richter wacht der von William H. Macy gespielte William McNeil über den Prozess, der schnell zum Medienspekatel wird, als Stamphill Alcatraz der Folter bezichtigt.

Henri Young und James Stamphill im Gerichtssaal

Henri Young und James Stamphill im Gerichtssaal

Dem 2009 verstorbenen Regisseur Marc Rocco und Drehbuchautor Dan Gordon wurde hin und wieder vorgeworfen, ein wenig zu dick aufzutragen und den historischen Henri Young unschuldiger gezeichnet zu haben, als er eigentlich war. Auch seien die Wächter nicht ganz so sadistisch gewesen wie im Film. Youngs Fall wurde außerdem von den damals recht etablierten Anwälten Sol A. Abrams und James Martin MacInnes übernommen und nicht von einem Jura-Newbie wie Stamphill. Aber dennoch: Murder In The First entwickelt vor allem diese besondere Wucht, weil er einen realen Fall in Hollywood-Manier inszeniert – mit großartigen Performances (vor allem von Bacon, der sich gut zehn Kilo runtermagerte und zur Vorbereitung freiwillig für ein paar Tage in eine Gefängniszelle zog), dramatischer Musik, historischen Zuspitzungen und erzählerischen Freiheiten, die allesamt vor allem seiner unmissverständlichen Botschaft und Moral dienen. Genau deshalb hat sich Murder In The First, obwohl die Kritiken zum Kinostart manchmal nur so mittelgut waren, im Laufe der Jahre zu einem Publikumsliebling und einem der stärksten Gefängnisfilme der Kinogeschichte entwickelt.

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