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Top 7 Spionage-Thriller (fast ohne 007)

Es muss nicht immer Bond sein: Top 7 Spionage-Thriller (fast ohne 007)

Der Agenten- oder Spionagethriller. Das Genre für politische Machenschaften hinter den Kulissen bietet viele Variationsmöglichkeiten. Ein Streifzug durch den ARTHAUS-Katalog mit ein paar (aus dem Ärmel) geschüttelten James Bond-Referenzen.

12. Oktober 2021

1. Die drei Tage des Condor

Während in der Agenten-Welt des James Bond moralisch Zweifelhaftes immer nur bei den Bösewichten gesehen wurde, gibt es im realen Leben zahllose Beispiele für Grenzüberschreitungen der großen Geheimdienste des Westens und Ostens. Das zeigte Mitte der 1970er-Jahre vor allem der "Family Jewels"-Skandal. Der für die New York Times arbeitende Investigativ-Journalist Muckraker Seymour Hersh hatte damals eine ihm zugespielte CIA-Aktensammlung ausgewertet und zahlreiche grenzwertige, illegale und moralisch bedenkliche Aktivitäten des Geheimdienstes offengelegt. Sydney Pollacks Paranoia-Thriller Die drei Tage des Condor mit Robert Redford wurde oft als filmische Antwort darauf gelesen, obwohl Pollack das immer bestritt und die Dreharbeiten längst abgeschlossen waren, als die "Family Jewels" veröffentlicht wurden. Auch wenn Redford hier als Joseph Turner eher einen CIA-Schreibtischtäter gibt, nimmt die Action schnell Fahrt auf und führt immer wieder zu einer Frage, die auch im Herzen der besten Bond-Filme steht: Wem kann ich eigentlich trauen?

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2. Die Dolmetscherin

Und wo wir bei Sydney Pollacks Thrillern sind, die sich in Milieus zwischen eisernen Vorhängen jeglicher Art abspielen: einen wiederum großen Unterschied zu den Posen aus dem Bond-Universum machen die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung mit dem zwischenmenschlichen Bereich aus, der von Spionage und Verrat nie ausgespart bleibt. In Die Dolmetscherin dreht sich viel um ein politisches Attentat und einiges um die Figur der von Nicole Kidman gespielten Übersetzerin. Und wie es für die Filme von Pollack üblich ist, geht es auch um Liebe und Abschiede. Das gilt übrigens auch für den Filmemacher und seine Beziehung zur Leinwand. Die Dolmetscherin, für den Nicole Kidman eigens Flöte spielen lernte und in dem Sydney Pollack persönlich einen Cameo-Auftritt à la Hitchcock hinlegt, war der letzte Spielfilm, den er in seinem Leben drehte. Man muss sagen, er hat’s bis zum Schluss spannend gemacht – mit Virtuosität und Leidenschaft.

Achtet auf die Zwischentöne: Nicole Kidman als Dolmetscherin © Studiocanal

Achtet auf die Zwischentöne: Nicole Kidman als Dolmetscherin © Studiocanal

3. Die Nadel

Vor dem Kalten Krieg, in dem James Bond seine Lizenz zum Töten anwendet, war Europa ein einziges Schlachtfeld. Zwischen den Linien aber blieben die Geheimdienste ebenfalls nicht untätig, um ihren jeweiligen Streitkräften entscheidende strategische Vorteile zu verschaffen. So auch Agent Heinrich "Henry" Faber in Stanley Manns Ken Follett-Adaption Die Nadel mit Donald Sutherland in der Hauptrolle. Regie führte Richard Marquand, der daraufhin von George Lucas für Die Rückkehr der Jedi-Ritter engagiert wurde, den bis heute womöglich besten Teil der Star Wars-Saga. Henry Faber, der stets ein Stilett bei sich trägt, woher auch der Titel des Films rührt, deckt in Folletts Geschichte den Trick der Alliierten auf, mit dem sie die Deutschen vom wahren Ort ihrer Landung in der Normandie am "D-Day" ablenken wollen. Diese Information versucht er nun mit allen Mitteln den Nazis in die Hände zu spielen, strandet jedoch in einer misslichen Lage und muss flüchten. Keine Zeit, sich einen Martini servieren zu lassen, ob nun geschüttelt oder gerührt – und vor allem kein reines Gewissen und keine historische Chance … zum Glück.

Händler der Information vor dem Informationszeitalter © Studiocanal

Händler der Information vor dem Informationszeitalter © Studiocanal

4. Der Dialog

Wer alles hören will, muss fühlen. Mit dieser leicht abgewandelten Binse könnte man die Handlung eines der überragenden Filme im an Höhepunkten sicher nicht armen Œuvre von Francis Ford Coppola bezeichnen. In Der Dialog geht um den von Gene Hackman dargestellten Abhörspezialisten Harry Caul, dem nicht nur die nötige Distanz zur Privatsphäre seiner Mitmenschen sondern auch das lässige Verhältnis zum Job fehlt, das etwa den Gentleman-Spion James Bond auszeichnet. Für Harry Caul ist der Lauschangriff zur Obsession geworden. Es scheint, als fehlte ihm ansonsten die Inspiration, ja als würde er die Unterhaltungen erforschen wie andere die Laute der Tierwelt untersuchen. Doch diesmal hat er ein Problem. Die von ihm abgehörten Gespräche eines Pärchens ziehen ihn hinein in ein Mordkomplott. Seine Verstrickung reißt auch die psychologischen Mauern ein, hinter denen er sich längst verschanzt hat und das macht ihn emotional angreifbar. Der innere Dialog scheint plötzlich alle anderen Stimmen zu überlagern. Eine tiefenpsychologische Ebene, die man in den coolen Set Designs von 007-Thrillern vergeblich sucht, wo sich alles, natürlich mit voller Absicht, an der Oberfläche abspielt.

Lauschiges Örtchen für einen Abhörfreak © Studiocanal

Lauschiges Örtchen für einen Abhörfreak © Studiocanal

5. Dame König As Spion

Wie es wirklich beim britischen Geheimdienst MI-6 zugehen könnte, erfuhr man schon immer eher beim schreibenden Insider John le Carré und nicht beim Agenten-Seemannsgarn des Ian Fleming – das natürlich auch seinen Reiz hat. Eine der besten le-Carré-Verfilmungen ist sicherlich Tomas Alfredsons Dame König As Spion mit Gary Oldman in der Rolle des pensionierten Top-Spions George Smiley. 1973, als James Bond gerade in Leben und sterben lassen mit Mr. Big rangelte, sucht Smiley in den obersten Reihen des MI-6 nach einem Maulwurf im Dienste des sowjetischen KGB. Und lernt schnell, dass besagter Verräter Smileys eigenen Schwächen sehr genau kennt. Der leider inzwischen verstorbene John le Carré war selbst großer Fan des Filmes. Das verriet Gary Oldman im Interview : "Smiley war der Held von sechs oder sieben John-Le-Carré-Büchern, einige davon kannte ich. Eine so gut geschriebene Vorlage treibt einen voran. Doch obwohl wir sie gekürzt haben, hat John le Carré gesagt, er glaube, es sei die beste Buchadaption, die es gäbe."

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6. Charade

Und noch etwas Leichtes für Zwischendurch: Charade von Stanley Donen aus dem Jahr 1963 (also das Jahr nach dem ersten Bond-Film Dr. No) ist natürlich kein reiner Spionage-Film, sondern ein herrliches Mash-up aus Verwechslungskomödie, Screwball, Hitchcock-Thriller-Vibes, RomCom und eben auch Elementen, die man in Agentenfilmen kennt und schätzt. Bei all dem ist Charade aber vor allem perfekte Unterhaltung , bei der man sich schon hin und wieder fragt, ob nicht auch Cary Grant einen smarten James Bond abgegeben hätte. Eine Frage, die schon damals sehr aktuell war: Denn Grant war ein guter Freund des Bond-Produzenten Albert R. Broccoli und sogar dessen Trauzeuge. Broccoli wollte Grant als ersten Bond und Grant sagte zunächst sogar zu. Aber da Grant damals schon 58 war, wollte er sich vertraglich zusichern lassen, diese Rolle nur ein einziges Mal zu spielen. Das war der Knackpunkt für die Produzenten, die Bond schon immer als Filmserie anlegen wollten. So wurde schließlich Sean Connery der erste – und viele würden sagen – bis heute beste Bond.

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7. Der dritte Mann

Vor 70 Jahren gewann Der dritte Mann von Carol Reed mit Orson Welles und Joseph Cotton einen Oscar, nicht ohne zuvor in Cannes ausgezeichnet worden zu sein. Die Handlung – nach einem Drehbuch von Graham Greene – spielt in der Grauzone der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dieser Ära haftet eine gewisse Unruhe, Unübersichtlichkeit und anarchische Neuorientierung an, in der zum Beispiel auch der Schwarzmarkt blüht. Der Plot entfaltet sich im besetzten Wien, die Schwarzweiß-Ästhetik und die morbide Atmosphäre, die uns ins Netz der Kanalisation führt, ohne dass dort ein verrückter Supergangster lauern würde, der die Welt mit einem Knopfdruck vernichten möchte, ist die absolute Antithese zur knallbunten Bond-Welt. Reed drehte dennoch oder gerade deswegen einen zeitlosen Thriller ohne Schnörkel und stattet sein Publikum bis heute mit der Lizenz zum Nägelkauen aus.

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DKWF

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