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ARTHAUS INHAUS: Charade von Stanley Donen

In dieser Rubrik stellen die Mitarbeiter:innen von ARTHAUS in persönlichen Texten ihre liebsten Filme vor. Heute widmet sich Social-Media-Redakteur Felix Kerth dem Klassiker Charade mit Audrey Hepburn und Cary Grant.

Filmgeschichten/Arthaus Inhaus 04. August 2021

Es gibt zahllose Gründe, warum du dir keine Filme auf dem Smartphone ansehen solltest. David Lynch sagte dazu einmal ikonisch: "If you’re playing the movie on a telephone, you will never in a trillion years experience the film." Das sehe ich ein. Und trotzdem habe ich gesündigt.

Auf meinem Weg in den Urlaub ist es geschehen: Ich hatte ein iPad, den Filmklassiker Charade und viel Vorfreude im Gepäck. "Ein Tablet nimmt ja viel mehr Raum meines Blickfeldes ein", sagte ich mir. "Ist ja fast wie im Kino!" Obwohl ich natürlich nicht der einzige im Flieger mit aufgestelltem Tablet war, startete ich Stanley Donens Krimikomödie mit leichtem Schamgefühl. Verzeihung, Mr. Lynch!

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Charade thronte schon länger oben auf meiner Watchlist, und ich hoffte auf leichte Unterhaltung für den Urlaubsstart. Nach nur wenigen Minuten waren meine Gewissensbisse verschwunden. Tausende Meter über dem Boden zu erleben, wie Audrey Hepburn die Kinnspalte von Cary Grant berührt und dann fragt: "How do you shave in there?" war nämlich nichts weniger als pure Kinomagie.

Die Chemie der beiden Hollywoodstars ist unwiderstehlich. Audrey Hepburn spielt die junge Witwe Reggie, deren Ehemann vor seinem Tod mit 250.000 Dollar unterwegs war. Bei seiner Beerdigung tauchen seine alten Kriegskameraden auf. Sie sind auf der Suche nach dem Geld und gewillt, es um jeden Preis zu finden. Schutz findet Reggie bei einem rätselhaften Amerikaner – Cary Grant. Es folgt ein wilder Ritt voller Verwechslungen, Twists und dunklem Humor. Und Wortwitz. Oh, der Wortwitz! Das Geplänkel zwischen Hepburn und Grant wird in Charade förmlich zur Kunstform erhoben.

Cary Grant und Audrey Hepburn beäugen sich. © DR/Lobster

Cary Grant und Audrey Hepburn beäugen sich. © DR/Lobster

Selbst das Kennenlernen der zwei Hollywood-Schönheiten erfolgt im Schlagabtausch. Grant fragt: "Do we know each other?""Why? Do you think we're going to?", fragt Hepburn zurück. Daraufhin Grant: "I don't know. How would I know?" Und schließlich Hepburn: "Because I already know an awful lot of people, and until one of them dies I couldn't possibly meet anyone else."

Neben dem Riesenspaß der Dialoge und dem wilden Genre-Mix bewunderte ich vor allem die Frische des Films! Es gibt schnelle Szenenwechsel und kreative Kameraeinstellungen. Der Altersunterschied zwischen Hepburn und Grant wird augenzwinkernd und selbstironisch immer wieder selbst reflektiert. Eine Kampfszene auf dem Dach ist so wunderbar unbeholfen, dass sie auf die beste Art unchoreografiert wirkt. Wären doch mehr Kampfszenen so gefilmt!

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Charade gilt als "der beste Hitchcock Film, den Hitchcock nie gedreht hat". Als großer Hitchcock-Fan reizte mich da natürlich auch die Suche nach Vergleichen. Und Charade bietet tatsächlich so einige hitchcocksche Motive: Spannung, Identitäts-Täuschungen, makabrer Witz, ein MacGuffin von 250.000 Dollar und natürlich: Cary Grant himself.

Als nach knapp zwei Stunden der Abspann einsetzte und meine Wangen vom Dauergrinsen schmerzten, wusste ich, dass Charade sicher nicht das tiefgründigste Filmwerk ist, das jemals auf Zelluloid gebannt wurde. Aber es ist ein leuchtendes Beispiel für etwas, das viel zu selten zu sehen ist: Ein Film, der als reine Unterhaltung gedacht ist, aber mit so viel Intelligenz, Eleganz und Hingabe gemacht wurde, dass es unmöglich ist, ihn nicht zu lieben.

Audrey Hepburn gibt sich geheimnsivoll. © DR/Lobster

Audrey Hepburn gibt sich geheimnsivoll. © DR/Lobster

ARTHAUS Mitarbeiter Felix Kerth, kurz vorgestellt:

An Bord seit: 2018

Was genau machst du bei ARTHAUS / Studiocanal? Ich betreue die Social Media Auftritte, vor allem auf Facebook und Instagram.

Dein schönster ARTHAUS-Moment? Da gibt es einige: In der täglichen Arbeit liebe ich es, zu sehen, wie viele unseren Fans die ARTHAUS-Filme und neuen Editionen bedeuten. Im Konkreten finde ich die Premieren und Wiederaufführungen immer toll – zum Beispiel als mir Roads-Hauptdarsteller Stéphane Bak einfach sein Handy mitsamt PIN gab und verschwand. Ich habe dann für ihn Bilder und Videos gemacht, die er später teilen konnte.

ARTHAUS ist für dich …? Das großartige Resultat, wenn Menschen zusammenarbeiten können, die die gleiche Leidenschaft und Vision teilen.

Du in drei Filmen? Elf Uhr Nachts, La La Land, La Dolce Vita

Und ein Guilty Pleasure? Paddington 2

Felix Kerth

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