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Bild zu Pans Labyrinth bei "Best of Cinema": Wer ist hier das Monster?

Pans Labyrinth bei "Best of Cinema": Wer ist hier das Monster?

Am 6. Oktober kann man die in 4K restaurierte Version des Horrormärchens Pans Labyrinth in ausgewählten deutschen Kinos sehen. Wir haben Regisseur Guillermo del Toro gefragt, wie er heute auf diesen Film blickt und steigen nur zu gerne noch einmal mit Ofelia hinab in dieses Labyrinth aus faszinierenden Mythenwesen und monsterhaften Menschen.

02. Oktober 2026

Es ist fast immer eine gute Idee, einen Klassiker in 4K zu restaurieren. Bei einem Film wie Pans Labyrinth von Guillermo del Toro, der in diesem Jahr sein 20. Jubiläum feiert, ist diese Idee noch ein bisschen besser. Denn dieser Film ist auf eine Weise prachtvoll, wie man sie im Kino selten erlebt. Oder, wie del Toro es im Gespräch mit Studiocanal formulierte: "Genau wie Frankenstein ist es ein Film, der von Menschen für Menschen handgemacht wurde. Die Kulissen sind alle echt. Die Möbel sind größtenteils handgefertigt. Die Betten, die Tische, die Esszimmerstühle – alles ist handgeschnitzt und handgefertigt."

Die Kostüme der Monster und Mythenwesen unterschlägt del Toro hier leider, obwohl auch sie "handgemacht" oder gar real wirken. Da wäre zum Beispiel der namensgebende Pan, der sehr deutlich in der Tradition der Horrornovelle "Der große Pan" von Arthur Machen steht. Eine faszinierende Figur, halb Monster halb menschlich, verschlagen und einnehmend zugleich. Wenn er zum ersten Mal in den Film tritt, hält man todsicher den Atem an.

Eine weitere ikonische Szene, die nun wie ein abgründiges Gemälde erstrahlt, ist das Bankett mit dem Pale Man, bei dem unsere Heldin Ofelia die Warnung Pans vergisst, bloß keine Speise anzurühren, und eine Traube nascht. Als das blasse, menschenfressende Monster mit den Handaugen daraufhin erwacht, entlädt sich die Spannung der Inszenierung, die auf religiöse Ikonografie und Body Horror setzt – und auf die politische Allegorie, die im Herzen der Geschichte steckt.

Del Toro beschrieb die erste Ansicht der restaurierten Version so: "Ich habe jede Sekunde davon geliebt, weil der Film plötzlich wieder so greifbar war. Der Film strahlte eine Entschlossenheit und eine visuelle Klarheit aus, die mich überrascht hat. Das war vor zwanzig Jahren, und ich fand, dass sich der Film immer noch sehr klar und schön präsentiert."

© Arthaus / Studiocanal

© Arthaus / Studiocanal

© Arthaus / Studiocanal

© Arthaus / Studiocanal

Wer die Story von Pans Labyrinth nicht mehr so ganz vor Augen hat. Guillermo del Toro – der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb – nimmt uns mit ins Spanien des Jahres 1944. Der spanische Bürgerkrieg liegt ein paar Jahre zurück und brachte die Faschisten unter Francisco Franco an die Macht. Das junge Mädchen Ofelia reist mit ihrer Mutter in die Berge Nordspaniens, wo sich die letzten Partisanenkämpfer im Wald verstecken. Ofelias Mutter ist schwanger und hat nach dem Tod ihres Mannes wieder geheiratet. Ihr Gatte ist der brutale, faschistische Hauptmann Vidal, der die Widerstandskämpfer ausrotten soll. Sein Hauptquartier ist in einer verlassenen Mühle, in der Ofelia und ihre Mutter einziehen.

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Schon in den ersten Minuten des Films folgt Ofelia aber dem Ruf einer mythenhaften Welt, die zumindest ihr real erscheint. Insekten werden zu feenartigen Wesen, das zugewachsene Labyrinth neben der Mühle und andere Orte werden zu Toren in ein Reich, das auf die Rückkehr der Prinzessin Moana wartet, die einst aus Neugier diese unterirdische Welt verließ und darüber ihre Heimat und ihr früheres Leben vergaß. Der Faun Pan glaubt nun, Ofelia sei die Prinzessin und testet sie. Aber kann man ihm trauen?

Dabei sind es nicht nur die Monster und Mythenwesen, die diese Welt lebendig machen. Ofelia findet Bücher, die sich selbst malen, folgt dem Wehen des Windes in entlegene Ecken des Labyrinths. Schnell spürt man: Ofelia fühlt sich hier, zwischen Wesen, die viele als Monster bezeichnen würden, wohler als in der Nähe des Hauptmanns. Kein Wunder, erscheinen doch die Taten Vidals viel grausamer als alles, was Ofelia im dunklen Wald begegnet. Schon in den ersten zwanzig Minuten des Films sieht man zum Beispiel, wie er einem Mann mit dem Hammer das Gesicht zerschlägt und einem weiteren aus nächster Nähe mehrmals in die Brust schießt.

© Arthaus / Studiocanal

© Arthaus / Studiocanal

Guillermo del Toro verriet Studiocanal im Interview, dass er "nicht der Hauptmann" sei. "Ich bin Ofelia. Ich bin die für die Partisanen spionierende Mercedes. Ich bin die Rebellen. Ich identifiziere mich mit ihnen. Den Hauptmann schreibe ich als Rätsel. So ist er im Film dargestellt. Er ist ein Fragezeichen. Was treibt ihn an? Ofelia hingegen wird sehr direkt dargestellt. Sie ist eine Lebenskraft. Sie hat eine Gewissheit."

Del Toro sei es in Pans Labyrinth nicht nur drauf angekommen, die dunkle Fantasie und die brutale Realität eines faschistischen Regimes aufeinandertreffen zu lassen. Es sei auch "ein Aufeinandertreffen zweier Sichtweisen, von denen die eine sicherer ist als die andere. Letztendlich sind die Fantasien, die der Kapitän hegt, weitaus imaginärer als die von Ofelia. Ihre kommen von Innen. Ihm werden eine Reihe von Grundsätzen, Ideen und Vorurteilen vorgesetzt, und er akzeptiert sie als Wahrheit, weil andere Menschen sie als Wahrheit akzeptieren."

In del Toros Augen sei der Hauptman, "in gewisser Weise kindischer. Das Bild, das er von seinem Vater hat, erstickt ihn. Er ist eher ein Kind als Ofelia. Sie verkörpert eher eine starke Lebenskraft und eine feste Gewissheit. Was mich wirklich interessiert hat, war der Konflikt zwischen einem faschistischen Hauptmann und einem wirklich eigensinnigen, klugen jungen Mädchen."

© Arthaus / Studiocanal

© Arthaus / Studiocanal

Hier liegt für Guillermo del Toro auch der Grund, warum sich das Publikum von Anfang an so stark mit dem Film identifizierte. "Filme wirken auf symbolischer Ebene und auf einer zutiefst persönlichen Ebene. Ich glaube, der Kampf des Mädchens und ihre Stärke haben etwas Universelles." Es sei heutzutage sehr schwierig, über das Gute zu sprechen, ohne kitschig zu klingen. "Aber es ist wunderbar, eine wirklich gute Person auf der Leinwand zu sehen. Ofelia ist so ein guter Mensch. Heutzutage will alles ironisch oder emotional distanziert zu sein. Dieser Film strahlt absolute Aufrichtigkeit aus, und Aufrichtigkeit ist eine sehr riskante Haltung."

Damit liefert er uns nicht weniger als das perfekte Schlusswort. Wer nun aufrichtiges Interesse hat, Pans Labyrinth noch einmal im neuen 4K-Glanz im Kino zu erleben, hat am 6. Oktober die Chance dazu. Dann läuft er in der Reihe "Best of Cinema" in ausgewählten Kinos in Deutschland. Alle Infos und Kinos findet man auf www.bestofcinema.de.

DK

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