In der Mini-Serie Spuren dreht sich alles um die Ermittlungen in zwei Mordfällen aus der Schwarzwald-Region rund um Freiburg, die dort 2016 tatsächlich innerhalb kürzester für Aufsehen gesorgt hatten – und die Polizei lange beschäftigten.
Während der Fokus dieser Fiktionalisierung auf einer möglichst realistischen Darstellung der Ermittlungen liegt, zeigen die vier hochspannenden Episoden außerdem, dass solche Verbrechen nicht im luftleeren Raum stattfinden. Die kleine Welt, in deren Grenzen jene Dramen sich abspielten, ist voller Betroffener: Familie, Freunde, Ermittler, (potenziell) Verdächtige … Der Druck auf die Polizei stieg damals von Tag zu Tag, daran lässt die Produktion keinen Zweifel. Vor allem die Ermordung einer Joggerin führt die Ermittelnden zunächst von einer heißen Spur zur nächsten, ohne dass man eine/n Täter:in präsentieren kann. Die junge Frau war auf ihrer üblichen Laufroute verschwunden, einige Tage später fand man bei einer groß angelegten Suchaktion ihre Leiche. Aber der Mörder und sein Motiv blieben erst einmal im Dunkeln. Bald darauf rüttelte schon die nächste blutige Tat die Gegend.
Zwei Ermittler, viele Sorgen © Studiocanal
Nach einem Drehbuch von Robert Hummel und Martina Mouchot, das auf dem Sachbuch "SOKO Erle" von Walter Roth basiert, verfolgt Regisseur Stefan Krohmer nicht nur die Spuren der Kriminalfälle. Die Spannung, die er selbst in mutmaßlich banalen Situationen heraufbeschwört, befriedigt einerseits die Lust der True-Crime Fans am Genre, andererseits spürt er dadurch auch den alltäglichen Verwerfungen nach, die die gesellschaftliche Ordnung der Geschlechter durchziehen.
Letztlich handelt es sich bei den ermordeten Frauen um Frauen, die nicht nur getötet wurden, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren. Es sind Frauen, die sterben mussten, weil sie Frauen waren. Nicht jede Form des Sexismus führt zu einem Femizid, dennoch wirken gerade die alltäglichen Szenen äußerst beunruhigend, in denen männliche Gewalt unterschwellig präsent ist, die Möglichkeit ihres offenen Ausbruchs stets mit im Bild, auf der Tonspur oder einfach im Hinterkopf der Zuschauenden, wo sie auftaucht, weil Hierarchien und Typisierungen zentrales Thema der Geschichte sind.
Barbara Kramer und die SOKO © Studiocanal
Zahlreiche Schlüsselpositionen in Spuren werden wie selbstverständlich von Frauen eingenommen, und dass es einem positiv auffällt, bedeutet nicht weniger, als dass es nicht immer ganz so selbstverständlich ist. Die kriminalistische Spurensicherung und Ermittlungsarbeit werden detailreich inszeniert, was einen großen Respekt vor Polizeiarbeit vermittelt, ökonomische und soziale Rahmenbedingungen allerdings ebenso abgeklopft – ganz ohne moralischen Zeigefinger. Nina Kunzendorfs Verkörperung der spröden No-Nonsense-Attitüde der verantwortlichen Polizistin Barbara Kramer, die nach einem Intermezzo in Berlin wieder im Heimatdorf arbeitet und dort Vorbehalten von Familie, Kollegen und Angehörigen gegenübersteht, ist einer typisch deutschen Krimi-Tradition verpflichtet.
Eher ungewöhnlich erscheint jedoch die deutliche Betonung der bitteren Erkenntnis, dass die DNA der Gesellschaft definitiv an Tatorten wie jenen zu finden ist, an denen die 19-jährige Medizinstudentin Maria Ladenburger und die 27-jährigen Joggerin Carolin G. aus Endingen am Kaiserstuhl ganz in echt ihr Leben verloren, während man Hinweise auf konkrete Täter oft lange vergeblich sucht.
WF