Detailsuche

Bild zu David Bowie: Ein Leben für die Ewigkeit

David Bowie: Ein Leben für die Ewigkeit

Vor zehn Jahren starb mit David Bowie einer der größten Stars der Popmusikgeschichte, der auch im Kino brillierte.

09. Januar 2026

Hielte man in jeder Hand ein Daumenkino – eines mit der illustrierten Geschichte der Popkultur seit Mitte der 1960er-Jahre, das andere mit Bildern aus Leben jenes Künstlers, der unter dem Namen David Bowie Weltruhm erlangte –, so würden Überschneidungen und Brüche in den Erzählungen Hand in Hand gehen, während einem die Zeit zwischen den Fingern verrinnt. So ist es am 10. Januar 2026 bereits zehn Jahre her, dass Pop-Ikone David Bowie das Zeitliche segnete, vorgestern wäre er 79 geworden.

Auf dem über ein Jahrzehnt währenden Höhepunkt seiner Karriere war David Bowie eine schier außerirdische Instanz aus der heute beinahe vergessen Kategorie der Superstars – ein Idol, dessen Bühnenaura die Privatsphäre überstrahlte.

Dabei begann alles mit einem unscheinbaren Folk-Album, dessen Songs fast schon etwas kindlich Naives anhaftet, wenn man sie heute hört. Ein schönes Ding, Beatles-inspiriert und schlicht eingängig, dem allerdings kein großer Erfolg beschieden war. Vermutlich deswegen startete Bowie einen neuen Versuch, den er wie schon das eigentliche Debüt einfach mit seinem Namen betitelte. Und dieses zweite Bowie-Debüt-Album enthält mit "Space Oddity" Bowies erste wahrlich außergewöhnliche Single.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

David Bowie traf mit der Ode an den einsamen Astronauten Major Tom den Zeitgeist gleich in mehrfacher Hinsicht – das mediale Spektakel der ersten Mondlandung hatte die Welt nur wenige Monate vor der Veröffentlichung fasziniert, schon 1968 lief Stanley Kubricks Science-Fiction-Kunstwerk 2001 – Odyssee im Weltraum in den Kinos. Der Finger am Puls der Zeit sollte für Bowies Laufbahn charakteristisch werden, er war der Schatten und das Licht popkultureller Phänomene, wobei er mit Metaebenen jonglierte und sich in Masken warf, ohne jemals den Clown zu geben. Wenn David Bowie bereits eine Kunstfigur war (und das doppelte Debüt unter diesem Namen legt die Vermutung nahe, dass es sich bei ihm um eine Art Shapeshifter handelte, also ein spezielles Wesen, das Gestalt und Auftreten nach Belieben wechseln kann), dann erschuf die Kunstfigur in den folgenden Jahren mit Ziggy Stardust oder dem Thin White Duke weitere Kunstfiguren, die einander in ihrer jeweiligen Pose durchaus widersprachen. Eine Menge Ausstrahlung besaßen sie alle.

Die Erfindung von Ziggy Stardust war für Bowie ein Gamechanger, dennoch beerdigte er die Glamrock-Performance mit einer spektakulären Tour und schmiss sich als Thin White Duke in Anzug und Krawatte. Bereits vorher hatte er großartige Platten veröffentlicht, und der Titelsong eines seiner schönsten Alben überhaupt, "The Man Who Sold The World", wurde später durch Nirvanas MTV-Unplugged-Version unsterblich.

Nach musicalesken und souligen Schaffensphasen offenbarte "Station To Station" Mitte der 1970er erste Berührungspunkt mit Punk, es folgte die berühmte Berlin-Trilogie, die eng mit dem notorischen Hit "Heroes", übermäßigen Heroinkonsum und der Freundschaft zu Iggy Pop verbunden ist, dessen legendäre Alben "The Idiot" und "Lust for Life" er produzierte. Der Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo setzte dieser Episode in Bowies Vita 1981 quasi ein filmisches Denkmal.

Video kann aufgrund der gewählten Cookie-Einstellungen nicht gezeigt werden.

Aus der Mode kam David Bowie auch nach dieser erschöpfenden Zeit erst mal nicht. Der Charts-Hit "Let's Dance" und ein cleanes Image machten ihn zu einer der prägenden Popmusiker der 1980er-Jahre. Das Video zu "China Girl" brach Tabus auf MTV, mit "When The Wind Blows" beschwor der die Gefahr der Atomkraft herauf und veraschaffte der Protestballlade ein Update. Es war die Dekade von Tschernobyl und der Ausläufer des Kalten Kriegs. In den 1990ern machte er sich rarer, aber inmitten des Grunge- und Hip-Hop- und Britpop-Hypes tourte er einfach mal so mit den schwer angesagten Nine Inch Nails.

Von Bowie bleiben uns nicht nur die musikalischen Verwandlungen. Er trat immer wieder als Filmschauspieler in Erscheinung. Als Der Mann, der vom Himmel fiel unter der Regie von Nicolas Roeg konnte er sein androgynes Image und sie übersinnliche Erscheinung auf die Leinwand übertragen. Nebenrollen wie die des Pontius Pilatus in Die letzte Versuchung Christi oder die eines FBI-Agenten in Twin Peaks, Fire Walk With Me zeigen, dass Bowie sich auch bescheiden in die Geschichten anderer einzufügen vermochte. Mr. Christmas Mr. Lawrence wiederum belegt sein weithin unterschätztes Talent als Charakterdarsteller.

Sohn Duncan, der unter Bowies bürgerlichem Namen Jones philosophische Science-Fiction und Action-Thriller wie Moon oder Source Code gedreht hat, verdanken wir die Weiterführung der familiären Kino-Tradition in nächster Generation. David Bowie selbst dürfte in den letzten Zügen seines irdischen Daseins noch mal einen Film mit vielen spannenden Charakteren und Wendungen gesehen haben, falls es stimmt, dass kurz vor dem Tod unser gesamtes Leben vor unseren Augen abläuft. Zwei Tage, bevor er starb, erschien sein Album "Blackstar". Ein würdiges musikalisches und inszenatorisches Vermächtnis – nah am Puls der Zeit und für die Ewigkeit gemacht.

WF

Dazu in unserem Magazin

Arthaus Stores

Social Media