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Kennen Sie den schon?:Dogman

Luc Bessons vielschichtige Charakterstudie weist ihn mal wieder als großartigen Geschichtenerzähler aus – sein Meisterwerk aus dem Jahr 2023 ist jetzt auf ARTHAUS+ verfügbar.

21. August 2026

Wenn man an die Arbeiten von Luc Besson denkt, dann hat man latent überzeichnete Charaktere und die Anmutung des französischen Cinéma du look vor Augen, dessen Vertreter eine bewusst artifizielle Gestaltung ihrer Filme dem dogmatischen Streben nach Authentizität vorzogen.

In den 1980er und 90er Jahren landete Besson mit den für ihn typischen Stilelementen und der ihm eigenen Queerness einen Hit nach dem anderen: Subway, Léon - Der Profi, Nikita, Im Rausch der Tiefe, Johanna von Orléans, Lucy oder Das fünfte Element weisen zudem sowohl eine absolute Treue zur eigenen Vorstellung von Kino als auch zu jenen Personen auf, mit denen er diese Idee in die Tat umsetzte – die wiederkehrenden Auftritte von Stars wie Milla Jovovich oder Jean Reno wären da nur zwei gute Beispiele. Dies alles im Sinn, vergisst man leicht eine herausragende Eigenschaft des Filmemachers: Luc Besson ist ein ganz toller Geschichtenerzähler, der Tinte für tausend Romane im Bauch hat, die er für uns auf die Leinwand projiziert.

Wo immer ein Unglücklicher ist, schickt Gott einen Hund © 2023 LBP, Europacorp, TF1 Films Production. All rights reserved.

Wo immer ein Unglücklicher ist, schickt Gott einen Hund © 2023 LBP, Europacorp, TF1 Films Production. All rights reserved.

Wer jemals ein Buch von Stephen King gelesen hat, kann den großen Erfolg des King of Horror nachvollziehen: King erzählt Storys, die einem bekannt vorkommen, da sie eng mit seelischen Wunden aus Kindertagen verknüpft sind, die die meisten von uns bis ins Erwachsenenalter spüren. Zudem mögen Kings Romane noch so sehr voller Referenzen an für ihn wichtige Einflüsse stecken, man findet darin immer wieder sprachliche oder erzählerische Bilder, die einem im Kopf bleiben, auch wenn man weniger belesen oder in Filmen bewandert ist als der Meister selbst.

Und wenn man Dogman schaut, könnte manchem diese absurde bis anrührende Charakterstudie als vermutlich plausibelste King-Adaption erscheinen, die gar nicht auf einer Geschichte von Stephen King basiert. Das simple Mittel der Rückschau des Helden Doug auf sein Leben nach der Festnahme im Dialog mit der Psychologin; die Kindheit Dougs mit gewalttätigem Vater und dem von der väterlichen Gewalt durchdrungenen älteren Bruder sowie der hilflosen Mutter, die ihn zurücklässt; seine Jahre im Hundezwinger und die dadurch ins Extreme gewachsene Liebe zu den Tieren; die Erziehung und Bildung durch die Frauenmagazine im dahinter liegenden Schuppen … so viele lebendige Metaphern für Einsamkeit, Self-Empowerment und den Triumph über die Rolle als Außenseiter – das hätte Stephen King in einem seiner Bestseller, allesamt Verteidigungen der Kindheit, nicht besser hinkriegen können.

Thriller, Charakterstudie und Sittengemälde © 2023 LBP, Europacorp, TF1 Films Production. All rights reserved.

Thriller, Charakterstudie und Sittengemälde © 2023 LBP, Europacorp, TF1 Films Production. All rights reserved.

Dogman ist eine betörende Mischung aus Thriller, Komödie und Sittengemälde, die Luc Besson auf dem jüngsten Höhepunkt seines Könnens zeigt. Wir wissen über Besson, dass er bereits als Jugendlicher Geschichten zu Papier brachte, die er als reifer Künstler verfilmte, und dass er in einem seiner Schlüsselwerke einen Tauchunfall, den er als Jugendlicher erlitt, verarbeitet hat. Wir wissen nicht, wie lange diese Geschichte hier in ihm schlummerte, bis er sie der Öffentlichkeit anvertraute, wie hoch der Anteil an verarbeiteten Traumata aus der eigenen Biografie darin ist, und ob die Figur des Dogman in irgendeiner Art und Weise gar auf den Hundekostüm tragenden Roger aus Stephen Kings "The Shining" zurückgeht. Fest steht, dass er in Caleb Landry Jones einen kongenialen Darsteller gefunden hat und auch die Nebenrollen mit Jojo T. Gibbs als problembeladene Psychologin und Clemens Schick als prügelnder Lumpenpatriarch grandios besetzen konnte. Von den Hunden, den (un-)heimlichen Stars dieses Films, ganz zu schweigen. Luc Bession scheint ihnen eindringliche Regieanweisungen mit der Hundepfeife gegeben zu haben, aber bei allem künstlichen Drumherum muss man den einen oder anderen Hundeblick einfach dem Naturtalent der Vierbeiner zuschreiben.

Die Produktion leitete übrigens wieder Bessons Gattin Virginie Besson-Silla, und die Musik stammt selbstverständlich von Éric Serra, seinem Haus- und Hofkomponisten. Bei Luc Besson weiß man eben genau, was man hat, aber manchmal weiß man vielleicht gar nicht zu schätzen, über wie viele Qualitäten dieser einzigartige Geschichtenerzähler eigentlich verfügt. Schauen Sie nur rein in die Anfangssequenz mit der Polizeikontrolle, bei der Doug Monroe den Cop seelenruhig um Feuer für seine Zigarette bittet – und Dogman wird sie so schnell nicht wieder loslassen.

WF

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