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All die ungesagten Worte: Quality Time bis der Akku leer ist

In der Mini-Serie nach dem gleichnamigen Bestseller steht ein kürzlich Verstorbener als perfekte Reproduktion wieder auf der Matte – und bittet um eine zweite Chance.

12. August 2026

Im 20. Jahrhundert noch wäre diese Idee wohl am ehesten einem klassischen Science-Fiction-Autor eingefallen, 2008 war die Zeit schon reif für ein Stück breitenwirksame Unterhaltungsliteratur mit einem perfekt gestalteten Humanoiden beziehungsweise Androiden. Also mit einer Maschine, die nach dem Tod eins zu eins den Platz seines sterblichen Pendants einnehmen kann, das gerade den Löffel abgegeben hat.

Der französische Autor Marc Levy, nicht wirklich ein Genre-Vertreter, schuf 2008 einen Bestseller, das Buch wiederum diente als Vorlage der gleichnamigen Mini-Serie mit Alexandra Maria Lara und Jean Reno in den Hauptrollen. Die Handlung von All die ungesagten Worte beginnt dann auch mit einer Beerdigung, der Abschlusszeremonie eines gelebten Lebens. Der besondere Clou an diesem Begräbnis: Es findet statt, als Julia ursprünglich ihren Verlobten heiraten wollte, und bei dem Verstorbenen handelt es sich um ihren Vater. Trauerflor statt Flitterwochen.

Wie porträtiert man einen Verstorbenen? © Studiocanal

Wie porträtiert man einen Verstorbenen? © Studiocanal

Zuhause die Überraschung: Julia erhält ein Paket, das sie nicht bestellt hat, darin befindet sich der Automat, der fortan ihren Vater ersetzt. Knopfdruck genügt. Er sieht genauso aus wie er, bewegt sich genauso wie er, spricht genauso wie er und ist zudem mit einem Speicher seiner Erinnerungen und mit den durch sein Bewusstsein geformten Charakterzügen ausgestattet. Das macht die Sache für Julia besonders kompliziert. Schließlich war ihr geschäftstüchtiger Vater Zeit seines (echten) Lebens stets abwesend. Eine traumatische Erfahrung für die erfolgreiche Grafikdesignerin, die nun in einem Dilemma steckt. Soll sie den Vater gleich wieder ausknipsen und ihn damit endgültig ad acta legen, oder soll sie seinen letzten Wunsch erfüllen und Quality-Time mit ihm verbringen, bis der Akku alle ist?

Jean Reno haucht der Hauptfigur des quasi auferstandenen Vaters auf augenzwinkernde bis rührende Weise Leben ein, Alexandra Maria Lara verkörpert überzeugend die Unnachgiebigkeit der erwachsenen Frau, die immer noch das Kind in sich birgt, das von der Ignoranz des Vaters und dessen Prioritäten enttäuscht ist.

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So verwundert einen auch nicht der große Erfolg der Geschichte, ob als Buch oder als Serie: Zwar streift die Vorstellung eines Lebens nach dem Tod in Verbindung mit der Phantasie von den unbegrenzten Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz gleich mehrere reale Debatten unserer Gegenwart. Doch stehen die ganz alltäglichen zwischenmenschlichen Probleme und damit einhergehenden Emotionen hier im Vordergrund. Der Tod wird auch nicht endgültig besiegt, sondern nur für ein paar Tage aufgeschoben. Ewigem Leben bleibt ein technologischer Riegel vorgeschoben. Neun wunderbar menschelnde Episoden lang haben wir Gelegenheit, die unterhaltsamen Auswirkungen von Papas irrem Comeback zu betrachten.

WF

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