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Thomas Vinterberg: Ohne Netz und doppelten Boden

Vor gut zwanzig Jahren eröffnete Das Fest die Reihe der Dogma-Filme, in diesem Jahr wurde Der Rausch mit einem Oscar ausgezeichnet. Der dänische Regisseur Thomas Vinterberg hat längst seine eigene Handschrift entwickelt, auch wenn sie heute etwas optimistischer erscheint.

22. Juli 2021

Bei der in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Oscar-Verleihung 2021 sorgte Thomas Vinterberg mit seiner Dankesrede für einen der ergreifenden Momente. Vinterberg erinnerte daran, dass seine Tochter während der Dreharbeiten zu Der Rausch bei einem Unfall ums Leben kam, bevor er für eben diesen Film den Preis mit nach Hause nahm. Der Schmerz als Motiv scheint den Künstler bis ins Leben zu verfolgen. Der Rausch ist schließlich eine Tragikomödie, die in der Tradition seiner Filme über schmerzhafte Erfahrungen und Ereignisse steht, die andererseits jedoch auch ganz neuen Optimismus versprüht. Hauptdarsteller Mads Mikkelsen ließ sich beim letztjährigen Film Festival Cologne gar zu der Bemerkung hinreißen, Der Rausch sei eine Hommage ans Leben. Und man kann ihm eigentlich nur zustimmen.

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In seinem Debüt Das Fest hatte Dogma-95-Mitbegründer Thomas Vinterberg noch keinen Zweifel daran gelassen, dass Familien prinzipiell toxische Gebilde sind – wobei die spezielle Familie im Film von Missbrauchsfällen gezeichnet wurde. Auch Die Kommune in seinem gleichnamigen Drama zerfällt allmählich. Dem jüngsten Antihelden Martin, einem von der Midlife Crisis geplagten Gymnasiallehrer, schenkt Vinterberg in dem mitunter durchaus amüsanten Oscar-Gewinner nun dagegen neue Hoffnung – aus der Flasche. Der von Mads Mikkelsen vortrefflich verkörperte, potenzielle Burnout-Patient schöpft nämlich Mut, als er und seine Kumpel die schrägen Thesen eines norwegischen Psychologen mit Leben füllen. Der Mann ist doch tatsächlich der Meinung (und ja, es gibt ihn wirklich), der Mensch sei glücklicher und auch effizienter wenn er dauerhaft einen Pegel von 0,5 Promille Alkohol im Blut halte.

Was zunächst klingt wie eine moderne Selbstoptimierungs-Farce, entpuppt sich unter Vinterbergs mal wieder beeindruckender Regie und dank eines umwerfenden Mikkelsen bald als ernst gemeinte Hommage an den sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan, das Leben ohne Netz und doppelten Boden…

WF

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