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Zum Tod von Glen Hansard

Der irische Musiker, der durch Once weltberühmt wurde und solo oder als Teil der Bands The Swell Season und The Frames wundervolle Lieder schrieb, starb in der Nacht auf Mittwoch nach einem Motorradunfall in Dublin. Ein Nachruf.

29. Juli 2026

Die Nachricht schockiert mich noch immer: Glen Hansard ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach einem Motorradunfall in Dublin gestorben. Er wurde 56 Jahre alt und hinterlässt einen im Jahr 2022 geborenen Sohn. Im Herbst hätte Hansard wieder auf Tour gehen wollen und wäre in Düsseldorf und Leipzig aufgetreten.

Vielleicht war es ein Fehler, danach gleich meinen persönlichen Lieblingssong aus Hansards so reichem Oeuvre abzuspielen. Es ist ein Lied seiner Band The Frames namens "Lay Me Down" aus dem Jahr 2001. Ich entdeckte ihn, nachdem mir eine Bekannte aus dem Online-Forum des Magazins "Intro" geraten hatte, diese Band mal auszuchecken. Also machte ich mich des Nächstens bei Napster & Co. auf die Suche nach den Frames und fand "Lay Me Down".

Hansards warme und zugleich weise Stimme packte mich gleich. Ich mochte auch den tieftraurigen, poetischen, sehr irischen Text. Und damit wären wir bei besagtem Fehler: "Lay Me Down" ist nämlich nicht weniger als eine lyrische Meditation über den Tod. Im Chorus heißt es: "And lay me down / In the hollowed ground / Where my father waits, I will stay / So lay me down." Auch im Video tanzen wortwörtlich die Totenschädel. Wie (un)passend.

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Erste Filmrolle in Die Commitments

Etwas später merkte ich, dass mir Glen Hansard schon Jahre vorher begegnet war. Und zwar in einem meiner Lieblingsfilme: Er spielte den Gitarristen Outspan Foster in dem großartigen Musikfilm Die Commitments aus dem Jahr 1991, den ich genauso liebte, wie den Roman von Roddy Doyle. Ende der 90er sah ich mir den Film mindestens zweimal im Jahr an, oft wenn ich mich ein bisschen einsam fühlte und mir wünschte, auch mal in einer Band zu spielen.

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Glen Hansard begann seine Musikkarriere fast zu gleichen Teilen auf der Straße und auf der Bühne. Schon mit 13 stand er an Dubliner Straßenecken und betriebt das, was man im Englischen "Busking" nennt. 1970 geborenen, gründete er The Frames mit 20 und erspielte sich in UK schnell den Ruf eines starken Sängers, Songwriters und Gitarristen. Ein bestimmter Bandkollege hatte dann einen ganz besonders großen Einfluss auf Hansards Karriere: John Carney. Bevor der nämlich Regisseur wurde, spielte er Bass bei den Frames – was vielleicht auch erklärt, warum Carney es immer wieder schafft, herzwärmende Musikfilme zu produzieren.

Für Once, der Hansard am Ende Weltruhm und einen Oscar einbringen sollte, wollte Hansard eigentlich nur die Musik schreiben. Aber Carney struggelte mit der Finanzierung und fragte sich plötzlich: Warum suche ich eigentlich teure Schauspieler, die singen können und nicht Musiker aus meinem Bekanntenkreis, die schauspielern können? Was ihn natürlich direkt zu seinem Bandkollegen führte. Der musste erst überredet werden, sagte aber schließlich widerwillig zu.

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Once veränderte das Leben von Hansard auf zweierlei Weisen

John Carney sagte damals, er habe mit Once einen eigenen Take auf die alten Hollywood Musicals wie A Star Is Born wagen wollen und nannte seinen Film ein "visuelles Album". Das erklärt er so: "Im Grunde handelt es sich um eine Reihe von Liedern und eine kleine dramatische Geschichte, die diese miteinander verbindet. Es ist eine Art modernes Musical, das jedoch so inszeniert ist, dass es auch für ein jüngeres und neues Publikum ansprechend ist."

Once veränderte Hansards Leben nicht nur auf künstlerische Weise. Er, der den "guy" spielt, verliebte sich während der Dreharbeiten in die Musikerin Markéta Irglová, die das "girl" spielt – und umgekehrt. Diese sehr reale Magie spürt man bereits in dieser, der vielleicht besten, Szene im Film. Der Song "Falling Slowly" brachte Hansard auch einen Oscar in der Kategorie "Best Original Song" ein.

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Die kurze, aber intensive Swell Season

Once gab den beiden privat und künstlerisch einen Schub – der aber Herausforderungen mit sich brachte. Irglová und Hansard gingen eine Beziehung ein, tourten viel und veröffentlichten eine Reihe starker Alben unter dem Namen The Swell Season. Als die Beziehung zerbrach, endete auch das Projekt. Die tolle Dokumentation The Swell Season – Die Liebesgeschichte nach Once von Carlo Mirabella-Davis, Nick August-Perna und Chris Dapkins zeigt die besondere Dynamik der beiden.

Hansard sagte damals dem Magazin Billboard: "Der einzige Grund, warum es wieder eine Swell Season geben wird, ist, wenn Markéta und ich uns wieder gemeinsam in einem Raum wiederfinden und Musik machen. Es muss ganz natürlich entstehen; wir müssen uns zusammensetzen, ein paar Stücke voreinander spielen und sehen, was dabei herauskommt. Wir würden nicht wieder damit anfangen wollen, um Konzerte zu geben und Geld zu verdienen oder so etwas. Es ist eine andere Art von Beziehung, die man nicht erzwingen kann. Wir verstehen uns zwar hervorragend und setzen uns auch zusammen, um Musik zu machen, aber darauf kann man sich nicht verlassen."

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Die Songs des Glen Hansard

Glen Hansard hat in seinem Leben viele Lieder geschrieben, die mir mehr ans Herz gingen als andere. Neben den bereits im Text erwähnten sind das vor allem der minimalistische "Song Of Good Hope" vom Album "Rhythm And Repose" (2012), das eher rockige "Winning Streak" aus "Didn’t He Ramble" (2015), das dunkel-majestätische "Fool’s Game" aus "This Wild Willing" (2019), "Between Us There Is Music" aus dem Jahr 2023 und eigentlich alles vom The Swell Season-Album "Forward" aus dem letzten Jahr. Da war es nämlich tatsächlich passiert, dass die beiden wieder zusammen in einem Raum Musik machen wollten. Es ist ein weises, warmes, melancholisches Album zweier Menschen, die sich einmal geliebt und später angefreundet haben.

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Vor zwei Jahren brachte Hansard mich dann mit einer Cover-Version zum Heulen. Er spielte auf der Beerdigung seines Landsmannes Shane McGowan dessen Pogues-Klassiker "Fairytale Of New York" mit Lisa O’Neill im Duett – eine Performance, die um die Welt ging und nicht nur den Pogues-Fans zeigte, was für ein großartiger Sänger Glen Hansard ist.

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Eigentlich hatte ich gehofft, Glen Hansard in diesem Jahr noch einmal live zu sehen. Konzerte von ihm waren immer eine im besten Sinne emotionale Angelegenheit für mich. Und er war eng verbunden mit einem meiner Herzensfestivals: dem Haldern Pop am Niederrhein, auf dem er regelmäßig spielte. Zuletzt im Jahr 2023, wo ich natürlich in den vorderen Reihen stand.

Auch 2016 habe ich in bester Erinnerung – vor allem, weil es davon einen schönen Konzertmitschnitt des "WDR Rockpalasts" gibt. Haldern liebte Hansard – und umgekehrt. Immer wieder hörte ich von den Machern und der Crew, dass er einer der angenehmsten und neugierigsten Menschen im Backstage gewesen sei.

Vielleicht ist so ein Konzert dann auch der beste Abschluss für diesen traurigen Text. In diesem Video sieht man noch einmal die volle Kraft seiner Kunst und seines Charismas.

Ruhe in Frieden, Glen. Deine Musik und deine Konzerte werde ich nie vergessen. Und viele andere auch nicht.

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Daniel Koch

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