Luis Buñuel

Biographie
Filmografie

Surrealistische Karikaturen der Bourgeosie

Auch heute noch, mehrere Jahrzehnte nach seinem Tod, genießt Luis Buñuel uneingeschränkte Anerkennung als bedeutsamster spanischsprachiger Regisseur der Kinogeschichte. Die Spannweite seiner Filme reicht von präzisen, klugen und oftmals ironischen Sozialstudien bis hin zu überbordenden surrealistischen Phantasien, wofür Buñuel mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurde, darunter ein Oscar® sowie insgesamt neun Preise der internationalen Filmfestspiele in Cannes, Venedig und Berlin.

Buñuel wurde am 22. Februar 1900 im spanischen Calanda als Kaufmannssohn in wohlhabenden Verhältnissen geboren. Er wuchs überwiegend in Saragossa auf und besuchte ab 1907 die ortsansässige Jesuitenschule, pflegte jedoch später als erklärter Atheist sein Leben lang ein kritisches Verhältnis zur Kirche und zum bürgerlichen Milieu. An der Universität Madrid, wo er Literatur und Philosophie studierte, lernte er den Maler Salvador Dalí kennen. Nachdem Buñuel ab 1925 in Paris als Regieassistent von Jean Epstein gearbeitet und wichtige Einblicke in die Filmproduktion erhalten hatte, drehte er 1929 zusammen mit Dalí seinen ersten kurzen Film Ein andalusischer Hund. Der Erfolg ihres 16-minütigen Filmdebüts verhalf Buñuel und Dalí zu einem Platz in der Riege der französischen Surrealisten um André Breton. Wenig später entstand als zweite filmische Zusammenarbeit von Buñuel und Dalí Das goldene Zeitalter (1930), der aufgrund seiner scharfen Kritik an Bürgertum und Kirche kurz nach der Uraufführung verboten wurde und massive Proteste auslöste, die dazu führten, dass Dalí sich in der Folgezeit von diesem Werk distanzierte.
Nach einer kurzen Phase in dem vom anhaltenden Bürgerkrieg zerrütteten Spanien entschied sich Buñuel 1939, als General Franco die Macht übernahm, für das Exil. Damit tat er es einer Reihe weiter europäischer Kunstschaffender gleich, deren Heimatländer ebenfalls vom Faschismus bedroht waren, wie Jean Renoir oder René Clair. Buñuel wanderte erst in die USA und einige Jahre später nach Mexiko aus. 1949 nahm er die mexikanische Staatsbürgerschaft an und erlebte dort eine überaus produktive und von Erfolg gekrönte Schaffensphase, angefangen mit Die Vergessenen (1950) bis hin zu Nazarin (1958), die beide einen Preis in Cannes erhielten. Mit Viridiana (1961) veröffentlichte er sogar noch einen letzten Film in seiner Heimat Spanien, nachdem er von Franco aus taktischen Gründen zur Rückkehr eingeladen worden war – und setzte dem schockierten spanischen Publikum prompt einen skandalträchtigen, landesweit verbotenen Film vor, der noch im selben Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt wurde.
In den 1960er Jahren drehte er überwiegend in Frankreich, wo er unter anderem Catherine Deneuve wiederholt engagierte, die als Hauptdarstellerin in Belle de Jour – Schöne des Tages (1967), dem größten kommerziellen Erfolg in Buñuels Karriere, und Tristana (1970) zu sehen ist. In seinen letzten Werken aus den 1970er Jahren, Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1972), Das Gespenst der Freiheit (1974) und Dieses obskure Objekt der Begierde (1977), tauchen neben Buñuels gewohnter und nie abhanden gekommener Provokationslust gegenüber dem Bürgertum auch wieder vermehrt surrealistische Elemente auf und runden gleichsam sein filmisches Lebenswerk ab. Am 29. Juli 1983 starb Luis Buñuel in Mexiko-Stadt.

Dieses obskure Objekt der Begierde (1977)
Das Gespenst der Freiheit (1974)
Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1972)
Tristana (1970)
Die Milchstraße (1969)
Belle de Jour (1967)
Tagebuch einer Kammerzofe (1964)
Viridiana (1961)
Das junge Mädchen (1960)
Das Fieber steigt in El Pao (1959)
Nazarin (1959)
Er (1953)
Die Vergessenen (1950)
Gran Casino (1946)

Das goldene Zeitalter (1930)
Ein andalusischer Hund (1929)

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