Oscars: Wer bis 2049 wartet, kann auch bis 1917 warten

Pedro Almodóvars Leid und Herrlichkeit ist in zwei Kategorien für einen Oscar nominiert. Auch Antonio Banderas könnte gewinnen. Ein Blick auf die wichtigsten Kandidat*innen und Hintergrundgeschichten in diesem Jahr.

Filmgeschichten 14. Januar 2020

Die 92. Verleihung der Oscars am 9. Februar 2020 hält wenig Überraschendes aber immerhin einige erfreuliche Details bereit. Soviel steht nach der Bekanntgabe der Nominierten fest. Ein echter Grund zur Freude aus der Sicht von ARTHAUS ist das zweimalige Auftauchen von Pedro Almodóvars Leid und Herrlichkeit im prestigeträchtigen Wettbewerb. Almodóvar darf sich Hoffnungen auf die Trophäe für seinen Hauptdarsteller Antonio Banderas sowie auf den Preis für den Besten internationalen Film machen.

Im Mittelpunkt der Gala rund um die Academy Awards, die wie schon im Vorjahr ohne einen klassischen Host über die Bühne gehen wird, stehen wie so oft die künstlerischen Leistungen des männlichen Geschlechts, jedenfalls wenn man sich die fünf Anwärter auf die Auszeichnung für die Beste Regie anschaut: Martin Scorsese (The Irishman), Sam Mendes (1917), Quentin Tarantino (Once Upon A Time in Hollywood), Todd Phillips (Joker) und Bong Joon-ho (Parasite). Derweil ist mit Little Women zumindest ein Werk unter den zehn Kandidaten für den Besten Film gelandet, bei dem eine Frau auf dem Regiestuhl saß.

Make Hollywood Greta than ever

Es wäre sensationell, wenn Greta Gerwig den Jungs ein Schnippchen schlägt mit ihrer Adaption jener Geschichte aus der Feder von Louisa May Alcott, die Sie vielleicht unter dem Titel Betty und ihre Schwestern schon einmal verfilmt gesehen haben – unter anderem mit Winona Ryder. In Gerwigs Version werden die March-Sisters von Emma Watson, Saoirse Ronan, Florence Pugh und Eliza Scanlen verkörpert. Ronan und Pugh sind außerdem in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin und Beste Nebendarstellerin im Rennen. Bei der Romanvorlage handelt es sich übrigens um das Buch, das Elena Greco und Lina Cerullo im ersten Teil oder auch der ersten Staffel von Elena Ferrantes Meine geniale Freundin von dem Geld kaufen, das ihnen der sagenumwobene Mafioso Don Achille zusteckt.

Die Filmmafia Hollywoods am Werk – so muss es Martin Scorsese im Lauf seiner Karriere mitunter vorgekommen sein, da er doch jahrzehntelang bei der Preisvergabe übergangen wurde, bis er 2007, 40 Jahre nach seinem Debüt, endlich seinen ersten Award als bester Regisseur in Händen halten durfte. Scorseses beeindruckendes Alterswerk im doppelten Sinne, The Irishman, katapultiert ihn nun zum wiederholten Mal in die engere Auswahl. Dort konkurriert er auch mit Sam Mendes, der sich dank 1917 qualifizierte, aus dessen Stab der Scorsese unter den Kameramännern ebenfalls auf den zweiten Oscar hoffen darf. Die Chancen stehen nicht schlecht für Roger Deakins, schließlich ist die Kamera, die sich im One-Take-Wonder 1917 und in den blutigen Wirren des Ersten Weltkriegs scheinbar ohne einen einzigen Schnitt an die Fersen zweier Soldaten heftet, als absolut außergewöhnlich zu bezeichnen. Und warum „Kamera-Scorsese?“ Weil Deakins, dessen Blick durchs Objektiv Filme wie Fargo, Kundun, Glaubensfrage und Sicario prägte, insgesamt bereits mehr als dutzendfach zur Auswahl stand, bevor er 2017 für herausragende Arbeit an Blade Runner 2049 das güldene Figürchen erstmals überreicht bekam.

Eine zerschmolzene Hoffnung

Antonio Banderas könnte zeigen, dass es auch anders geht und sich bei der Premiere als Nominierter gleich Oscar Nummer eins holen. Für seine Leistung in Leid und Herrlichkeit, einem Film, der nicht nur ihn persönlich auf besondere Weise berührt, hätte er ihn allemal verdient. Es spricht zudem für Banderas’ Uneitelkeit und Bescheidenheit, dass er sich von seinen Verbleib unter den besten Fünf neben Leonardo Di Caprio (Once Upon A Time In Hollywood), Joaquin Phoenix (Joker), Adam Driver (Marriage Story) und Jonathan Pryce (Die zwei Päpste) selbst überrascht zeigte. Dabei ist doch die größte Überraschung in diesem Jahr, dass Die Eiskönigin 2 bei den Animationsfilmen fehlt. Eine Unverfrorenheit! Aber Frauen haben es halt immer noch schwer in Hollywood.

Alle Nominierungen im Überblick finden Sie HIER.

WF

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